Kombination von Beinachsenkorrektur mit Lipogems® bei Varusarthrose des Knies

Stefano Magnanelli, Daniele Screpis, Paolo Di Benedetto, Simone Natali, Araldo Causero, Claudio Zorzi · Acta Biomedica · 2020

85 Patienten testeten zwei Behandlungsansätze bei Varusgonarthrose

Diese italienische Studie verglich die Behandlungsergebnisse bei Patienten mit Varusarthrose des Knies. Alle Patienten erhielten eine operative Korrektur ihrer Beinachse. Etwa die Hälfte bekam zusätzlich eine Injektion mit aufbereitetem körpereigenem Fettgewebe. Die Forscher wollten herausfinden, ob die Zugabe von Lipogems® die Ergebnisse über die alleinige Operation hinaus verbessern würde.

Bei der Varusgonarthrose weicht das Bein nach innen ab. Dadurch wird der innere Teil des Kniegelenks übermäßig belastet. Die hohe tibiale Umstellungsosteotomie (HTO) ist ein chirurgischer Eingriff, der diese Fehlstellung korrigiert. Allerdings heilt der geschädigte Knorpel möglicherweise nicht vollständig, selbst wenn die Achse korrigiert wurde.

Alle 85 Patienten zeigten nach einem Jahr deutliche Verbesserungen

Jeder Patient in dieser Studie verbesserte sich nach der Behandlung. Die Forscher verwendeten mehrere validierte Fragebögen zur Messung von Schmerz, Funktion und Lebensqualität. Die Ergebnisse wurden vor der Operation und ein Jahr danach erhoben. Beide Gruppen – sowohl die Patienten mit alleiniger Operation als auch jene mit Operation plus Lipogems® – zeigten bedeutsame Verbesserungen.

Die Studie schloss Patienten mit leichter bis mittelschwerer Arthrose ein. Derselbe Chirurg führte alle Eingriffe mit identischer Ausstattung durch. Diese sorgfältige Vorgehensweise gewährleistete faire Vergleiche zwischen den beiden Gruppen.

Alltagsaktivitäten verbesserten sich stärker mit zusätzlicher Lipogems®-Behandlung

Patienten, die die Lipogems®-Injektion erhielten, zeigten in einem wichtigen Bereich einen signifikanten Vorteil. Ihre Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten auszuführen, verbesserte sich stärker als bei Patienten mit alleiniger Operation. Dies wurde mit dem KOOS-Score gemessen, einem etablierten Instrument zur Beurteilung der Kniefunktion.

Der KOOS-Fragebogen umfasst fünf Bereiche:

  • Schmerzintensität

  • Andere Symptome wie Steifigkeit und Schwellung

  • Aktivitäten des täglichen Lebens

  • Sport und Freizeit

  • Lebensqualität

Während sich beide Gruppen in allen Kategorien verbesserten, zeigte nur der Bereich der Alltagsaktivitäten einen statistisch signifikanten Unterschied zugunsten der Lipogems®-Gruppe (p<0,05).

Patienten mit leichterer Arthrose zeigten vielversprechende Schmerztrends

Bei genauerer Betrachtung der Patienten mit Frühstadium-Arthrose zeigte sich ein interessantes Muster. Patienten mit leichter Arthrose, die Lipogems® erhielten, wiesen einen Trend zu besserer Schmerzlinderung auf. Dies im Vergleich zu ähnlichen Patienten, die nur operiert wurden.

Obwohl dieses Ergebnis keine statistische Signifikanz erreichte, deutet es darauf hin, dass eine frühere Intervention mit regenerativer Behandlung zusätzliche Vorteile bieten könnte. Die Forscher merkten an, dass dies ein lohnenswerter Bereich für künftige Studien sei.

Keine zusätzlichen Risiken durch das Lipogems®-Verfahren

Die Ergänzung der operativen Behandlung um Lipogems® verursachte keine dokumentierten Komplikationen. Bei der Injektion wird mikrofragmentiertes Fettgewebe (speziell aufbereitetes Fett) aus dem eigenen Körper des Patienten verwendet. Da es aus Ihrem eigenen Gewebe stammt, ist das Risiko einer Abstoßung oder unerwünschten Reaktion sehr gering.

Alle Patienten kehrten ein Jahr nach ihrer ursprünglichen Operation zurück, um ihre Osteosyntheseplatten entfernen zu lassen. Die zu diesem Zeitpunkt angefertigten Röntgenaufnahmen zeigten keine signifikanten Unterschiede im Fortschreiten der Arthrose zwischen den beiden Gruppen.

Was dies für Ihre Behandlungsentscheidung bedeutet

Diese Studie deutet darauf hin, dass die Kombination von Beinachsenkorrektur mit Lipogems® zusätzliche Vorteile für die Alltagsfunktion bieten kann. Die Behandlung erscheint sicher und gut verträglich. Für Patienten mit Varusgonarthrose, die eine HTO-Operation in Betracht ziehen, kann es lohnenswert sein, nach Lipogems® als Ergänzung zu fragen.

Bedenken Sie, dass es sich um eine retrospektive Studie mit 85 Patienten handelte. Größere Studien mit längeren Nachbeobachtungszeiträumen würden diese Ergebnisse stärken. Dennoch stimmen die Resultate mit anderen Forschungsergebnissen überein, die zeigen, dass mikrofragmentiertes Fettgewebe die Knorpelheilung unterstützen und klinische Ergebnisse verbessern kann.

Wenn Sie an einer Varusgonarthrose leiden, besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob die Kombination aus Achskorrektur und regenerativer Injektion für Sie geeignet sein könnte.

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Quelle: Magnanelli et al., Acta Biomedica, 2020.

Originalpublikation

Open-wedge high tibial osteotomy associated with Lipogems® intra-articular injection for the treatment of varus knee osteoarthritis - retrospective study

Stefano Magnanelli, Daniele Screpis, Paolo Di Benedetto, Simone Natali, Araldo Causero, Claudio Zorzi · Acta Biomedica · 2020

Open-wedge high tibial osteotomy (HTO) is an established treatment for varus knee medial osteoarthritis through restoration of the lower limb's mechanical axis. Autologous adipose-derived stem cells (aASCs) have shown promise in cartilage regeneration and early osteoarthritis treatment. This retrospective study analyzed clinical and radiological outcomes in patients with initial varus medial knee osteoarthritis treated with HTO, with or without intra-articular aASCs injection. Eighty-five patients treated between November 2016 and November 2018 were included: 43 received HTO alone (Group A) and 42 received HTO with Lipogems® aASCs injection (Group B). All patients had mild-to-moderate osteoarthritis (Kellgren-Lawrence grades I-III), underwent surgery by the same surgeon using identical fixation plates, and had no associated procedures. Clinical evaluation used KOOS, Lysholm/Tegner, and IKDC scores at baseline (T0) and one-year follow-up (T1). Radiological assessment employed the Kellgren-Lawrence scale. Both groups showed significant clinical improvement at follow-up. While IKDC and Lysholm/Tegner scores showed no significant differences between groups, Group B demonstrated significantly better KOOS scores for daily living activities (p<0.05). No significant radiological differences were observed. A trend toward symptom improvement was noted in mild osteoarthritis patients receiving combined treatment. The addition of aASCs to HTO appears to enhance functional outcomes, particularly in daily living activities, suggesting potential benefits for cartilage regeneration.

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