Lipogems® bei Kniearthrose: Was diese Studie zeigt
Wouter Van Genechten, Kristien Vuylsteke, Pedro Rojas Martinez, Linus Swinnen, Kristof Sas, Peter Verdonk · Journal of Clinical Medicine · 2021
Fast zwei Drittel zeigen Verbesserung innerhalb von drei Monaten
Forscher in Belgien untersuchten 64 Patienten mit leichter bis schwerer Kniearthrose, die eine Lipogems®-Behandlung erhielten. Jeder Patient bekam eine einmalige Injektion von mikrofragmentiertem Fettgewebe (speziell aufbereitetes Fett aus dem eigenen Körper) in das betroffene Knie. Einige Patienten wurden an beiden Knien behandelt.
Die Ergebnisse zeigten, dass 64% der Patienten nach drei Monaten die Kriterien für „Therapie-Responder" erfüllten. Das bedeutet, dass sich ihre Schmerzen und Funktion ausreichend verbesserten, um international anerkannte Standards für eine klinisch bedeutsame Verbesserung zu erreichen.
Etwa die Hälfte zeigt anhaltende Wirkung nach einem Jahr
Nach 12 Monaten wiesen 45% der Patienten weiterhin eine bedeutsame Verbesserung auf. Bei denjenigen, die gut auf die Behandlung ansprachen, verbesserten sich die Schmerzwerte um durchschnittlich 28 Punkte auf einer 100-Punkte-Skala. Dies entspricht einer erheblichen Reduktion der täglichen Knieschmerzen.
Die Patienten füllten mehrere Fragebögen aus, die Folgendes erfassten:
Schmerzniveau bei alltäglichen Aktivitäten
Körperliche Funktion und Mobilität
Indikatoren zur Lebensqualität
Alle Messwerte außer dem Aktivitätsniveau zeigten eine signifikante Verbesserung im Vergleich zu vor der Behandlung.
MRT-Aufnahmen helfen vorherzusagen, wer am besten anspricht
Einer der wertvollsten Befunde der Studie betraf Knochenmarködeme. Dies sind Bereiche mit Schwellung innerhalb des Knochens, die Ärzte in MRT-Aufnahmen erkennen können. Patienten mit zahlreichen Knochenmarködemen sprachen mit geringerer Wahrscheinlichkeit gut auf die Behandlung an.
Wenn Ärzte MRT-Befunde für eine sorgfältigere Patientenauswahl nutzten, stieg die Ansprechrate auf 70% nach einem Jahr. Dies deutet darauf hin, dass eine Bildgebung vor der Behandlung dabei helfen kann, diejenigen zu identifizieren, die am meisten von der Lipogems®-Therapie profitieren werden.
Vorübergehende Schwellung ist häufig, bildet sich aber von selbst zurück
Die Studie erfasste sorgfältig die Nebenwirkungen. Etwa 79% der behandelten Knie zeigten eine Entzündungsreaktion nach der Injektion. Diese Schwellung bildete sich typischerweise von selbst innerhalb von etwa zwei bis drei Wochen ohne zusätzliche Behandlung zurück.
Es wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse berichtet. Der Eingriff wurde ambulant und nur unter Lokalanästhesie durchgeführt.
Einmalige Injektion bietet Alternative zu wiederholten Behandlungen
Anders als Kortison-Injektionen, Hyaluronsäure oder plättchenreiches Plasma – die oft mehrere Injektionen erfordern – untersuchte diese Studie eine einmalige Lipogems®-Behandlung. Die Forscher legen nahe, dass dieser Ansatz bei sorgfältig ausgewählten Patienten eine sinnvolle Alternative zu Therapien sein könnte, die wiederholte Arztbesuche erfordern.
Das Lipogems®-Aufbereitungssystem ist FDA-zugelassen. Es funktioniert, indem Fettgewebe schonend in winzige Cluster zerkleinert wird, wobei die natürliche Struktur erhalten bleibt, die heilungsfördernde Zellen, sogenannte Perizyten und mesenchymale Stammzellen, unterstützt.
Wichtige Erkenntnisse für Patienten, die eine Behandlung in Betracht ziehen
Diese Studie liefert mehrere praktische Erkenntnisse:
Realistische Erwartungen: Etwa die Hälfte der Patienten erfährt eine anhaltende Verbesserung nach einem Jahr
Bessere Ergebnisse durch Voruntersuchung: Eine MRT-Untersuchung vor der Behandlung hilft, den Erfolg vorherzusagen
Minimalinvasiver Eingriff: Die Behandlung erfolgt unter Lokalanästhesie und ambulant
Vorübergehende Effekte: Eine gewisse Schwellung nach der Injektion ist normal und vorübergehend
Einmalige Behandlung: Anders als bei manchen Alternativen wurde nur eine Injektion verabreicht
Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die Ansprechrate insgesamt zwar moderat war, eine sorgfältige Patientenauswahl basierend auf MRT-Befunden die Ergebnisse jedoch deutlich verbessern kann. Patienten mit weniger Knochenmarködemen scheinen bessere Kandidaten für diesen regenerativen Ansatz zu sein.
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Quelle: Van Genechten et al., Journal of Clinical Medicine, 2021.
Originalpublikation
Autologous Micro-Fragmented Adipose Tissue (MFAT) to Treat Symptomatic Knee Osteoarthritis: Early Outcomes of a Consecutive Case Series
Wouter Van Genechten, Kristien Vuylsteke, Pedro Rojas Martinez, Linus Swinnen, Kristof Sas, Peter Verdonk · Journal of Clinical Medicine · 2021
The study aimed to evaluate the short-term clinical effect, therapeutic response rate (TRR%), and therapy safety of a single intra-articular autologous MFAT injection for symptomatic knee OA. Secondly, patient- and pathology-related parameters were investigated to tighten patient selection for MFAT therapy. Sixty-four subjects with symptomatic mild-severe knee OA were enrolled in a single-center trial and received a unilateral (n = 37) or bilateral (n = 27) MFAT injection. After liposuction, the adipose tissue was mechanically processed with the Lipogems® device, which eventually produced 8-10 cc of MFAT. Subjects were clinically assessed by means of the KOOS, NRS, UCLA, and EQ5D at baseline and 1, 3, 6, and 12 months after injection. Adverse events were recorded at each follow-up timepoint. The TRR was defined according to the OMERACT-OARSI criteria and baseline MRI was scored following the MOAKS classification. The TRR of the index knee was 64% at 3 months and 45% at 12 months after injection. Therapy responders at 12 months improved with 28.3 ± 11.4 on KOOS pain, while non-responders lost -2.1 ± 11.2 points. All clinical scores, except the UCLA, improved significantly at follow-up compared to baseline (p < 0.05). In the bilateral cohort, no difference in baseline scores or TRR was found between the index knee and contralateral knee (n.s.). An inflammatory reaction was reported in 79% of knees and resolved spontaneously within 16.6 ± 13.5 days after MFAT administration. Numerous bone marrow lesions (BML) were negatively correlated with the TRR at 12 months (p = 0.003). The study demonstrated an early clinical improvement but a mediocre response rate of 45% at 12 months after a single intra-articular injection with autologous MFAT. Assessment of bone marrow lesions on MRI can be helpful to increase the therapeutic responsiveness of MFAT up to 70% at 12 months.