Injektion von mikrofragmentiertem Fettgewebe zeigt vielversprechende Ergebnisse bei Kniearthrose

A. Russo, V. Condello, V. Madonna, M. Guerriero, C. Zorzi · 2017

30 Patienten mit schweren Knorpelschäden am Knie behandelt

Diese Studie begleitete 30 Personen, die unter ausgedehnten Knorpelschäden an ihren Knien litten. Alle hatten anhaltende Schmerzen, die mindestens ein Jahr lang nicht auf Standardbehandlungen wie Physiotherapie, Kortison-Injektionen oder Hyaluronsäure-Injektionen ansprachen. Die Forscher wollten herausfinden, ob eine einmalige Injektion von aufbereitetem körpereigenem Fettgewebe dort Linderung verschaffen kann, wo andere Behandlungen versagt hatten.

Die Patienten waren zwischen 23 und 60 Jahre alt, mit einem Medianalter von 43 Jahren. Etwa 70% waren Männer und 30% Frauen. Die meisten Patienten (80%) erhielten die Fettinjektion während eines anderen Knieeingriffs, während 20% ausschließlich eine Arthroskopie mit der Injektion erhielten.

Fettgewebe in einer einzigen Operation entnommen und aufbereitet

Die Ärzte entnahmen während derselben Operation Fett aus dem Bauchbereich jedes Patienten. Das Fett wurde anschließend mit der Lipogems®-Technologie aufbereitet, die das Gewebe schonend in winzige Stücke zerteilt und dabei Blut sowie entzündungsfördernde Substanzen auswäscht. Dieser gesamte Prozess fand im Operationssaal statt und erforderte weder eine Laborvermehrung noch eine chemische Behandlung der Zellen.

Das aufbereitete Gewebe – etwa 10 bis 15 Milliliter – wurde dann direkt in das Kniegelenk injiziert. Da das Fett aus dem eigenen Körper des Patienten stammt, besteht kein Risiko einer Abstoßungsreaktion oder Krankheitsübertragung durch einen Spender.

Schmerzwerte verbesserten sich nach einem Jahr um 24 Punkte

Die Forscher erfassten die Ergebnisse mittels mehrerer standardisierter Fragebögen vor der Behandlung und ein Jahr danach. Die Ergebnisse zeigten deutliche Verbesserungen in allen Bereichen:

  • Schmerzwerte verbesserten sich um median 24 Punkte auf einer 100-Punkte-Skala

  • Tegner-Lysholm-Knie-Scores (zur Messung der Kniefunktion) verbesserten sich um 31 Punkte

  • IKDC-Subjektiv-Scores (zur Messung der Alltagsaktivität) verbesserten sich um 20 Punkte

  • KOOS-Gesamtscores (zur Messung der allgemeinen Kniegesundheit) verbesserten sich um 20 Punkte

Medizinische Experten betrachten eine Verbesserung von mindestens 10 Punkten auf diesen Skalen als klinisch bedeutsam. Die in dieser Studie beobachteten Verbesserungen lagen zwei- bis dreimal über dieser Schwelle.

Keine schwerwiegenden Komplikationen oder Verschlechterungen berichtet

Sicherheit war ein zentraler Schwerpunkt dieser Studie. Die Forscher überwachten die Patienten auf Fieber, Infektionen und übermäßige Knieschwellung. Es traten keine relevanten Komplikationen auf, und kein Patient erlebte nach der Injektion eine Verschlechterung seines Zustands.

Die postoperative Erholung verlief unkompliziert. Die Patienten trugen zwei bis drei Wochen lang einen Kompressionsverband am Bauch und erhielten 15 Tage lang blutverdünnende Medikamente zur Thromboseprophylaxe. Die meisten nahmen innerhalb von ein bis drei Wochen wieder volle Belastung auf, abhängig davon, ob zusätzliche Eingriffe durchgeführt wurden.

Warum Fettgewebe geschädigtem Knorpel helfen kann

Fettgewebe enthält einen reichen Vorrat an Perizyten (Helferzellen, die Blutgefäße unterstützen) und mesenchymalen Stammzellen. Diese Zellen wirken wie eine natürliche „Apotheke" und setzen Wachstumsfaktoren sowie andere heilungsfördernde Signalstoffe frei, die Entzündungen reduzieren und die Gewebereparatur unterstützen können.

Im Gegensatz zu Behandlungen, bei denen Zellen im Labor vermehrt werden müssen, belässt das Lipogems®-Verfahren diese regenerativen Zellen in ihrer natürlichen Umgebung. Das mikrofragmentierte Fett bietet zudem eine Polsterung, die geschädigte Gelenkoberflächen schützen kann.

Eine sichere Einschritt-Option, die es zu besprechen lohnt

Diese Studie zeigt, dass eine einmalige Injektion von mikrofragmentiertem Fettgewebe sicher ist und bei Menschen mit diffusen Knorpelschäden am Knie eine bedeutsame Schmerzlinderung und verbesserte Funktion bieten kann. Der Eingriff ist minimal-invasiv und verwendet ausschließlich körpereigenes Gewebe des Patienten.

Allerdings war dies eine relativ kleine Studie ohne Vergleichsgruppe, die ein Placebo oder eine andere Behandlung erhielt. Die meisten Patienten hatten zudem zusätzliche chirurgische Eingriffe, die möglicherweise zu ihren Verbesserungen beigetragen haben. Größere, kontrollierte Studien sind erforderlich, um diese ermutigenden Ergebnisse zu bestätigen. Wenn Sie an chronischer Kniearthrose leiden, die auf andere Behandlungen nicht angesprochen hat, fragen Sie Ihren Arzt, ob dieser Ansatz für Ihre Situation geeignet sein könnte.

Quelle: Russo et al., None, 2017.

Originalpublikation

Autologous and micro-fragmented adipose tissue for the treatment of diffuse degenerative knee osteoarthritis

A. Russo, V. Condello, V. Madonna, M. Guerriero, C. Zorzi · 2017

Chondral lesions of the knee represent a challenge for the orthopaedic surgeon. Several treatments have been proposed with variable success rate. Recently, new therapeutic approaches, such as the use of mesenchymal stem cells, have shown promising results. The adipose tissue is a good source of these naturally occurring regenerative cells, due to its abundance and easy access. In addition, it can be used to provide cushioning and filling of structural defects. The 1-year safety and outcome of a single intra-articular injection of autologous and micro-fragmented adipose tissue in 30 patients affected by diffuse degenerative chondral lesions was evaluated. Micro-fragmented adipose tissue was obtained using a minimal manipulation technique in a closed system. The safety of the procedure was evaluated by recording type and incidence of any adverse event. The clinical outcomes were determined using the KOOS, IKDC-subjective, Tegner Lysholm Knee, and VAS pain scales taken pre-operatively and at 12 months follow-up. A level of at least 10 points of improvement in the scores has been selected as cut-off representing a clinically significant difference. No relevant complications nor clinical worsening were recorded. A total median improvement of 20 points has been observed in IKDC-subjective and total KOOS, and a higher percentage of success was found in VAS pain and Tegner Lysholm Knee, where the total median improvement was 24 and 31 points, respectively. The results of this study show the safety and feasibility of using autologous and micro-fragmented adipose tissue in patients affected by diffuse degenerative chondral lesions.

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