Fettgewebe-Injektion zeigt vielversprechende Ergebnisse bei schwerer Kniearthrose
Jay Panchal, Gerard Malanga, Mitchell Sheinkop · American Journal of Orthopedics · 2018
17 Patienten vermeiden Knieprothese durch eine einzige Injektion
Diese Studie begleitete 17 Patienten mit schwerer Kniearthrose. Alle kamen für eine Knie-Totalendoprothese in Frage, wollten jedoch zunächst einen anderen Ansatz versuchen. Die Forscher injizierten in ihre Knie Lipogems® – aufbereitetes Fettgewebe, das aus dem eigenen Körper der Patienten entnommen wurde. Das Fettgewebe enthält spezielle regenerative Zellen, die geschädigten Gelenken bei der Heilung helfen können.
Alle 26 behandelten Knie (einige Patienten ließen beide Knie behandeln) wiesen eine fortgeschrittene Arthrose auf. Dies wurde durch Röntgenaufnahmen bestätigt, die erhebliche Gelenkschäden zeigten und als Kellgren-Lawrence-Grad 3 oder 4 (die schwersten Stadien) eingestuft wurden. Alle Patienten hatten bereits Standardbehandlungen wie Medikamente, Physiotherapie und andere Injektionen ohne ausreichende Linderung versucht.
Schmerzwerte sinken innerhalb von sechs Wochen deutlich
Die Patienten berichteten über eine bedeutsame Schmerzreduktion, die früh einsetzte und während der gesamten Studie anhielt. Mithilfe einer standardisierten Schmerzskala erfassten die Forscher Verbesserungen sechs Wochen, sechs Monate und zwölf Monate nach der Behandlung.
Die Ergebnisse zeigten:
Erhebliche Schmerzlinderung ab der sechsten Woche
Anhaltende Verbesserung bis zur Nachuntersuchung nach sechs Monaten
Anhaltender Nutzen ein Jahr nach dem Eingriff
Diese Verbesserungen waren statistisch signifikant, was bedeutet, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht allein durch Zufall entstanden sind.
Kniefunktion und Alltagsaktivitäten verbessern sich bei allen Nachuntersuchungen
Über die Schmerzlinderung hinaus erfassten die Forscher, wie gut die Patienten ihre Knie nutzen und alltägliche Aufgaben bewältigen konnten. Sie verwendeten zwei validierte Bewertungsinstrumente: den Knee Society Score (der die Kniefunktion auf einer 100-Punkte-Skala bewertet) und die Lower Extremity Activity Scale.
Beide Messinstrumente zeigten bei jeder Nachuntersuchung bedeutsame Verbesserungen. Die Patienten berichteten über eine bessere Fähigkeit zu gehen, Treppen zu steigen und alltägliche Aktivitäten zu bewältigen. Diese funktionelle Verbesserung entsprach dem, was Patienten typischerweise nach einer herkömmlichen Knieprothesen-Operation erleben.
Minimalinvasives Verfahren nutzt körpereigenes Fettgewebe
Das Lipogems®-Verfahren funktioniert anders als eine Knieprothesen-Operation. Die Ärzte entnehmen zunächst Fettgewebe aus dem Körper des Patienten mittels schonender Absaugung. Dieses Gewebe wird dann in einem geschlossenen System aufbereitet, das es in winzige Cluster von etwa 500 Mikrometern Größe zerteilt und dabei die natürliche regenerative Umgebung um die Blutgefäße erhält.
Das aufbereitete Gewebe enthält:
Perizyten (Zellen, die die Blutgefäßgesundheit und Heilung unterstützen)
Mesenchymale Stammzellen (regenerative Zellen, die bei der Reparatur geschädigten Gewebes helfen können)
Die Ärzte injizieren dieses Material dann unter Ultraschallkontrolle direkt in das Kniegelenk. Die Patienten vermeiden für 48 Stunden danach eine Belastung und nehmen ihre normalen Aktivitäten schrittweise wieder auf.
Keine schwerwiegenden Nebenwirkungen während der einjährigen Nachbeobachtung
Die Sicherheit war ein zentraler Schwerpunkt dieser Forschung. Während des gesamten Studienzeitraums traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf. Dies steht im Gegensatz zur Knie-Totalendoprothese, die Risiken wie Blutgerinnsel, Infektionen, Nervenschäden und die Notwendigkeit späterer Revisionsoperationen birgt.
Die Studie merkte auch an, dass bis zu 20 Prozent der Knieprothesen-Patienten nach der Operation weiterhin Schmerzen haben. Besonders bei jüngeren Patienten bestehen Bedenken, dass Implantate verschleißen und später zusätzliche Operationen erforderlich machen könnten.
Studie deutet auf Alternative für Patienten hin, die eine Operation hinauszögern möchten
Diese Forschung zeigt, dass die Injektion von mikrofragmentiertem Fettgewebe eine praktikable Option für Patienten mit schwerer Kniearthrose darstellen kann, die einen Gelenkersatz vermeiden oder hinauszögern möchten. Das Verfahren ist minimalinvasiv, verwendet körpereigenes Gewebe (wodurch das Abstoßungsrisiko entfällt) und zeigte bedeutsame Vorteile, die mindestens ein Jahr anhielten.
Allerdings handelte es sich um eine relativ kleine Studie ohne Vergleichsgruppe, die eine Placebo-Behandlung erhielt. Größere, kontrollierte Studien würden helfen, diese Ergebnisse zu bestätigen und zu identifizieren, welche Patienten am besten auf diesen Ansatz ansprechen.
Für Patienten, die vor der Entscheidung zwischen fortgesetzter konservativer Behandlung und einer Knieprothesen-Operation stehen, könnte diese Behandlung einen Mittelweg darstellen, den es mit ihrem Arzt zu besprechen lohnt.
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Quelle: Panchal et al., American Journal of Orthopedics, 2018.
Originalpublikation
Safety and Efficacy of Percutaneous Injection of Lipogems Micro-Fractured Adipose Tissue for Osteoarthritic Knees
Jay Panchal, Gerard Malanga, Mitchell Sheinkop · American Journal of Orthopedics · 2018
Knee osteoarthritis (OA) is a chronic disease affecting all demographics but is most prevalent in obese and elderly individuals, representing the fourth leading cause of disability worldwide. Current conservative treatments address symptoms without treating underlying causes, and total knee arthroplasty (TKA) is standard for advanced arthritis after conservative failure. However, patients often hesitate due to surgical complications, with up to 20% experiencing persistent post-operative pain. This IRB-approved study evaluated the safety and efficacy of autologous, micro-fractured, minimally manipulated adipose tissue injection for severe refractory knee OA. Seventeen subjects with 26 symptomatic knees (Kellgren-Lawrence grade 3 or 4) who were TKA candidates underwent the Lipogems procedure, which harvests adipose-derived stem cells while maintaining the perivascular niche containing pericytes. The procedure involves lipoaspiration, tissue processing, and intra-articular injection. Patients were evaluated using the numerical pain rating scale, Knee Society Score with functional component, and lower extremity activity scale at 6 weeks, 6 months, and 12 months post-injection. Results demonstrated significant improvements in pain and function lasting at least 12 months. This intervention may represent a viable nonsurgical treatment option to avoid knee joint replacement in patients with severe knee OA, offering an alternative with reduced morbidity compared to TKA.