Fettgewebe als Quelle heilender Zellen verstehen

Carlo Tremolada, Valeria Colombo, Carlo Ventura · Current Stem Cell Reports · 2016

Fettgewebe enthält 1.000-mal mehr Stammzellen als Knochenmark

Das Fettgewebe Ihres Körpers ist eine überraschend ergiebige Quelle regenerativer Zellen. Studien zeigen, dass eine von 100 Fettzellen eine mesenchymale Stammzelle (MSC) ist – ein Zelltyp, der bei der Reparatur geschädigten Gewebes hilft. Im Vergleich dazu enthält Knochenmark nur eine MSC pro 100.000 Zellen. Das macht Fettgewebe zu einer idealen Quelle für regenerative Behandlungen. Die Entnahme von Fettgewebe ist zudem wesentlich einfacher und weniger schmerzhaft als die Gewinnung von Knochenmark.

Diese heilenden Zellen wirken wie „Mini-Apotheken"

MSCs können mehr als nur neues Gewebe bilden. Wissenschaftler wissen heute, dass sie wie körpereigene Apotheken funktionieren. Diese Zellen setzen zahlreiche heilungsfördernde Substanzen frei, die:

  • Entzündungen reduzieren

  • das Wachstum neuer Blutgefäße unterstützen

  • Zellen vor dem Absterben schützen

  • das Immunsystem regulieren helfen

Das bedeutet, dass der Nutzen nicht nur aus der Bildung neuer Zellen entsteht, sondern auch aus den Heilungssignalen, die diese Zellen an das umliegende Gewebe senden.

Traditionelle Aufbereitungsverfahren haben Nachteile

Jahrelang verwendeten Ärzte Enzyme und Laborexpansion, um Stammzellen aus Fettgewebe zu gewinnen. Obwohl wirksam, haben diese Methoden erhebliche Einschränkungen. Die Zellen können während der längeren Laborverarbeitung altern. Diese Alterung verringert ihre Fähigkeit, sich in verschiedene Gewebetypen umzuwandeln. Diese komplexen Techniken unterliegen zudem strengen Vorschriften, die den klinischen Einsatz erschweren.

Lipogems® erhält die natürliche Heilungsumgebung

Die Lipogems®-Technologie wurde entwickelt, um diese Herausforderungen zu bewältigen. Das System verarbeitet Fettgewebe schonend ohne Enzyme oder Chemikalien. Es verwendet ausschließlich Waschvorgänge und sanfte mechanische Einwirkung, um winzige Fettcluster von etwa 0,3 bis 0,8 Millimetern Größe zu erzeugen. Dadurch bleibt erhalten, was Wissenschaftler als „stromale vaskuläre Nische" bezeichnen – die natürliche Stützstruktur, in der heilende Zellen leben und optimal funktionieren.

In dieser geschützten Umgebung bleiben spezielle Zellen, sogenannte Perizyten, an kleinsten Blutgefäßen haften. Nach der Übertragung in geschädigtes Gewebe können diese Perizyten zu aktiven Stammzellen werden und den Heilungsprozess einleiten. Dieser Ansatz bewahrt die Zellen in ihrem natürlichen Zustand, sodass sie sofort einsatzbereit sind.

Tausende Patienten mit vielversprechenden Ergebnissen behandelt

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Übersichtsarbeit hatten weltweit mehr als 7.000 Patienten eine Lipogems®-Behandlung erhalten. Diese Eingriffe umfassten die ästhetische Medizin, orthopädische Chirurgie und Allgemeinchirurgie. Die Autoren berichten von bemerkenswerten und vielversprechenden Ergebnissen ohne erkennbare Nachteile. Die Technologie ermöglicht es Ärzten, aufbereitetes Fettgewebe in einem einzigen Eingriff zu entnehmen, zu verarbeiten und zu injizieren – ohne Laborverarbeitung oder mehrfache Arztbesuche.

Klinische Studien erweitern die Evidenzbasis

Der anfängliche Erfolg von Lipogems® hat zu mehreren klinischen Studien geführt, die den Nutzen weiter dokumentieren sollen. Diese Studien zielen darauf ab, stärkere wissenschaftliche Belege für das zu liefern, was frühe Patienten bereits erfahren haben. Die Technologie steht für einen Wandel hin zu einfacheren regenerativen Behandlungen am selben Tag, die Ihr eigenes Gewebe ohne aufwendige Manipulation nutzen.

Für Patienten, die Optionen zur Geweberegeneration in Betracht ziehen, verdeutlicht diese Forschung, warum fettbasierte Behandlungen an Beliebtheit gewonnen haben. Die Fülle an heilenden Zellen im Fettgewebe, kombiniert mit Aufbereitungsverfahren, die deren natürliche Funktion erhalten, bietet einen praktikablen Weg zur regenerativen Versorgung. Lipogems® adressiert gezielt die Einschränkungen älterer Techniken und bewahrt gleichzeitig das reiche Heilungspotenzial, das Fettgewebe so wertvoll macht.

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Quelle: Tremolada et al., Current Stem Cell Reports, 2016.

Originalpublikation

Adipose Tissue and Mesenchymal Stem Cells: State of the Art and Lipogems® Technology Development

Carlo Tremolada, Valeria Colombo, Carlo Ventura · Current Stem Cell Reports · 2016

In the past few years, interest in adipose tissue as an ideal source of mesenchymal stem cells (MSCs) has increased. These cells are multipotent and may differentiate in vitro into several cellular lineages, such as adipocytes, chondrocytes, osteoblasts, and myoblasts. In addition, they secrete many bioactive molecules and thus are considered “mini-drugstores.” MSCs are being used increasingly for many clinical applications, such as orthopedic, plastic, and reconstructive surgery. Adipose-derived MSCs are routinely obtained enzymatically from fat lipoaspirate as SVF and/or may undergo prolonged ex vivo expansion, with significant senescence and a decrease in multipotency, leading to unsatisfactory clinical results. Moreover, these techniques are hampered by complex regulatory issues. Therefore, an innovative technique (Lipogems®; Lipogems International SpA, Milan, Italy) was developed to obtain …

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