Einzelne Fettinjektion zeigt anhaltende Linderung bei menopausaler Vaginalatrophie

G. Casarotti, C. Tremolada · 2020

35 Frauen mit schweren Symptomen seit mindestens vier Jahren behandelt

Diese Studie begleitete 35 Frauen mit ausgeprägter urogenitaler Atrophie nach der Menopause. Alle Patientinnen litten seit mindestens vier Jahren unter wenigstens vier Symptomen – wie vaginaler Trockenheit, schmerzhaftem Geschlechtsverkehr, Brennen, Juckreiz, wiederkehrenden Infektionen oder Harninkontinenz. Keine der Frauen hatte eine Hormonersatztherapie oder lokale Östrogenbehandlungen angewendet. Die Forscherinnen und Forscher wollten herausfinden, ob eine einzige Injektion von aufbereitetem körpereigenem Fettgewebe anhaltende Linderung bieten kann, wo andere Optionen versagt hatten.

Fast alle Patientinnen innerhalb von neun bis zwölf Monaten symptomfrei

Die Ergebnisse waren bemerkenswert. Innerhalb von drei Monaten erlebte fast die Hälfte der Patientinnen eine Besserung ihrer Symptome, insbesondere bei Unterleibsschmerzen und schmerzhaftem Geschlechtsverkehr. Neun bis zwölf Monate nach der Behandlung hatten sich 99 Prozent der Patientinnen vollständig von allen Symptomen erholt. Dies umfasste die Linderung von vaginaler Trockenheit, Brennen, verminderter Empfindlichkeit sowie wiederkehrenden Blasen- oder Vaginalinfektionen.

Wirkung hielt volle drei Jahre ohne Rückkehr der Symptome an

Besonders bedeutsam: Die Verbesserungen blieben stabil. Die Patientinnen berichteten über den gesamten dreijährigen Nachbeobachtungszeitraum von keiner Rückkehr der Symptome. Dieser langanhaltende Nutzen steht im Gegensatz zu Hormontherapien, die typischerweise nur während der Anwendung Linderung verschaffen. Sobald die Hormonbehandlung beendet wird, kehren die Symptome üblicherweise zurück, da der zugrundeliegende Atrophieprozess fortschreitet.

Keine Nebenwirkungen bei den Patientinnen berichtet

Die Sicherheit war während der gesamten Studie ausgezeichnet. Keine der 35 Frauen erlebte unerwünschte Wirkungen durch den Eingriff. Die Behandlung verwendete körpereigenes Fettgewebe jeder Patientin, das durch das Lipogems®-System zu mikrofragmentiertem Fettgewebe (MFAT) aufbereitet wurde. Dieser „autologe" Ansatz – die Verwendung körpereigener Zellen – vermeidet Risiken, die mit Fremdmaterialien verbunden sind.

Wie die Behandlung die Atrophie umkehrt

Der Eingriff umfasst eine einzelne Injektion von speziell aufbereitetem Fettgewebe in den Vulvabereich. Anders als eine Hormontherapie, die nur Symptome behandelt, zielt dieser Ansatz darauf ab, die zugrundeliegenden Gewebeveränderungen anzugehen. Das mikrofragmentierte Fett enthält Perizyten (Zellen, die die Blutgefäßgesundheit unterstützen) und mesenchymale Stammzellen mit natürlichen regenerativen Eigenschaften.

Frühere Forschungen desselben Teams zeigten, dass behandeltes Gewebe entwickelte:

  • Verstärktes Blutgefäßwachstum im Gewebe unter der Vaginalschleimhaut

  • Verdickung der Vaginalwand

  • Wiederherstellung eines gesunden sauren pH-Wertes, was das Infektionsrisiko senkt

Diese Veränderungen auf Gewebeebene helfen zu erklären, warum die Wirkung lange nach der einmaligen Behandlung anhält.

Was dies für Frauen bedeutet, die eine Behandlung erwägen

Diese Fallserie bietet ermutigende Belege für Frauen, die unter menopausaler urogenitaler Atrophie leiden. Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Eine Behandlung kann ausreichen: Anders als bei fortlaufender Hormontherapie brachte eine einzige Injektion jahrelange Linderung

  • Schwere Fälle sprachen gut an: Alle Patientinnen hatten vor der Behandlung mindestens vier Jahre lang erhebliche Symptome

  • Mehrere Symptome verbesserten sich: Schmerzen, Trockenheit, Empfindlichkeit und wiederkehrende Infektionen sprachen alle an

  • Starkes Sicherheitsprofil: Es wurden keine unerwünschten Wirkungen beobachtet

Die Forscherinnen und Forscher weisen darauf hin, dass dies die erste Studie ist, die mikrofragmentiertes Fettgewebe für diese Erkrankung über drei Jahre untersucht hat. Obwohl diese Ergebnisse vielversprechend sind, handelte es sich um eine Fallserie ohne Vergleichsgruppe. Größere kontrollierte Studien wären hilfreich, um diese Befunde zu bestätigen und zu ermitteln, welche Patientinnen am wahrscheinlichsten profitieren.

Für Frauen, die keine Hormone anwenden können oder Alternativen bevorzugen, könnte dieser regenerative Ansatz eine bedeutsame, langanhaltende Linderung von Symptomen bieten, die Lebensqualität, Intimität und alltägliches Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen.

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Quelle: Casarotti et al., None, 2020.

Originalpublikation

A new treatment of genito-urinary post-menopausal atrophy with autologous micro-fragmented fat tissue: a thirty-six months follow up case series

G. Casarotti, C. Tremolada · 2020

Genitourinary atrophy is a menopausal pathological change determined by the definitive drop of ovarian hormones' production that can impact heavily on the health status of women, with important direct and indirect social costs. Unfortunately, available treatments are only symptomatic, and they are not able to reverse the atrophy and other related symptoms. Regenerative medicine, with single local injection of autologous micro-fractured fat tissue, could represent a viable new solution for these patients as it not only helps to relieve symptoms, but it also counteracts the mechanisms that lead to the menopausal genitourinary atrophy. The objective of this paper is to evaluate the long-term effectiveness of micro-fractured fat vulvar injection for genito-urinary atrophy in patients, affected by severe genitourinary atrophy (at least 4 symptoms lasting for at least 4 years). We present a case series of 35 patients followed for 36 months to evaluate the effectiveness and safety of a single subcutaneous vulvar injection of autologous micro-fragmented fat tissue (MFAT). We have not observed any adverse effects in any patients. All symptoms, and especially pelvic pain and dyspareunia, improved in almost half of patients within 3 months. Ninety-nine percent of patients recovered completely from all symptoms after 9-12 months, reporting no relapse of the symptoms up to the third year of follow up. Our case series is the first case series, evaluating the long-term (3 years) safety and effectiveness of micro-fragmented adipose tissue graft for urogenital atrophy.

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