Sehnenregeneration: Eine neue Option bei durchgehenden Rissen des Tennisellbogens

Imran J Siddiqui, Alyssa Ritner, Sanjay Mahadevan, Kyle J Dineen, Roosevelt Desronvilles · Regenerative Medicine · 2024

Vollständige Sehnenheilung ohne Operation bei einem Patienten beobachtet

Für Menschen mit schwerem Tennisellbogen und durchgehenden Sehnenrissen war eine Operation bislang die einzige wirkliche Option. Diese Fallstudie beschreibt einen anderen Weg. Ein 56-jähriger Mann mit einem kompletten Riss seiner gemeinsamen Strecksehne (der Sehnengruppe an der Außenseite des Ellbogens) wurde anstelle einer Operation mit mikrofragmentiertem Fettgewebe nach dem Lipogems®-Verfahren behandelt. Die gerissene Sehne heilte nicht nur, sondern zeigte in bildgebenden Untersuchungen eine vollständige Überbrückung und Gewebeumbau.

Steroidinjektion ging dem Riss voraus – Fetttransplantat unterstützte die Heilung

Der Patient hatte vor dem vollständigen Sehnenriss eine Kortikosteroid-Injektion gegen Ellbogenschmerzen erhalten. Studien deuten darauf hin, dass Steroidinjektionen das Risiko eines Sehnenrisses im Zeitverlauf erhöhen können. Nach dem Riss entnahmen die Ärzte Fettgewebe aus der Flankenregion des Patienten. Dieses Gewebe wurde aufbereitet, um mikrofragmentiertes Fettgewebe (MFAT) herzustellen – speziell gereinigtes Fett, das regenerative Zellen enthält. Das MFAT wurde dann unter Ultraschallkontrolle präzise direkt in die Rissstelle injiziert.

Bildgebung bestätigte Heilung nach sieben und fünfzehn Wochen

Die Ergebnisse wurden bei Nachuntersuchungen mittels Ultraschall und MRT dokumentiert:

  • Nach sieben Wochen: Der Ultraschall zeigte, dass die gerissenen Sehnenenden begonnen hatten, sich zu überbrücken

  • Nach fünfzehn Wochen: Ein vollständiger Gewebeumbau war sichtbar, und die vorherige Retraktion (bei der sich die gerissene Sehne zurückgezogen hatte) hatte sich zurückgebildet

  • Patientenberichtete Ergebnisse: Der Mann erlebte deutliche Verbesserungen sowohl bei den Schmerzen als auch bei der Ellbogenfunktion

Dieser Zeitrahmen ist bemerkenswert. Nach einer herkömmlichen chirurgischen Reparatur vergehen typischerweise Monate der Erholung, bevor Patienten wesentliche Verbesserungen bemerken.

Warum Fettgewebe Sehnen bei der Heilung helfen kann

Fettgewebe (Adipositas-Gewebe) ist eine der reichhaltigsten Quellen des Körpers für mesenchymale Stammzellen und Perizyten – regenerative Zellen, die die Gewebereparatur unterstützen. Bei der Aufbereitung durch das Lipogems®-System werden diese Zellen zusammen mit ihrer natürlichen Stützstruktur erhalten. Die Behandlung wirkt, indem sie die körpereigenen Reparaturmechanismen ergänzt, anstatt Gewebe zu ersetzen.

Sehnen haben von Natur aus eine schlechte Blutversorgung. Dies erschwert die Heilung, besonders bei schweren Rissen. Die regenerativen Zellen im MFAT können helfen durch:

  • Förderung der Kollagenproduktion (das Protein, das Sehnen ihre Festigkeit verleiht)

  • Unterstützung der Neubildung von Blutgefäßen an der Verletzungsstelle

  • Bereitstellung von Wachstumsfaktoren, die die Gewebereparatur anregen

Durchgehende Risse erforderten bisher typischerweise eine Operation

Die Unterscheidung zwischen Teil- und durchgehenden Rissen ist für Behandlungsentscheidungen von großer Bedeutung. Teilrisse sprechen oft auf konservative Behandlungen wie Schonung, Physiotherapie, Bandagen oder Injektionen mit plättchenreichem Plasma an. Durchgehende Risse – bei denen der Schaden vollständig durch die Sehne reicht – erforderten historisch einen chirurgischen Eingriff für eine bedeutsame Erholung.

Dieser Fall ist bedeutsam, weil er zeigt, dass selbst schwere Risse auf regenerative Behandlung ansprechen können. Für Patienten, die aufgrund ihres Gesundheitszustands nicht operiert werden können oder die Risiken und die Erholungszeit einer Operation vermeiden möchten, bietet MFAT eine potenzielle Alternative.

Weitere Forschung zur Bestätigung dieser Ergebnisse erforderlich

Obwohl diese Ergebnisse vielversprechend sind, beschreibt dieser Bericht nur einen Patienten. Die Autoren betonen, dass randomisierte kontrollierte Studien erforderlich sind, um vollständig zu bewerten, wie gut MFAT bei durchgehenden Sehnenrissen wirkt. Solche Studien würden die Ergebnisse zwischen Patienten, die MFAT erhalten, und solchen, die andere Behandlungen erhalten, vergleichen und so stärkere Evidenz zur Wirksamkeit liefern.

Vorerst trägt dieser Fall zur wachsenden Forschungsliteratur bei, die die Lipogems®-Technologie für orthopädische Erkrankungen unterstützt. Er deutet darauf hin, dass die regenerative Medizin die Behandlungsoptionen selbst für Verletzungen erweitern könnte, die einst zwingend eine chirurgische Reparatur erforderten.

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Quelle: Siddiqui et al., Regenerative Medicine, 2024.

Originalpublikation

Regeneration of full thickness common extensor tendon tear after percutaneous microfragmented adipose graft

Imran J Siddiqui, Alyssa Ritner, Sanjay Mahadevan, Kyle J Dineen, Roosevelt Desronvilles · Regenerative Medicine · 2024

Tennis elbow, also commonly known as lateral epicondylitis or common extensor tendinosis, is a common musculoskeletal injury in the adult population. Currently, the standard treatment regimen prescribed for this injury involves a combination of rest, physical therapy, bracing and anti-inflammatory medications. If refractory to these conservative measures, platelet-rich plasma has been shown effective. However, in the case of full thickness tears, surgery has remained the only treatment option until now. We present a case report of a 56-year-old man with a diagnosis of a left large full thickness tear and rupture with retraction of his common extensor tendon (CET) following a corticosteroid injection. The patient was treated with microfragmented adipose transfer. He was re-evaluated around 7 weeks and again at 15 weeks post-treatment and demonstrated ultrasound evidence of complete bridging and remodeling of his prior full thickness CET tear and resolution of retraction. This case presents a promising option for patients with full thickness CET tears who would like to refrain from or are unable to have surgery. Further research and possible randomized controlled trials are needed to further assess the full efficacy of microfragmented adipose transfer in the treatment of full thickness CET tears.

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