Was die Forschung über Stammzellbehandlungen bei Kniearthrose zeigt
B. Di Matteo, F. Vandenbulcke, N. D. Vitale, F. Iacono, K. Ashmore, M. Marcacci, E. Kon · Stem Cells International · 2019
23 Studien ausgewertet zur Beurteilung von Sicherheit und Ergebnissen der Stammzelltherapie
Forscher haben alle verfügbaren klinischen Belege zu „minimal manipulierten" Stammzellbehandlungen bei Kniearthrose untersucht. Sie werteten 23 veröffentlichte Studien aus – 10 mit Knochenmarkkonzentrat und 13 mit fettgewebe-basierten Zellen. Diese umfassende Übersichtsarbeit hilft Patienten zu verstehen, was die Wissenschaft derzeit über diese regenerativen Behandlungsmöglichkeiten zeigt.
Zwei Hauptquellen für heilende Zellen zeigen vielversprechende Ergebnisse
Die Übersichtsarbeit verglich zwei Ansätze zur Gewinnung der körpereigenen Heilungszellen. Knochenmarkaspirat-Konzentrat (BMAC) wird durch eine Nadel aus dem Hüftknochen entnommen. Die stromale vaskuläre Fraktion (SVF) wird durch eine schonende Fettabsaugung aus dem Fettgewebe gewonnen. Beide enthalten mesenchymale Stammzellen – regenerative Zellen, die bei der Reparatur von geschädigtem Gewebe helfen können. Lipogems® nutzt einen ähnlichen fettbasierten Ansatz, jedoch mit einer schonenderen Aufbereitung, die die natürliche Gewebestruktur erhält.
Beide Behandlungsarten erscheinen für Patienten sicher
Über alle 23 Studien hinweg fanden die Forscher keine schwerwiegenden Sicherheitsbedenken bei beiden Behandlungsansätzen. Die Patienten erlebten typische leichte Nebenwirkungen wie vorübergehende Schwellungen oder Beschwerden an der Behandlungsstelle. Dieses Sicherheitsprofil ist ermutigend für Patienten, die Alternativen zu Operationen oder langfristiger Medikamenteneinnahme suchen. Die Verfahren verwenden körpereigenes Gewebe, wodurch Risiken einer Abstoßung oder Krankheitsübertragung ausgeschlossen werden.
Kurzfristige Schmerzlinderung in mehreren Studien beobachtet
Die Patienten in diesen Studien berichteten im Allgemeinen über bedeutsame Verbesserungen bei Schmerzen und Funktion. Die Vorteile zeigten sich typischerweise innerhalb von Wochen bis Monaten nach der Behandlung. Allerdings merkten die Forscher an, dass die Langzeitergebnisse über ein bis zwei Jahre hinaus unklar bleiben. Längere Nachbeobachtungsstudien sind erforderlich, um zu verstehen, wie lange die Vorteile anhalten können.
Studienqualität begrenzt die Aussagekraft der Schlussfolgerungen
Die Forscher stellten fest, dass die meisten Studien erhebliche Einschränkungen aufwiesen. Nur vier der 23 Studien waren randomisierte kontrollierte Studien – der Goldstandard der medizinischen Forschung. Der modifizierte Coleman-Score (ein Maß für die Studienqualität) zeigte eine insgesamt schwache Methodik in der Literatur. Die Studien verwendeten unterschiedliche Aufbereitungsmethoden, Zellmengen und Behandlungsprotokolle. Diese Variabilität erschwert den Vergleich von Ergebnissen und verhindert eindeutige Behandlungsempfehlungen.
Fettgewebe-basierte Zellen gewinnen zunehmend Forschungsaufmerksamkeit
Dreizehn Studien konzentrierten sich speziell auf adipös-basierte (fettgewebe-basierte) Behandlungen wie bei Lipogems®. Die Forscher stellten ein wachsendes Interesse an Fett als Zellquelle fest, da es reichlich regenerative Zellen enthält. Fettgewebe ist leichter zu gewinnen als Knochenmark und verursacht weniger Beschwerden. Die Aufbereitung kann direkt im Operationssaal erfolgen, was die Behandlung praktikabler macht.
Weitere qualitativ hochwertige Forschung ist weiterhin erforderlich
Die Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass die aktuelle Evidenz die Sicherheit dieser Behandlungen unterstützt. Kurzfristige Vorteile scheinen real zu sein, aber aussagekräftigere Studien sind notwendig. Die Forscher fordern standardisierte Protokolle, damit zukünftige Studien sinnvoll verglichen werden können. Sie betonen auch die Notwendigkeit randomisierter Studien mit längeren Nachbeobachtungszeiträumen.
Für Patienten, die Lipogems® in Betracht ziehen, bestätigt diese Übersichtsarbeit, dass fettgewebe-basierte regenerative Behandlungen eine wissenschaftlich untersuchte Option darstellen. Das Sicherheitsprofil des Verfahrens und die vielversprechenden Kurzzeitergebnisse machen es lohnenswert, dies mit Ihrem Arzt zu besprechen. Während die Forscher weiterhin Evidenz sammeln, haben viele Patienten durch diese minimalinvasiven Ansätze Linderung gefunden, wenn andere konservative Behandlungen versagt haben.
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Quelle: Di Matteo et al., Stem Cells International, 2019.
Originalpublikation
Minimally Manipulated Mesenchymal Stem Cells for the Treatment of Knee Osteoarthritis: A Systematic Review of Clinical Evidence
B. Di Matteo, F. Vandenbulcke, N. D. Vitale, F. Iacono, K. Ashmore, M. Marcacci, E. Kon · Stem Cells International · 2019
The use of laboratory-expanded mesenchymal stem cells (MSCs) is subject to several restrictions, resulting in 'minimal manipulation' methods becoming the current most popular strategy to increase the use of MSCs in an orthopaedic practice. The aim of the present systematic review is to assess the clinical applications of 'minimally' manipulated MSCs, either as bone marrow aspirate concentrate (BMAC) or as stromal vascular fraction (SVF), in the treatment of knee osteoarthritis (OA). A systematic review of three databases (PubMed, ScienceDirect, and Google Scholar) was performed using the following keywords: 'Knee Osteoarthritis' with '(Bone marrow aspirate) OR (bone marrow concentrate)' or with '(adipose-derived mesenchymal stem cells) OR (adipose derived stromal cells) OR (stromal vascular fraction) OR (SVF)' as either keywords or MeSH terms. The reference lists of all retrieved articles were further reviewed for identification of potentially relevant studies. Twenty-three papers were included in the final analysis (10 on BMAC and 13 on SVF). Of these, only 4 were randomized controlled trials (RCTs). Bias risk evaluation, performed using a modified Coleman score, revealed an overall poor quality of the studies. In terms of clinical application, despite the apparent safety of minimally manipulated MSCs and the short-term positive clinical outcomes associated with their use, clinicians reported different preparation and administration methods, ranging from single intra-articular injections to intraosseous applications to administration in combination with other surgical procedures. The available literature is undermined by both the lack of high-quality studies and the varied clinical settings and different protocols reported in the few RCTs presently published. This prevents any recommendation on the use of either product in a clinical practice. Nevertheless, the use of minimally manipulated MSCs (in the form of BMAC or SVF) has been shown to be safe and have some short-term beneficial effects.