Geschlechterunterschiede bei der Behandlung von Kniearthrose mit fettbasierter Therapie

Tiffanie-Marie Borg, Nima Heidari, Ali Noorani, Mark Slevin, Angela Cullen, Stefano Olgiati, Alberto Zerbi, Alessandro Danovi, Adrian Wilson · unknown · 2021

Frauen zeigen nach zwei Jahren größere Schmerzlinderung als Männer

Eine Studie mit 386 Patientinnen und Patienten mit Kniearthrose ergab, dass Frauen nach einer Behandlung mit mikrofragmentiertem Fettgewebe (MFAT) deutlich bessere Ergebnisse erzielten als Männer. Dieses speziell aufbereitete Fettgewebe aus dem eigenen Körper der Patienten wurde in das Kniegelenk injiziert. Das Forschungsteam konzipierte seine Analyse gezielt so, dass Geschlechterunterschiede berücksichtigt wurden – ein Aspekt, den viele medizinische Studien vernachlässigen.

Beide Geschlechter starteten mit ähnlichen Schmerzniveaus

Vor der Behandlung berichteten Frauen und Männer über vergleichbare Ausgangswerte sowohl für Schmerzen als auch für die Kniefunktion. Die Forscher erfassten die Schmerzen mittels einer visuellen Analogskala (VAS), bei der Patienten ihre Beschwerden von null bis zehn bewerten. Zusätzlich dokumentierten sie die Funktion mithilfe des Oxford Knee Score (OKS), eines Fragebogens, der alltägliche Aktivitäten wie Gehen, Treppensteigen und Ankleiden bewertet. Die ähnlichen Ausgangswerte ermöglichten einen fairen Vergleich, wie jede Gruppe im Zeitverlauf auf die Behandlung ansprach.

Studie begleitete fast 400 Patienten über zwei Jahre

Die Untersuchung umfasste 192 Frauen und 194 Männer, die MFAT-Injektionen zur Behandlung ihrer Kniearthrose erhielten. Bei allen Patienten wurde die Erkrankung durch Röntgenaufnahmen bestätigt, einige erhielten zusätzlich MRT-Untersuchungen. Das Team schloss alle Personen mit kürzlichen Knieverletzungen, Infektionen oder ausgeprägten Beinfehlstellungen aus. Die Patienten wurden über zwei Jahre begleitet, wobei Schmerz- und Funktionswerte in regelmäßigen Abständen erhoben wurden.

Forscher verwendeten fortschrittliche Methoden für einen fairen Vergleich

Die Studienautoren wiesen darauf hin, dass Frauen in der medizinischen Forschung häufig unterrepräsentiert sind. Dies kann zu verzerrten Ergebnissen führen, die das tatsächliche Ansprechen auf Behandlungen nicht widerspiegeln. Um dem entgegenzuwirken, verwendete das Team spezialisierte statistische Software, um die männlichen und weiblichen Gruppen auszugleichen. Zudem nutzten sie ausgefeilte Techniken zur Handhabung fehlender Daten – eine häufige Herausforderung bei Langzeitstudien, wenn Patienten Nachsorgetermine versäumen.

Was dies für Ihre Behandlungsentscheidung bedeutet

Diese Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die MFAT-Behandlung je nach Geschlecht unterschiedlich wirken kann. Die Autoren nennen mehrere mögliche Gründe für diesen Unterschied:

  • Hormonelle Faktoren: Frauen und Männer haben unterschiedliche Hormonspiegel, die beeinflussen können, wie ihr Körper auf regenerative Behandlungen anspricht

  • Genetische Unterschiede: Geschlechtsgebundene Gene können Heilung und Entzündungsprozesse beeinflussen

  • Krankheitsverlauf: Frauen suchen oft in späteren Stadien der Gelenkdegeneration eine Behandlung auf, was das mögliche Ausmaß der Verbesserung beeinflussen kann

  • Umweltfaktoren: Unterschiede im Aktivitätsniveau und in beruflichen Anforderungen zwischen den Geschlechtern

Die Studie bestätigt, dass MFAT eine sichere Behandlungsoption für Frauen und Männer mit Kniearthrose darstellt. Sie unterstreicht jedoch die Bedeutung der Berücksichtigung individueller Faktoren bei der Vorhersage von Behandlungsergebnissen.

Weitere Forschung nötig, um Geschlechterunterschiede zu verstehen

Die Forscher fordern zusätzliche Studien, um die molekularen Grundlagen zu identifizieren, warum Frauen und Männer unterschiedlich auf biologische Behandlungen ansprechen. Das Verständnis dieser Mechanismen könnte Ärzten helfen, Behandlungsansätze zu personalisieren. Dies könnte zu modifizierten Protokollen oder Kombinationstherapien führen, die die Ergebnisse für alle Patienten optimieren, unabhängig vom Geschlecht.

Wenn Sie eine MFAT-Behandlung bei Kniearthrose in Erwägung ziehen, besprechen Sie diese Erkenntnisse mit Ihrem Arzt. Ihr individuelles Ansprechen kann von vielen Faktoren jenseits des Geschlechts abhängen, einschließlich Ihres allgemeinen Gesundheitszustands, Ihres Aktivitätsniveaus und des Schweregrads Ihrer Erkrankung.

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Quelle: Borg et al., unbekannt, 2021.

Originalpublikation

Gender-Specific Response in Pain and Function to Biologic Treatment of Knee Osteoarthritis: A Gender-Bias-Mitigated, Observational, Intention-to-Treat Study at Two Years

Tiffanie-Marie Borg, Nima Heidari, Ali Noorani, Mark Slevin, Angela Cullen, Stefano Olgiati, Alberto Zerbi, Alessandro Danovi, Adrian Wilson · unknown · 2021

Knee osteoarthritis is a major cause of disability worldwide. Newer modalities of treatment with less morbidity, such as intra-articular injection of microfragmented fat (MFAT), are showing promise. We report on our novel observation that women show a greater improvement in pain and function to MFAT than men. Traditionally, women have been underrepresented in studies and studies with both sexes regularly fail to analyze the results by sex. To mitigate for this bias and quantify it, we describe a technique using reproducible statistical analysis and replicable results with Open Access statistical software R to calculate the magnitude of this difference. This observational, intention-to-treat study included 456 patients with knee osteoarthritis who received MFAT treatment. Patients were scored for pain using visual analogue scale (VAS) and function using Oxford knee score (OKS) at baseline and follow-up. Statistical analysis was performed using R software to address gender imbalance in the dataset (192 females versus 226 males). Results demonstrated that women showed significantly greater improvement in both pain and function compared to men following MFAT treatment. Genetic, hormonal, environmental, and age factors play a role in our observed difference between the sexes. There is a need for further studies to identify the molecular basis for this difference and be able to utilize it to improve outcome for both women and men.

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