Lipogems® bei Knorpelschäden im Knie: Zusammenfassung eines Fallberichts
M. Franceschini, C. Castellaneta, G. Mineo · 2016
Junger Sportler kehrt nach erfolglosen Behandlungen zum Skifahren zurück
Dieser Fallbericht begleitet einen 33-jährigen semiprofessionellen Snowboarder, der sich bei einem Skiunfall erhebliche Knorpelschäden am Knie zugezogen hatte. Bevor er Lipogems® ausprobierte, hatte er bereits zwei Operationen und eine PRP-Injektion (plättchenreiches Plasma) hinter sich. Keine dieser Behandlungen konnte seine anhaltenden Knieschmerzen beseitigen. Seine Knorpelläsionen wurden als Outerbridge-Grad 2-3 klassifiziert, was auf moderate bis schwere Schäden hinweist, die mehrere Knorpelschichten betreffen.
Schmerzen verschwanden innerhalb von sechs Wochen vollständig
Nach einer einzigen Lipogems®-Injektion erlebte der Patient zunächst eine Phase verstärkter Schmerzen, die etwa zehn Tage anhielt. Diese vorübergehende Verschlechterung ist nach Gelenkinjektionen nicht ungewöhnlich. Danach besserten sich seine Beschwerden jedoch stetig. Sechs Wochen nach der Behandlung waren seine Knieschmerzen vollständig verschwunden. Dies war eine dramatische Veränderung für jemanden, der trotz mehrerer chirurgischer Eingriffe jahrelang mit ständigen vorderen Knieschmerzen gelebt hatte.
Kniefunktionswerte zeigten deutliche Verbesserung
Die Ärzte verfolgten den Fortschritt des Patienten anhand des Oxford Knee Score, eines standardisierten Fragebogens zur Messung von Kniefunktion und Schmerzen. Sein Wert verbesserte sich von 36 zu Beginn auf 46 nach sechs Wochen. Zur Einordnung: Werte zwischen 40 und 48 weisen auf eine zufriedenstellende Gelenkfunktion hin, während Werte unter 40 auf erhebliche Probleme hindeuten. Seine Verbesserung um zehn Punkte stellt eine bedeutsame Veränderung der Alltagsfunktion dar. 30 Monate nach der Behandlung war sein Wert auf 48 gestiegen, was einen anhaltenden Nutzen über die Zeit zeigt.
MRT bestätigte Knorpelheilung nach einem Jahr
Über die Symptomlinderung hinaus zeigte die MRT-Untersuchung des Patienten nach 12 Monaten eine objektive Verbesserung der Knorpelläsion selbst. Die Bildgebung ergab eine bessere Signalqualität im geschädigten Knorpelbereich im Vergleich zu vor der Behandlung. Dies ist bedeutsam, da es auf eine tatsächliche Gewebeverbesserung hindeutet und nicht nur auf eine Schmerzlinderung. Solche bildgebenden Befunde helfen zu bestätigen, dass das mikrofragmentierte Fettgewebe möglicherweise eine echte Knorpelheilung unterstützen kann.
Patient kehrte schmerzfrei zum Leistungssport zurück
Das vielleicht bedeutsamste Ergebnis war die Rückkehr des Patienten zur vollen Aktivität. 30 Monate nach seiner Lipogems®-Behandlung fuhr er ohne Schmerzen und ohne Einschränkungen Ski. Dies stellt eine vollständige Wiederherstellung der Lebensqualität für jemanden dar, dessen Sport und Alltagsaktivitäten stark eingeschränkt gewesen waren. Die Behandlung erforderte danach kein spezielles Rehabilitationsprotokoll. Er konnte sofort nach dem ambulanten Eingriff voll belasten und gehen.
Was dies für Ihre Behandlungsentscheidung bedeutet
Dieser Fallbericht beschreibt nur einen einzelnen Patienten, daher können die Ergebnisse bei anderen Personen mit Knorpelschäden am Knie variieren. Dennoch sind mehrere Aspekte ermutigend:
Minimalinvasiver Ansatz: Bei dem Verfahren wurde körpereigenes Fettgewebe des Patienten verwendet, in etwa 15-20 Minuten aufbereitet und ambulant in das Kniegelenk injiziert.
Erfolg nach Versagen anderer Behandlungen: Dieser Patient hatte vor dem Versuch mit Lipogems® weder auf Mikrofrakturierung noch auf Rehabilitation oder PRP-Therapie angesprochen.
Langanhaltende Ergebnisse: Die Vorteile hielten mindestens 30 Monate an, ohne dass Komplikationen berichtet wurden.
Keine aufwendige Nachbehandlung: Im Gegensatz zu seinen vorherigen Operationen erforderte diese Behandlung keine Entlastung oder umfangreiche Rehabilitation.
Die Autoren weisen darauf hin, dass dieser einzelne Fall zwar keine Wirksamkeit beweisen kann, aber darauf hindeutet, dass mikrofragmentiertes Fettgewebe (speziell aufbereitetes Fett aus dem eigenen Körper) möglicherweise Unterstützung und potenzielle Heilung für geschädigten Knorpel bieten kann. Das Gewebe enthält Perizyten (Helferzellen, die die Blutgefäßheilung unterstützen) und MSCs (mesenchymale Stammzellen), die bekannte entzündungshemmende und regenerative Eigenschaften besitzen.
Wenn Sie Knorpelschäden am Knie haben und Ihre Optionen abwägen, zeigt dieser Fall, dass Lipogems® selbst dann Hoffnung bieten kann, wenn andere Behandlungen nicht gewirkt haben. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Ihre spezifische Situation der dieses Patienten ähnelt und ob dieser Ansatz für Sie geeignet sein könnte.
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Quelle: Franceschini et al., None, 2016.
Originalpublikation
Injection of autologous micro-fragmented adipose tissue for the treatment of post-traumatic degenerative lesion of knee cartilage: a case report
M. Franceschini, C. Castellaneta, G. Mineo · 2016
The chondral lesion of the knee represents a challenge for the orthopedic surgeon because of the limited regenerative properties of the affected tissue. A variety of treatments has been proposed with variable success rates. Recently, new therapeutic approaches, such as the use of mesenchymal stem cells (MSCs), seem to have promising results when applied in the context of joint degeneration, and an ideal source could be the adipose tissue, due to its abundance, the easy access, and the simple isolation procedures. This case report evaluates the potential benefits of injecting autologous, micro-fragmented, and minimally manipulated adipose tissue (Lipogems®) in a severe case of multi-operated cartilage degeneration. The patient is a 33-year-old semi-professional snowboarder who sustained a knee trauma and failed multiple treatments including ACL reconstruction, microfractures, and PRP injection. Micro-fragmented adipose tissue was obtained using a minimal manipulation technique in a closed system (Lipogems®), without the addition of enzymes or any other additives. After an initial period of worsening pain, symptoms progressively improved, with pain completely disappearing in 6 weeks. The Oxford Knee Score improved from 36 at baseline to 46 at 12 weeks. Clinical improvement was confirmed by MRI at 12 months. Thirty months post-treatment, the patient was able to ski without pain or restrictions. These results suggest that autologous, micro-fragmented adipose tissue injection provides support, potential healing, improved joint functionality, and pain relief in chondral lesions.