Kombination aus Fettgewebeinjektion und Knieoperation zeigt langanhaltende Vorteile
Andrea Giorgini, Filippo Selleri, Francesco Zambianchi, Giacomo Cataldo, Elena Francioni, Fabio Catani · BMC Musculoskeletal Disorders · 2022
Studie begleitete 50 Knie mit mittelschwerer bis schwerer Arthrose
Forscher in Italien begleiteten 49 Patienten (50 Knie) mit signifikanter Kniearthrose. Allen Teilnehmern war eine Knieprothese empfohlen worden, doch sie entschieden sich, zunächst einen anderen Ansatz zu versuchen. Jeder Patient erhielt eine arthroskopische Operation in Kombination mit einer einmaligen Injektion von eigenem, aufbereitetem Fettgewebe (sogenanntes mikrofragmentiertes Fettgewebe, oder MFAT). Die Studie verfolgte die Ergebnisse über zwei volle Jahre, um sowohl Sicherheit als auch Wirksamkeit zu untersuchen.
Alle Teilnehmer hatten mittelschwere bis schwere Arthrose, klassifiziert als Kellgren-Lawrence Grad III oder IV. Dies ist die medizinische Skala, die Ärzte verwenden, um den Schweregrad der Arthrose auf Röntgenbildern zu bewerten. Die Grade III und IV stehen für erhebliche Gelenkschäden. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 57 Jahre, mit einer Spanne von 39 bis 76 Jahren.
Über 80 % der Patienten erzielten eine bedeutsame Verbesserung
Die Ergebnisse zeigten, dass die meisten Patienten einen echten, spürbaren Nutzen erfuhren. Nach einem Jahr erreichten 84 % der Patienten das, was Ärzte als „minimalen klinisch bedeutsamen Unterschied" beim KOOS-Score bezeichnen. Dieser misst Schmerz, Symptome, Alltagsfunktion, sportliche Belastbarkeit und Lebensqualität. Nach zwei Jahren hielten noch 80 % diese bedeutsame Verbesserung aufrecht.
Ähnliche Ergebnisse zeigten sich beim IKDC-Score, einem weiteren weit verbreiteten Messinstrument für die Kniefunktion. Nach einem Jahr erreichten 74 % der Patienten eine signifikante Verbesserung. Nach zwei Jahren stieg dieser Wert sogar leicht auf 76 %. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass die Behandlung den meisten Patienten langanhaltende Linderung verschafft.
Nur acht Prozent benötigten letztendlich eine Knieprothese
Während des zweijährigen Nachbeobachtungszeitraums unterzogen sich lediglich vier Patienten (8 %) einer Knieprothesenoperation. Dies ist bemerkenswert, da allen Teilnehmern ursprünglich eine Knieprothese empfohlen worden war. Die Behandlung half den meisten Patienten, diese große Operation hinauszuzögern oder ganz zu vermeiden.
Es traten keine schwerwiegenden Komplikationen durch die Fettgewebeinjektion oder den arthroskopischen Eingriff auf. Dieser kombinierte Ansatz erwies sich bei allen 50 behandelten Knien als sicher. Geringfügige Nebenwirkungen wurden nicht im Detail aufgeführt, aber die Forscher betonten ausdrücklich das Ausbleiben schwerer unerwünschter Ereignisse.
Schweregrad der Knorpelschäden beeinflusste die Langzeitergebnisse
Die Forscher stellten fest, dass Patienten mit den schwersten Knorpelschäden nach zwei Jahren weniger günstige Ergebnisse zeigten. Patienten mit hochgradigen Knorpelläsionen wiesen statistisch signifikante Unterschiede in ihren IKDC-Scores und den meisten KOOS-Messungen auf im Vergleich zu Patienten mit weniger schweren Schäden.
Diese Erkenntnis hilft Ärzten zu identifizieren, welche Patienten am meisten von dieser Behandlung profitieren könnten. Patienten mit mittelschwerer Arthrose und weniger ausgedehnten Knorpelschäden scheinen die besten Kandidaten für eine langanhaltende Verbesserung zu sein.
Behandlung kombinierte Schlüssellochchirurgie mit regenerativer Injektion
Der Eingriff umfasste zwei Teile, die während derselben Operation durchgeführt wurden. Zunächst nutzten die Chirurgen die Arthroskopie, um das Gelenk zu säubern. Dies beinhaltete das Entfernen von losen Gewebeteilen und das Glätten von geschädigtem Meniskusgewebe. Einige Patienten erhielten zusätzlich eine Mikrofrakturierung, um die Knorpelreparatur in kleinen geschädigten Bereichen anzuregen.
Anschließend injizierten die Chirurgen etwa 7 Milliliter aufbereitetes Fettgewebe direkt in das Kniegelenk. Dieses Gewebe wurde während desselben Eingriffs aus dem Bauchbereich des Patienten entnommen. Das Fett wurde mit einem speziellen System aufbereitet, das die natürlichen Heilungseigenschaften bewahrt und gleichzeitig winzige Gewebefragmente erzeugt, die leicht injiziert werden können.
Was dies für Ihre Behandlungsentscheidung bedeutet
Diese Studie ergänzt die wachsende Evidenz, dass mikrofragmentiertes Fettgewebe eine bedeutsame Linderung bei Kniearthrose bieten kann. Die Kombination mit arthroskopischer Chirurgie erscheint sicher und wirksam für die meisten Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Erkrankung. Allerdings handelte es sich um eine Beobachtungsstudie ohne Vergleichsgruppe, sodass die Forscher nicht definitiv sagen können, wie viel Nutzen von der Fettinjektion im Vergleich zur alleinigen Arthroskopie stammte.
Wenn Sie eine signifikante Kniearthrose haben und Optionen erkunden möchten, bevor Sie sich für einen Gelenkersatz entscheiden, könnte es sich lohnen, diesen Ansatz mit Ihrem Arzt zu besprechen. Die besten Kandidaten scheinen Patienten mit mittelschwerer Arthrose zu sein, bei denen sich noch keine schwersten Knorpelschäden entwickelt haben.
Quelle: Giorgini et al., BMC Musculoskeletal Disorders, 2022.
Originalpublikation
Autologous micro-fragmented adipose tissue associated with arthroscopy in moderate-severe knee osteoarthritis: outcome at two year follow-up
Andrea Giorgini, Filippo Selleri, Francesco Zambianchi, Giacomo Cataldo, Elena Francioni, Fabio Catani · BMC Musculoskeletal Disorders · 2022
This retrospective, single-center study evaluated the efficacy of a single injection of autologous micro-fragmented adipose tissue (aMFAT) combined with arthroscopy in treating moderate-severe knee osteoarthritis. The study included 49 patients (50 knees) with Kellgren-Lawrence grade III-IV knee OA who had previously been indicated for knee replacement but refused surgery. All patients received aMFAT injection and arthroscopic procedures including cartilage debridement, meniscal regularization/selective meniscectomy, or micro-drilling between December 2015 and February 2018. Adipose tissue was harvested from the abdomen and mechanically processed using the Lipogems system before injection. Primary outcomes were assessed using Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score (KOOS) and subjective International Knee Documentation Committee (IKDC) scores at one and two years post-operatively. Results showed that Minimal Clinically Important Difference was achieved by 84% and 74% of patients at one year and 80% and 76% at two years for KOOS and IKDC, respectively. Four patients (8%) underwent knee replacement during follow-up, with no major adverse events reported. High-grade chondral lesions negatively affected outcomes at two years. The study concluded that aMFAT injection associated with arthroscopy is a safe and effective treatment for knee OA, demonstrating substantial clinical improvement without major complications.