Fettgewebeinjektionen lindern Arthroseschmerzen bei 130 Hunden sicher
Offer Zeira, Simone Scaccia, Letizia Pettinari, Erica Ghezzi, Nimrod Asiag, Laura Martinelli, Daniele Zahirpour, Maria P. Dumas, Martin Konar, Davide M. Lupi, Laurence Fiette, Luisa Pascucci, Leonardo Leonardi, Alistair Cliff, Giulio Alessandri, Augusto Pessina, Daniele Spaziante, Marina Aralla · Stem Cells Translational Medicine · 2018
Hunde sind ein aussagekräftiges Modell für die Arthroseforschung beim Menschen
Hunde entwickeln Arthrose auf sehr ähnliche Weise wie Menschen. Etwa 20 % der erwachsenen Hunde leiden an dieser schmerzhaften Gelenkerkrankung. Da sich ihre Erkrankung spontan entwickelt und nicht künstlich im Labor erzeugt wird, gelten Hunde als eines der besten Modelle für die Erprobung von Behandlungen, die später auch Menschen helfen könnten. Diese Studie begleitete 130 Haushunde mit natürlich entstandener Arthrose. Die Hunde erhielten Injektionen von aufbereitetem körpereigenem Fettgewebe in die betroffenen Gelenke. Die Forscher verfolgten den Behandlungsverlauf über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten anhand tierärztlicher Untersuchungen und Beobachtungen der Besitzer.
Einmalige Injektion mit aufbereitetem körpereigenem Fettgewebe
Die Behandlung umfasste eine einmalige Injektion von mikrofragmentiertem Fettgewebe (MFAT) – speziell aufbereitetes Fett aus dem eigenen Körper des Hundes. Mit dem Lipogems®-System entnahmen Tierärzte Fettgewebe und verarbeiteten es während desselben Eingriffs. Dieser Ansatz erfordert keine Zellvermehrung im Labor und keine Enzymbehandlungen. Das aufbereitete Gewebe enthält natürliche regenerative Zellen, einschließlich mesenchymaler Stromazellen, die Entzündungen reduzieren und die Heilung unterstützen können. Da das Gewebe aus dem eigenen Körper des Patienten stammt, besteht kein Abstoßungsrisiko.
88 % der Hunde zeigten nach sechs Monaten eine Verbesserung
Die Ergebnisse waren bei jeder Nachuntersuchung ermutigend:
Nach einem Monat: 78 % der Hunde zeigten verbesserte Beweglichkeit und mehr Wohlbefinden
Nach sechs Monaten: 88 % verbessert, 11 % unverändert und nur 1 % verschlechtert
Einschätzung der Besitzer: 92 % der Besitzer berichteten nach sechs Monaten von einer deutlichen Verbesserung
Die Tierärzte beurteilten die Verbesserung anhand standardisierter orthopädischer Untersuchungen. Sie bewerteten Lahmheit, Schmerzen bei Gelenkbewegungen und den Bewegungsumfang. Die Besitzer füllten außerdem über einen Zeitraum von 24 Monaten monatliche Schmerzfragebögen aus, um das Wohlbefinden ihrer Tiere zu Hause zu dokumentieren.
Keine schwerwiegenden Nebenwirkungen bei allen Patienten
Die Sicherheit stand im Mittelpunkt dieser Studie. Die Forscher überwachten alle 130 Hunde sowohl auf lokale Reaktionen an der Injektionsstelle als auch auf systemische Auswirkungen im gesamten Körper. Es wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen dokumentiert. Der Eingriff selbst war minimal-invasiv und wurde gut vertragen. Hunde, die während des Studienzeitraums aus anderen Gründen verstarben, wurden einer Obduktion ihrer behandelten Gelenke unterzogen. Diese Untersuchungen bestätigten, dass keine schädlichen Veränderungen durch die Behandlung aufgetreten waren.
Hinweise auf langfristige Schmerzlinderung
Die Forscher führten Flüssigkeitsanalysen der behandelten Gelenke durch, um den Wirkmechanismus der Behandlung zu verstehen. Ihre Ergebnisse deuten in Kombination mit den anhaltenden klinischen Verbesserungen darauf hin, dass MFAT-Injektionen eine langfristige Schmerzkontrolle bieten und nicht nur vorübergehende Linderung verschaffen. Die regenerativen Zellen im aufbereiteten Fettgewebe scheinen das Gelenkmilieu so zu beeinflussen, dass Entzündungen reduziert und die Gewebegesundheit langfristig unterstützt wird. Dieser Effekt hielt während des gesamten sechsmonatigen Beobachtungszeitraums an.
Das Verfahren bietet praktische Vorteile für Patienten
Das Lipogems®-Verfahren erwies sich als zeitsparend und kosteneffektiv. Die wichtigsten Vorteile waren:
Einmalige Behandlungssitzung: Keine Notwendigkeit für mehrere Eingriffe
Aufbereitung am selben Tag: Fettgewebe wird in einem Termin verarbeitet
Keine Zellkultivierung erforderlich: Aufwendige Laborschritte entfallen
Minimal-invasiv: Schnelle Erholung im Vergleich zu operativen Eingriffen
Die Studie umfasste Hunde aller Altersgruppen, Größen und Rassen, die in sieben Tierkliniken in vier Ländern behandelt wurden. Dieser breit angelegte Ansatz zeigt, dass die Technik bei verschiedenen Patientengruppen und in unterschiedlichen klinischen Umgebungen funktioniert.
Bedeutung für menschliche Patienten
Obwohl sich diese Studie auf Hunde konzentrierte, haben die Ergebnisse wichtige Implikationen für Menschen, die eine MFAT-Behandlung bei Arthrose in Betracht ziehen. Hunde entwickeln Arthrose auf natürliche Weise und haben ähnliche Gelenkstrukturen wie Menschen. Das gute Sicherheitsprofil und die hohen Verbesserungsraten, die in dieser großen Tiergruppe beobachtet wurden, unterstreichen den potenziellen Nutzen dieses Ansatzes für menschliche Patienten. Die Forscher betonen ausdrücklich, dass dieses Hundemodell eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung erfolgreicher Behandlungen für die translationale Medizin spielt – Forschung, die eine Brücke zwischen Tierstudien und Anwendungen beim Menschen schlägt.
Quelle: Zeira et al., Stem Cells Translational Medicine, 2018.
Originalpublikation
Intra-Articular Administration of Autologous Micro-Fragmented Adipose Tissue in Dogs with Spontaneous Osteoarthritis: Safety, Feasibility, and Clinical Outcomes
Offer Zeira, Simone Scaccia, Letizia Pettinari, Erica Ghezzi, Nimrod Asiag, Laura Martinelli, Daniele Zahirpour, Maria P. Dumas, Martin Konar, Davide M. Lupi, Laurence Fiette, Luisa Pascucci, Leonardo Leonardi, Alistair Cliff, Giulio Alessandri, Augusto Pessina, Daniele Spaziante, Marina Aralla · Stem Cells Translational Medicine · 2018
Similar to the disease affecting humans, osteoarthritis (OA) is a painful musculoskeletal condition affecting 20% of the adult canine population. Several solutions have been proposed, but the results achieved to date are far from being satisfactory. New approaches, such as intra-articular delivery of cells (including mesenchymal stromal cells), have been proposed. Among the many sources, the adipose tissue is considered very promising. We evaluated the safety, feasibility, and efficacy of a single intra-articular injection of autologous and micro-fragmented adipose tissue (MFAT) in 130 dogs with spontaneous OA. MFAT was obtained using a minimally invasive technique in a closed system and injected in the intra- and/or peri-articular space. Clinical outcomes were determined using orthopedic examination and owners' scores for up to 6 months. In 78% of the dogs, improvement in the orthopedic score was registered 1 month after treatment and continued gradually up to 6 months when 88% of the dogs improved, 11% did not change, and 1% worsened compared with baseline. Considering the owners' scores at 6 months, 92% of the dogs significantly improved, 6% improved only slightly, and 2% worsened compared with baseline. No local or systemic major adverse effects were recorded. The results of this study suggest that MFAT injection in dogs with OA is safe, feasible, and beneficial. The procedure is time sparing and cost-effective. Post injection cytological investigation, together with the clinical evidence, suggests a long-term pain control role of this treatment. The spontaneous OA dog model has a key role in developing successful treatments for translational medicine.