Neues chirurgisches Verfahren kombiniert Fettgewebe mit Kollagenmembran zur Knorpelreparatur im Knie
Daniel Peixoto Leal, Henrique Fuller, Bruno Butturi Varone, Andre Giardino Moreira da Silva, Marco Kawamura Demange, Riccardo Gomes Gobbi, Luis Eduardo Passareli Tirico · Arthroscopy Techniques · 2024
Knorpelschäden können unbehandelt zu früher Arthrose führen
Fokale Knorpeldefekte im Knie verursachen Schmerzen, eingeschränkte Funktion und verminderte Lebensqualität. Diese Verletzungen haben nur eine begrenzte Fähigkeit zur Selbstheilung. Ohne Behandlung können sie zu vorzeitiger Arthrose führen. Im Laufe der Jahre wurden viele chirurgische Ansätze erprobt. Die meisten zeigen jedoch langfristig enttäuschende Ergebnisse.
Forscher beschreiben einen neuen Ansatz mit körpereigenem Fett
Ein Team orthopädischer Chirurgen aus Brasilien hat ein neues chirurgisches Verfahren entwickelt. Es kombiniert zwei vielversprechende Behandlungen: mikrofragmentiertes Fettgewebe (speziell aufbereitetes Fett aus dem eigenen Körper) und eine Kollagenmembran. Diese Kombination zielt darauf ab, fokale Knorpeldefekte im Knie ohne einige Nachteile älterer Methoden zu reparieren.
Das Verfahren nutzt das Lipogems®-System zur Aufbereitung des Fettgewebes. Dies erzeugt ein Produkt, das reich an mesenchymalen Stammzellen ist (regenerative Zellen, die sich zu Knorpel entwickeln können). Anders als bei Knochenmarkverfahren ist die Entnahme von Fettgewebe minimalinvasiv und leicht verfügbar.
Das Verfahren vermeidet Schäden am Knochen unter dem Knorpel
Ein wesentlicher Vorteil dieses Verfahrens ist das, was es nicht tut. Ältere Methoden wie die Mikrofrakturierung erzeugen absichtlich kleine Löcher im Knochen. Dies setzt Knochenmarkzellen frei, um die Heilung zu unterstützen. Studien zeigen jedoch, dass dieser Ansatz oft zu Problemen führt. Bis zu 60 Prozent der Patienten entwickeln innerhalb von zwei Jahren Knochenwucherungen im reparierten Bereich.
Das neue Verfahren bereitet den Knorpeldefekt sorgfältig vor, ohne den darunterliegenden Knochen zu durchdringen. Dies kann das Risiko knochenbezogener Komplikationen reduzieren und gleichzeitig regenerative Zellen durch das Fettgewebetransplantat bereitstellen.
So funktioniert die Operation: Ein schrittweiser Überblick
Das Verfahren umfasst mehrere aufeinander abgestimmte Schritte:
Fettentnahme: Etwa 20 Milliliter Fettgewebe werden aus der Innenseite des Oberschenkels entnommen. Eine spezielle Lösung sorgt für örtliche Betäubung und erleichtert die Entnahme.
Fettaufbereitung: Das Lipogems®-Gerät verarbeitet das Fett in etwa 10 bis 15 Minuten. Es nutzt sanfte mechanische Kräfte – keine Enzyme oder Chemikalien. Der Prozess entfernt entzündungsfördernde Substanzen und Blutzellen, während die hilfreichen regenerativen Zellen erhalten bleiben.
Knorpelvorbereitung: Der Chirurg reinigt und formt den Knorpeldefekt. Die Ränder werden geglättet und vertikal gestaltet. Wichtig ist, dass der darunterliegende Knochen intakt bleibt.
Membranplatzierung: Eine Kollagenmembran wird passgenau auf die Form des Defekts zugeschnitten. Das aufbereitete Fettgewebe wird auf die raue Oberfläche der Membran aufgetragen. Die Membran wird dann mit feinen Nähten über dem Defekt befestigt.
Abschließende Füllung: Weiteres aufbereitetes Fettgewebe wird unter die Membran injiziert. Fibrinkleber versiegelt die Ränder. Der Chirurg prüft die Kniebeweglichkeit, um die Stabilität zu bestätigen.
Fettgewebe bietet praktische Vorteile als Zellquelle
Mesenchymale Stammzellen können aus verschiedenen Quellen im Körper gewonnen werden. Knochenmark und Blut sind gängige Optionen. Fettgewebe bietet jedoch einzigartige Vorteile:
Es ist bei den meisten Patienten reichlich verfügbar
Die Entnahme ist minimalinvasiv
Die Aufbereitung kann während derselben Operation erfolgen
Fett enthält reichlich regenerative Zellen, sogenannte Perizyten (Helferzellen, die die Heilung unterstützen)
Die Lipogems®-Aufbereitung erhält die natürliche Struktur des Gewebes. Dies kann den Zellen helfen, nach der Platzierung besser zu überleben und zu funktionieren.
Was dies für Patienten bedeutet, die eine Behandlung in Betracht ziehen
Diese Publikation beschreibt ein chirurgisches Verfahren und berichtet nicht über Patientenergebnisse. Die Autoren präsentieren dies als „alternative Option" zur Behandlung fokaler Knorpeldefekte im Knie. Sie stützen ihren Ansatz auf wachsende wissenschaftliche Erkenntnisse über das regenerative Potenzial von aus Fettgewebe gewonnenen Zellen.
Wenn Sie einen fokalen Knorpeldefekt in Ihrem Knie haben, stellt dieses Verfahren einen möglichen Behandlungsweg dar. Es kombiniert etablierte chirurgische Prinzipien mit neueren Konzepten der regenerativen Medizin. Der Ansatz zielt darauf ab, regenerative Zellen bereitzustellen und gleichzeitig Knochenschäden zu vermeiden, die später Probleme verursachen können.
Patienten, die sich für diese Art der Behandlung interessieren, sollten mehrere Faktoren mit ihrem Chirurgen besprechen. Dazu gehören Größe und Lage ihres Knorpeldefekts, frühere Behandlungen und der allgemeine Gelenkzustand. Wie bei jedem neueren Verfahren können die individuellen Ergebnisse variieren. Langzeitstudien werden helfen zu klären, wie gut dieser Ansatz über die Zeit funktioniert.
Quelle: Leal et al., Arthroscopy Techniques, 2024.
Originalpublikation
Microfragmented Adipose Tissue Associated With Collagen Membrane in the Treatment of Focal Knee Cartilage Defect
Daniel Peixoto Leal, Henrique Fuller, Bruno Butturi Varone, Andre Giardino Moreira da Silva, Marco Kawamura Demange, Riccardo Gomes Gobbi, Luis Eduardo Passareli Tirico · Arthroscopy Techniques · 2024
Focal articular cartilage defects are an important factor that leads to dysfunction of the knee joint, pain, and reduction in quality of life. These lesions have limited regenerative potential and may lead to premature osteoarthritis. Several different surgical approaches have been tried to address this type of injury, including microfractures, autologous chondrocyte implantation, autologous matrix-induced chondrogenesis, and hyaluronan-based scaffolds. Recently, the regenerative potential of mesenchymal stem cells (MSCs) has been studied in focal articular cartilage defects. Several different orthobiologics can supply MSCs for this purpose, such as bone marrow aspirate concentrate and platelet-rich plasma. One easy and readily available form of obtaining these cells without invasive procedures is the use of adipose tissue. The objective of this article is to describe the surgical technique of microfragmented adipose tissue (MFAT) associated with a collagen membrane as an alternative option for the treatment of focal knee cartilage defect. This technical note presents a step-by-step surgical approach involving adipose tissue harvest from the inner thigh, mechanical processing to obtain MFAT without enzymatic digestion, and application beneath a collagen membrane secured to the debrided cartilage defect with sutures and fibrin glue.