Fettgewebe-Behandlung verbessert Ergebnisse der Knorpelreparatur
Salvatore Bisicchia, Gabriele Bernardi, Susanna M. Pagnotta, Cosimo Tudisco · Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy · 2019
Wenn Sie einen geschädigten Knorpelbereich in Ihrem Knie haben, ist die sogenannte Mikrofrakturierung ein gängiger chirurgischer Eingriff. Dabei werden winzige Löcher in den Knochen gebohrt, um die Heilung anzuregen. Doch Forscher wollten wissen: Könnte die Zugabe von aufbereitetem Fettgewebe aus dem eigenen Körper diese Behandlung noch wirksamer machen?
Studie verglich Standardoperation mit und ohne Fettinjektion
Diese randomisierte Studie schloss 40 Patienten mit fokalen Knorpelschäden im Knie ein. Alle Patienten erhielten die gleiche arthroskopische Mikrofrakturierungsoperation. Die Hälfte erhielt zusätzlich am Ende des Eingriffs eine Injektion von mikrofragmentiertem Fettgewebe (speziell aufbereitetes Fett aus dem eigenen Bauchbereich). Die andere Hälfte erhielt nur die Mikrofrakturierungsoperation. Die Forscher beobachteten anschließend beide Gruppen über ein Jahr.
Das Fettgewebe wurde mit dem Lipogems®-System aufbereitet. Diese Technologie zerkleinert das Fett schonend in winzige Cluster. Diese Cluster enthalten regenerative Zellen, die die Heilung unterstützen. Der gesamte Prozess findet während einer einzigen Operation statt – ohne Laborverarbeitung oder Wartezeit.
Patienten mit Fettgewebe-Injektion zeigten bessere Werte nach einem Jahr
Das Hauptziel der Studie war der Vergleich der Kniefunktionswerte nach 12 Monaten. Patienten, die die Fettgewebe-Injektion erhielten, hatten signifikant bessere WOMAC-Werte. Dies ist ein Standardmaß für Schmerzen, Steifigkeit und körperliche Funktion. Ihr Durchschnittswert lag bei 17,7, verglichen mit 25,5 bei alleiniger Operation. Niedrigere Werte bedeuten bessere Funktion.
Die Fettgewebe-Gruppe schnitt auch beim Oxford Knee Score besser ab
Lebensqualitätsmessungen (EQ-5D) zeigten größere Verbesserungen
Alle Verbesserungen zeigten eine „moderate Effektgröße" – also echte, spürbare Unterschiede
Schmerzlinderung trat in der Fettgewebe-Gruppe früher ein
Drei Monate nach der Operation hatten sich beide Gruppen gegenüber ihrem Ausgangszustand verbessert. Jedoch berichteten Patienten, die die Fettinjektion erhielten, über weniger Schmerzen. Ihr durchschnittlicher Schmerzwert lag bei 4,2 von zehn. Die Gruppe mit alleiniger Operation lag durchschnittlich bei 5,9. Dieser Unterschied war statistisch signifikant.
Diese frühere Schmerzlinderung setzte sich fort. Nach sechs und zwölf Monaten berichtete die Fettgewebe-Gruppe durchweg bessere Ergebnisse bei allen Messgrößen. Beide Gruppen verwendeten während der gesamten Studie ähnliche Mengen an Schmerzmedikamenten.
Keine Sicherheitsbedenken wurden festgestellt
Während des gesamten Nachbeobachtungsjahres fanden die Forscher keine unerwünschten Reaktionen auf die Fettgewebe-Injektion. Der Eingriff umfasst die Entnahme von Fett aus dem eigenen Bauchbereich während derselben Operation. Eine kleine Kanüle entnimmt zwischen 15 und 50 Kubikzentimeter Fettgewebe. Dieses wird dann aufbereitet und in das Kniegelenk injiziert.
Da das Gewebe aus dem eigenen Körper stammt (autolog), besteht kein Abstoßungsrisiko. Die Studie ergänzt die wachsende Evidenz, dass dieser Ansatz für die Gelenkbehandlung sicher ist.
Was das für Ihre Behandlungsentscheidung bedeutet
Dies ist eine Level-1-Studie – die höchste Qualitätsstufe klinischer Evidenz. Sie legt nahe, dass die Zugabe von mikrofragmentiertem Fettgewebe zur Standard-Mikrofrakturierungsoperation bessere Ergebnisse erzielt als die Operation allein. Die Vorteile umfassen:
Bessere Kniefunktion nach einem Jahr
Weniger Schmerzen bereits nach drei Monaten
Verbesserte Lebensqualitätswerte
Keine zusätzlichen Sicherheitsrisiken
Wenn Sie einen fokalen Knorpeldefekt im Knie haben und eine Mikrofrakturierungsoperation in Betracht ziehen, deutet diese Forschung darauf hin, dass die Kombination mit einer Lipogems®-Injektion Ihnen bessere Ergebnisse bringen könnte. Die Behandlung nutzt die körpereigenen Heilungsressourcen zur Unterstützung der Knorpelreparatur.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, ob dieser kombinierte Ansatz für Ihre spezifische Situation geeignet sein könnte. Faktoren wie Größe und Lage Ihres Knorpelschadens, Ihr Alter und Ihre Aktivitätsziele spielen alle eine Rolle bei der Wahl des besten Behandlungsplans.
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Quelle: Bisicchia et al., Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy, 2019.
Originalpublikation
Micro-fragmented stromal-vascular fraction plus microfractures provides better clinical results than microfractures alone in symptomatic focal chondral lesions of the knee
Salvatore Bisicchia, Gabriele Bernardi, Susanna M. Pagnotta, Cosimo Tudisco · Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy · 2019
This prospective randomized controlled single-blind trial evaluated clinical outcomes over 1 year in patients with symptomatic focal chondral lesions of the knee. Two groups of 20 patients underwent arthroscopic microfracture treatment. The experimental group received additional intra-articular injection of micro-fragmented stromal-vascular fraction at surgery's end, while the control group received microfractures alone. The primary endpoint was WOMAC score at 12 months; secondary endpoints included adverse events, Oxford Knee Score, EQ-5D score, VAS for pain, and analgesic consumption. All 40 patients completed 12-month follow-up with no adverse reactions reported. At 1 month, no differences existed between groups. At 3 months, both groups improved from baseline, with the experimental group showing significantly lower VAS pain scores (4.2±3.2 vs. 5.9±1.7, p=0.04). At 6 and 12 months, the experimental group demonstrated superior outcomes across all measures with moderate effect sizes. The primary endpoint was achieved, with better WOMAC scores at 12 months in the experimental group (17.7±11.1 vs. 25.5±12.7, p=0.03). The study concludes that micro-fragmented stromal-vascular fraction injection combined with microfractures is safe and clinically more effective than microfractures alone for treating symptomatic focal chondral knee lesions, providing valuable information for patient counseling regarding adipose-derived mesenchymal stem cells.