Neue Forschung zu Fettgewebe für die Wundheilung verstehen
Chiara Ceresa, Alessia Borrone, Letizia Fracchia, Maurizio Rinaldi, Alice Marchetti, Carlo Tremolada, Michela Bosetti · Pharmaceutics · 2022
Laborstudie zeigt: Aufbereitetes Fettgewebe könnte die Wundheilung unterstützen
Diese Studie italienischer Forscher aus dem Jahr 2022 untersuchte, wie mikrofragmentiertes Fettgewebe (speziell aufbereitetes Fett aus dem eigenen Körper) die Wundheilung unterstützen könnte. Das Team verwendete die Lipogems®-Technologie zur Aufbereitung der Fettgewebeproben. Anschließend testeten sie diese Proben unter Laborbedingungen, um zu untersuchen, wie sie die Hautreparatur fördern könnten. Obwohl es sich nicht um eine Studie an Patienten handelte, liefert sie wichtige Erkenntnisse darüber, wie dieser Ansatz funktionieren könnte.
Zellen wandern natürlicherweise aus dem Fettgewebe aus und besiedeln neue Bereiche
Eine zentrale Erkenntnis war, dass regenerative Zellen eigenständig aus dem Fettgewebe auswandern konnten. Als die Forscher das aufbereitete Fettgewebe in eine dreidimensionale Kollagenstruktur (ähnlich einem Hautgerüst) einbrachten, migrierten Zellen nach außen. Diese Zellen begannen, den umliegenden Bereich zu besiedeln. Dies deutet darauf hin, dass das Fettgewebe als natürliche „Heimatbasis" für heilungsfördernde Zellen fungiert. Es könnte ihnen ermöglichen, in geschädigtes Gewebe vorzudringen, ohne dass eine aufwendige Laboraufbereitung erforderlich ist.
Fettgewebe setzt Proteine frei, die die Hautzellaktivität beschleunigen
Das Forscherteam entdeckte, dass aufbereitetes Fettgewebe hilfreiche Proteine in seine Umgebung freisetzt. Diese Proteine förderten das Wachstum und die schnellere Bewegung zweier wichtiger Hautzelltypen:
Fibroblasten — Zellen, die das strukturelle Gerüst der Haut aufbauen
Keratinozyten — Zellen, die die schützende äußere Hautschicht bilden
Bei Kontakt mit den vom Fettgewebe freigesetzten Substanzen vermehrten sich diese Zellen schneller. Sie bewegten sich auch schneller über die Laboroberflächen — ein Verhalten, das nachahmt, wie Zellen wandern müssten, um eine Wunde zu verschließen.
Wundverschlussfähigkeit verbesserte sich in Labortests
Fibroblasten spielen eine entscheidende Rolle bei der Wundkontraktion — dem Prozess, bei dem sich die Wundränder zusammenziehen, um eine Lücke zu schließen. In dieser Studie zeigten Fibroblasten, die den Sekreten des Fettgewebes ausgesetzt waren, eine verbesserte Kontraktionsfähigkeit. Dieses Ergebnis legt nahe, dass die vom aufbereiteten Fettgewebe freigesetzten Proteine Wunden in realen Heilungssituationen effektiver verschließen könnten.
Fettgewebe zeigte antibakterielle Eigenschaften
Wundinfektionen können die Heilung erheblich verzögern. Diese Studie ergab, dass aufbereitetes Fettgewebe Substanzen freisetzt, die Bakterien bekämpfen. Das Gewebe konnte häufige Wundbakterien wie Staphylococcus aureus und Escherichia coli bekämpfen. Noch interessanter war, dass das Fettgewebe offenbar „spüren" konnte, wenn Bakterien vorhanden waren. Es erhöhte als Reaktion auf bakterielle Signale die Freisetzung antibakterieller Substanzen. Diese doppelte Fähigkeit — Heilung fördern und gleichzeitig Infektionen bekämpfen — könnte für die Behandlung infektionsgefährdeter Wunden wertvoll sein.
Was dies für Patienten bedeutet, die eine Behandlung in Betracht ziehen
Diese Laborstudie deutet auf mehrere potenzielle Vorteile der Verwendung Ihres eigenen aufbereiteten Fettgewebes für die Wundheilung hin:
Keine aufwendige Zellaufbereitung erforderlich — Anders als bei manchen Stammzelltherapien, die wochenlange Laborvorbereitung erfordern, verwendet dieser Ansatz minimal aufbereitetes Gewebe
Natürliches Trägersystem — Das Fettgewebe dient als Gerüst, das über Zeit hilfreiche Zellen und Proteine freisetzt
Mehrfache Heilungswirkungen — Das Gewebe scheint gleichzeitig Zellwachstum, Wundverschluss und Infektionsprävention zu unterstützen
Verwendung körpereigenen Gewebes — Da es aus Ihrem eigenen Körper stammt, besteht kein Abstoßungsrisiko
Es ist wichtig zu verstehen, dass es sich um eine Laborstudie handelte, nicht um eine klinische Studie an Patienten. Die Forscher testeten diese Wirkungen unter kontrollierten Bedingungen mit Zellkulturen und Gewebeproben. Obwohl die Ergebnisse vielversprechend sind, ist weitere Forschung an tatsächlichen Patienten erforderlich, um zu bestätigen, dass sich diese Vorteile auf reale Wundheilungssituationen übertragen lassen.
Wenn Sie eine Lipogems®-Behandlung zur Wundheilung in Betracht ziehen, besprechen Sie diese Forschungsergebnisse mit Ihrem Arzt. Er kann Ihnen helfen zu verstehen, wie diese Laborergebnisse auf Ihre spezifische Situation zutreffen könnten. Fragen Sie nach der aktuellen klinischen Evidenz und ob dieser Ansatz für Ihre Art von Wunde geeignet sein könnte.
Quelle: Ceresa et al., Pharmaceutics, 2022.
Originalpublikation
Lipoaspirate Shows In Vitro Potential for Wound Healing
Chiara Ceresa, Alessia Borrone, Letizia Fracchia, Maurizio Rinaldi, Alice Marchetti, Carlo Tremolada, Michela Bosetti · Pharmaceutics · 2022
Mesenchymal stem cells (MSCs) are a promising therapy in wound healing, although extensive time and manipulation are necessary for their use. In our previous study on cartilage regeneration, we demonstrated that lipoaspirate acts as a natural scaffold for MSCs and gives rise to their spontaneous outgrowth, together with a paracrine effect on resident cells that overcome the limitations connected to MSC use. In this study, we aimed to investigate in vitro whether the microfragmented adipose tissue (lipoaspirate), obtained with Lipogems® technology, could promote and accelerate wound healing. We showed the ability of resident cells to outgrow from the clusters of lipoaspirate encapsulated in a 3D collagen substrate as capability of repopulating a culture of human skin. Moreover, we demonstrated that the in vitro lipoaspirate paracrine effect on fibroblasts and keratinocytes proliferation, migration, and contraction rate is mediated by the release of trophic/reparative proteins. Finally, an analysis of the paracrine antibacterial effect of lipoaspirate proved its ability to secrete antibacterial factors and its ability to modulate their secretion in culture media based on a bacterial stimulus. The results suggest that lipoaspirate may be a promising approach in wound healing showing in vitro regenerative and antibacterial activities that could improve current therapeutic strategies.