Stammzelltherapie hilft bei der Heilung eines hartnäckigen Patellaspitzensyndroms

Alessandro Russo, Vito Coco, Stefano Zaffagnini · Annals of Case Reports & Reviews · 2021

Der Weg eines Patienten zurück zur Aktivität nach erfolglosen Behandlungen

Die Patellatendinitis, oft als „Patellaspitzensyndrom" oder „Springerknie" bezeichnet, verursacht Schmerzen an der Vorderseite des Knies. Sie betrifft Sportler und Menschen im Alltag gleichermaßen. Etwa 17 Prozent der Allgemeinbevölkerung leiden unter dieser Erkrankung. Wenn Standardbehandlungen versagen, können die Schmerzen chronisch und stark einschränkend werden.

Diese Fallstudie begleitet einen 56-jährigen aktiven Mann mit starken Schmerzen im linken Knie. Er konnte weder Treppen steigen noch laufen oder in die Hocke gehen, ohne erhebliche Beschwerden zu haben. Seine alltäglichen Aktivitäten waren unmöglich geworden. Ein ganzes Jahr lang hatte er bereits auf Freizeitaktivitäten verzichten müssen – wegen der Schmerzen.

Sechs Monate Standardbehandlung brachten keine Linderung

Bevor er die Stammzelltherapie ausprobierte, durchlief der Patient eine vollständige konservative Behandlung. Diese umfasste sechs Monate lang Schonung, Kühlung und Aktivitätsanpassung. Er absolvierte außerdem Physiotherapie mit Dehnungs- und Kräftigungsübungen. Trotz dieses umfassenden Ansatzes verbesserten sich seine Symptome nicht.

MRT-Aufnahmen bestätigten die Diagnose. Sie zeigten eine Verdickung und Schädigung an der Stelle, wo die Patellasehne an der Kniescheibe ansetzt. Die Bildgebung offenbarte einen degenerativen Bereich, der seine anhaltenden Schmerzen erklärte.

Aus Fettgewebe gewonnene Stammzellen wurden in das Kniegelenk injiziert

Nachdem die konservative Behandlung gescheitert war, boten die Ärzte einen regenerativen Ansatz an. Sie entnahmen mesenchymale Stammzellen aus dem körpereigenen Fettgewebe des Patienten. Diese Zellen wurden dann in sein Kniegelenk injiziert. Das Verfahren folgte einer etablierten Methode, die die natürlichen Heilungszellen des Körpers nutzt.

Der Patient erhielt detaillierte Informationen über die Behandlung. Er verstand sowohl die potenziellen Vorteile als auch die damit verbundenen Risiken. Diese Art der Therapie verwendet körpereigenes Gewebe, was Abstoßungsreaktionen reduziert.

MRT zeigt Sehnenheilung bei der 12-Monats-Nachuntersuchung

Die Ergebnisse waren beeindruckend. Kontroll-MRT-Aufnahmen nach einem Jahr zeigten eine deutliche Verbesserung. Der geschädigte Bereich der Patellasehne erschien regeneriert. Die Sehne wies im Vergleich zu vor der Behandlung ein besseres Volumen und eine bessere Struktur auf.

Die Bildgebung zeigte Zeichen einer Gewebereparatur an der zuvor geschädigten Ansatzstelle. Die Ärzte beschrieben die Sehne als „morphologisch gut", was bedeutet, dass sie normaler und gesünder aussah.

Funktionswerte steigen von schlecht auf nahezu perfekt

Die Kniefunktion des Patienten verbesserte sich in allen Messbereichen dramatisch:

  • IKDC-Score (allgemeine Kniefunktion): Anstieg von 25 auf 99 von 100 Punkten

  • Lysholm-Score (Alltagsaktivitäten): Anstieg von 23 auf 100

  • Tegner-Score (Aktivitätsniveau): Verbesserung von 0 auf 4, was eine Rückkehr zu Freizeitsport anzeigt

Nach sechs Monaten zeigte er bereits große Fortschritte. Nach einem Jahr berichtete er von vollständiger Schmerzfreiheit. Er konnte Aktivitäten wieder aufnehmen, die vor der Behandlung unmöglich gewesen waren.

Eine vielversprechende Option, wenn andere Behandlungen versagen

Dieser Fall ergänzt die wachsende Evidenz zur Stammzelltherapie bei Sehnenproblemen. Frühere Forschungen mit aus Knochenmark gewonnenen Zellen zeigten ähnlich vielversprechende Ergebnisse. In einer Studie gaben sieben von acht Patienten an, dass sie das Verfahren bei Bedarf wiederholen würden.

Die Forscher weisen darauf hin, dass dieser Ansatz Vorteile gegenüber einer Operation bietet. Er ist weniger invasiv als offene oder arthroskopische Eingriffe. Die Erholungszeit ist kürzer. Die Injektionstechnik vermeidet chirurgische Komplikationen.

Aktuelle Leitlinien empfehlen, zunächst Bewegungstherapie, Stoßwellenbehandlung oder plättchenreiches Plasma zu versuchen. Eine Operation bleibt eine Option für diejenigen, die sich nach sechs Monaten nicht verbessern. Dieser Fall deutet darauf hin, dass die Stammzelltherapie aus Fettgewebe eine Lücke zwischen gescheiterter konservativer Behandlung und Operation schließen könnte.

Was das für Ihre Entscheidung bedeutet

Diese Einzelfallstudie zeigt vielversprechende Ergebnisse, hat aber Einschränkungen. Es gab keine Vergleichsgruppe. Nur ein Patient wurde behandelt. Größere Studien mit mehr Patienten sind erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

Die dramatische Verbesserung sowohl in der Bildgebung als auch in der Funktion ist jedoch ermutigend. Für Patienten wie Sie, die auf Standardbehandlungen nicht angesprochen haben, könnte dieser Ansatz Hoffnung bieten. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob eine regenerative Therapie mit Ihren eigenen, aus Fettgewebe gewonnenen Zellen für Ihre Situation geeignet sein könnte.

Quelle: Russo et al., Annals of Case Reports & Reviews, 2021.

Originalpublikation

The Effect of Autologous Adipose Derived Mesenchymal Stem Cell Therapy in Chronic Patellar Tendinitis: A Case Study

Alessandro Russo, Vito Coco, Stefano Zaffagnini · Annals of Case Reports & Reviews · 2021

A prospective analysis of the effect of autologous adipose derived mesenchymal stem cell (MSC) therapy in the treatment of chronic patellar tendinitis was conducted. A 56-year-old active male patient presented with increasing left knee pain and functional disability without trauma. MRI scan revealed tendon thickening and abnormality at the insertion of the tendon on the inferior part of the patella. After failed conventional management including 6 months of conservative treatment (ice, rest, activity modification, physical therapy, stretching, and eccentric exercise program), the patient underwent intraarticular adipose-derived mesenchymal stromal cells (AD-MSCs) therapy. Post-operative radiological evaluation at 12 months showed appreciable improvement in patellar tendon volume and architecture at the site of damage, with MRI sequences demonstrating regeneration and repair of the patellar tendon. Clinical evaluation using IKDC, Lysholm, and Tegner scores showed substantial improvement from pre-operative to 12-months post-operative follow-up. The patient reported complete relief of pain after one year from the procedure. These results demonstrate that the use of AD-MSCs, after unsuccessful conventional patellar tendinitis management, resulted in structural, functional, and pain improvement, highlighting the possibility of adding autologous adipose derived mesenchymal stem cell therapy as a new treatment option for chronic patellar tendinitis.

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