Fettbasierte Regenerative Behandlungen bei Gelenk- und Muskelerkrankungen verstehen

Enrico Ragni, Marco Viganò, Paola De Luca, Edoardo Pedrini, Laura de Girolamo · 2021

Ihr eigenes Fettgewebe enthält kraftvolle Heilungszellen

Fettgewebe ist weit mehr als nur ein Energiespeicher. Wissenschaftler wissen heute, dass es eine reichhaltige Mischung regenerativer Zellen enthält, die Heilungsprozesse im gesamten Körper unterstützen können. Dazu gehören mesenchymale Stamm-/Stromazellen (MSCs) – spezielle Zellen, die bei der Reparatur geschädigten Gewebes helfen können. Diese Übersichtsarbeit untersucht die verschiedenen Möglichkeiten, wie Ärzte diese Heilungszellen aus Ihrem eigenen Fettgewebe nutzen können, um muskuloskelettale Beschwerden zu behandeln.

Drei Methoden zur Nutzung von Fettgewebe für die Heilung

Ärzte können Fettgewebe auf drei verschiedene Arten für regenerative Behandlungen aufbereiten. Erstens können sie mikrofragmentiertes Fettgewebe (wie Lipogems®) herstellen, bei dem winzige Fettcluster intakt bleiben und alle natürlichen Heilungszellen sowie die ursprüngliche Struktur erhalten werden. Zweitens können sie die stromal-vaskuläre Fraktion (SVF) gewinnen, eine Mischung verschiedener Zelltypen, die aus dem Fett isoliert werden. Drittens können sie fettgewebsabgeleitete Stammzellen (ASCs) isolieren und über mehrere Wochen im Labor kultivieren.

Jeder Ansatz hat seine Vor- und Nachteile. Mikrofragmentiertes Fett und SVF können während eines einzigen Eingriffs aufbereitet werden, was die Behandlung einfacher und kostengünstiger macht. Im Labor vermehrte Zellen erfordern zwei separate Eingriffe und spezialisierte Einrichtungen, liefern jedoch eine einheitlichere Zellpopulation.

Mikrofragmentiertes Fett bewahrt die natürliche Heilungsumgebung

Ein wesentlicher Vorteil von mikrofragmentiertem Fettgewebe besteht darin, dass es die natürliche „Nachbarschaft" erhält, in der die Heilungszellen leben. Bei der Aufbereitung werden Blut und Öle – die Entzündungen verursachen können – entfernt, während die Gewebestruktur intakt bleibt. Diese winzigen Fettcluster, die nur Bruchteile eines Millimeters messen, enthalten alle ursprünglichen Zelltypen, die so zusammenarbeiten, wie es die Natur vorgesehen hat.

Forschungsergebnisse zeigen, dass sowohl mikrofragmentiertes Fett als auch SVF eine ähnliche Anzahl von Heilungszellen pro Gramm aufweisen. Allerdings scheint mikrofragmentiertes Fett weniger Blutkontamination aufzuweisen, was unerwünschte Entzündungen nach der Injektion reduzieren kann.

Sicherheit durch mehrere klinische Studien bestätigt

Sowohl mikrofragmentiertes Fett als auch SVF haben in Tierversuchen entzündungshemmende und heilungsfördernde Wirkungen gezeigt. Noch wichtiger ist, dass eine wachsende Anzahl klinischer Studien ihre Sicherheit beim Menschen bestätigt hat, einschließlich bei muskuloskelettalen Erkrankungen wie Gelenkproblemen. Dieses Sicherheitsprofil in Kombination mit den praktischen Vorteilen gegenüber im Labor vermehrten Zellen hat diese Behandlungen bei orthopädischen Spezialisten zunehmend beliebt gemacht.

Fettgewebe enthält mehr Stammzellen als Knochenmark

Interessanterweise enthält Fettgewebe bis zu drei Prozent MSCs – weit mehr als Knochenmark, das nur etwa 0,002 bis 0,02 Prozent aufweist. Diese Fülle macht Fett zu einer hervorragenden Quelle für regenerative Behandlungen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Heilungszellen natürlicherweise in der Nähe von Blutgefäßen leben, wo sie zur Erhaltung gesunden Gewebes beitragen und bei Verletzungen aktiv werden.

Was dies für Ihre Behandlungsentscheidung bedeutet

Diese wissenschaftliche Übersichtsarbeit bestätigt, dass fettbasierte regenerative Behandlungen eine vielversprechende Option bei muskuloskelettalen Erkrankungen darstellen. Die Technologie des mikrofragmentierten Fettgewebes wie Lipogems® bietet mehrere potenzielle Vorteile: Sie verwendet Ihre eigenen Zellen (wodurch das Abstoßungsrisiko reduziert wird), bewahrt die natürliche Heilungsumgebung, kann in einem einzigen Eingriff durchgeführt werden und hat in zahlreichen Studien ihre Sicherheit nachgewiesen.

Während die Forschung weiterhin untersucht, welche spezifischen Erkrankungen am besten auf diese Behandlungen ansprechen, unterstützt die Evidenz fettbasierte Therapien als eine vernünftige Option, die Sie mit Ihrem Arzt besprechen sollten, wenn Sie nach Alternativen bei Gelenkschmerzen oder Muskelproblemen suchen.

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Quelle: Ragni et al., None, 2021.

Originalpublikation

Adipose-Derived Stem/Stromal Cells, Stromal Vascular Fraction, and Microfragmented Adipose Tissue

Enrico Ragni, Marco Viganò, Paola De Luca, Edoardo Pedrini, Laura de Girolamo · 2021

Adipose tissue has evolved from being considered merely energy storage to being recognized as a regulator of energy balance, bone metabolism, hematopoiesis, and inflammatory response. This highly vascularized structure contains a heterogeneous mixture of cell populations, including mesenchymal stem/stromal cells (MSCs). The presence of adipose-derived stem/stromal cells (ASCs) has drawn significant clinical attention due to their paracrine effects and multipotent differentiation capacity, with successful applications in musculoskeletal conditions, cardiac diseases, ischemia, neurological disorders, and metabolic diseases. Adipose tissue can be processed through two main approaches: isolation and culture expansion of ASCs, or point-of-care processing to obtain adipose-derived products. The latter includes stromal vascular fraction (SVF), obtained through enzymatic or mechanical tissue dissociation, and microfragmented adipose tissue (microfat), obtained through mechanical processing only. SVF comprises heterogeneous freshly isolated cells excluding mature adipocytes, while microfat preserves tissue microarchitecture and all cell types within their native niche. Culture-expanded ASCs provide standardized stem/stromal cell populations matching International Society for Cellular Therapy criteria, though SVF and microfat offer practical advantages as point-of-care therapies. Both approaches demonstrate anti-inflammatory, immunomodulatory, and reparative effects, with increasing clinical applications, particularly in orthopedic conditions.

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