Minimalinvasive Fettgewebe-Injektion heilt Blasen-Gebärmutter-Fistel
Matteo Giulio Spinelli, Vito Lorusso, Franco Palmisano, Michele Morelli, Paolo Guido Dell'Orto, Carlo Tremolada, Emanuele Montanari · Turkish Journal of Urology · 2020
Frau vermeidet große Operation nach Kaiserschnitt-Komplikation
Eine vesikovaginale Fistel ist eine abnorme Verbindung zwischen Blase und Gebärmutter. Diese seltene Erkrankung betrifft etwa ein bis vier Prozent der Frauen mit urogenitalen Fisteln. Sie tritt am häufigsten nach Kaiserschnitt-Entbindungen auf. Die herkömmliche Behandlung erfordert typischerweise eine offene Operation, die ein Risiko für eine Gebärmutterentfernung birgt. Dieser Fallbericht beschreibt einen neuen Ansatz unter Verwendung von aufbereitetem Fettgewebe aus dem eigenen Körper der Patientin.
Patientin entwickelte Fistel nach ihrem fünften Kaiserschnitt
Eine 35-jährige Frau erlitt Komplikationen nach einer Notfall-Kaiserschnitt-Entbindung. Dies war ihr fünfter Kaiserschnitt, was den Eingriff komplexer machte. Drei Wochen nach der Entlassung kehrte sie mit Urinaustritt aus der Scheide zurück. Sie hatte außerdem eine Harnwegsinfektion. Bildgebende Untersuchungen bestätigten eine ein Zentimeter große Fistel, die ihre Blase mit der Gebärmutter verband.
Konservative Behandlung verkleinerte die Fistel, schloss sie aber nicht
Die Ärzte versuchten zunächst einen konservativen Ansatz, indem sie für drei Monate einen Katheter legten. Dies half, die Größe der Fistel zu reduzieren, führte aber nicht zur vollständigen Heilung. Die Patientin lehnte eine traditionelle offene Operation ab, die zum Verlust ihrer Gebärmutter hätte führen können. Stattdessen boten ihr die Ärzte eine minimalinvasive Option unter Verwendung der Lipogems®-Technologie an.
Verfahren entnahm und verarbeitete Fett aus den Oberschenkeln der Patientin
Die Behandlung umfasste mehrere Schritte, die unter örtlicher Betäubung durchgeführt wurden:
Fettentnahme: Die Ärzte entnahmen Fettgewebe aus beiden Oberschenkeln mittels einer schonenden Absaugtechnik
Aufbereitung: Das Fett wurde in das Lipogems®-Gerät gegeben, das es in winzige Cluster zerkleinert und dabei entzündungsfördernde Substanzen entfernt
Fistelvorbereitung: Mit einer Kamera durch die Blase entfernten die Chirurgen ungesundes Gewebe an den Fistelrändern
Injektion: Das aufbereitete Fettgewebe wurde in die Blasenwand rund um die Fistelstelle injiziert
Der gesamte Eingriff wurde durch die Harnröhre und kleine Oberschenkelschnitte durchgeführt. Eine Bauchoperation war nicht erforderlich.
Vollständige Heilung bei der Drei-Monats-Nachuntersuchung bestätigt
Die Patientin ging nur einen Tag nach dem Eingriff nach Hause. Nach drei Monaten führten die Ärzte eine Zystoskopie (Kamerauntersuchung der Blase) durch. Sie fanden nur Narbengewebe an der Stelle, wo die Fistel gewesen war. Ein Zystogramm (spezielle Röntgenaufnahme der Blase) bestätigte den vollständigen Verschluss. Die Patientin hatte keine Symptome von Urinaustritt.
Kein Rückfall nach zwei Jahren Beobachtung
Der ermutigendste Befund war der langfristige Erfolg. 24 Monate nach der Behandlung war die Fistel nicht zurückgekehrt. Die Patientin blieb symptomfrei mit normaler Blasenfunktion. Dies deutet darauf hin, dass die Reparatur dauerhaft war und das Gewebe ordnungsgemäß heilte.
Was dies für Patientinnen mit ähnlichen Erkrankungen bedeutet
Dieser Fall zeigt mehrere wichtige Punkte für Frauen mit vesikovaginalen Fisteln:
Minimalinvasive Option: Dieser Ansatz vermeidet große Schnitte und lange Krankenhausaufenthalte
Gebärmuttererhalt: Anders als bei der traditionellen Operation besteht bei dieser Methode kein Risiko einer Gebärmutterentfernung
Verwendung des eigenen Gewebes: Das Fett stammt aus Ihrem eigenen Körper, was Abstoßungsrisiken reduziert
Schnelle Erholung: Die Patientin verließ das Krankenhaus am nächsten Tag
Dauerhafte Ergebnisse: Die Reparatur hielt mindestens zwei Jahre
Die Autoren merken an, dass diese Technik am besten bei kleineren Fisteln (unter einem Zentimeter) funktioniert, die nicht allein auf eine Katheterbehandlung angesprochen haben. Das aufbereitete Fettgewebe wirkt wie ein natürlicher Flicken und bietet sowohl physische Abdeckung als auch regenerative Signale, die dem Gewebe bei der Heilung helfen.
Dies stellt die Erfahrung einer einzelnen Patientin dar, keine große klinische Studie. Dennoch bietet es Hoffnung für Frauen, die Alternativen zu großen rekonstruktiven Operationen suchen. Die Kombination aus Entfernung von ungesundem Gewebe und Injektion von regenerativem Fettgewebe adressiert sowohl das strukturelle Problem als auch die Unterstützung der natürlichen Heilung.
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Quelle: Spinelli et al., Turkish Journal of Urology, 2020.
Originalpublikation
Endoscopic repair of a vesicouterine fistula with the injection of microfragmented autologous adipose tissue (Lipogems®)
Matteo Giulio Spinelli, Vito Lorusso, Franco Palmisano, Michele Morelli, Paolo Guido Dell'Orto, Carlo Tremolada, Emanuele Montanari · Turkish Journal of Urology · 2020
Vesicouterine fistula (VUF) is a rare extra-anatomical communication developing between the uterus or cervix and the urinary bladder, most commonly after an iatrogenic injury during a cesarean section. Patients with VUF may have various clinical presentations, ranging from Youssef's syndrome (vaginal urine leakage, amenorrhea, and menouria) to urinary tract infection and infertility. Quality of life for patients having this pathology is strongly affected owing to the psychological burden. Treatment is surgery based because low success rates have been reported for conservative or minimally invasive approaches. Herein, we present a case of a 35-year-old woman successfully treated by a minimally invasive endoscopic repair procedure with the injection of microfragmented autologous adipose tissue (Lipogems®).