Fettgewebsbehandlung zeigt schnelle Heilung bei schwerem Lichen sclerosus der Vulva

Davide De Vita, Carmen Sciorio, Serena Spartano · SIGO National Congress · 2016

Erster publizierter Fall nutzt körpereigene Fettzellen zur Vulva-Regeneration

Diese bahnbrechende Fallstudie aus Italien dokumentiert die weltweit erste Anwendung der Lipogems®-Technologie zur Behandlung eines schweren Lichen sclerosus der Vulva. Die Forscher präsentierten diese Arbeit auf dem SIGO-Nationalkongress 2016. Die Patientin hatte jahrelang unter dieser schmerzhaften Erkrankung gelitten und auf Standardbehandlungen nicht angesprochen.

Patientin hatte herkömmliche Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft

Die 66-jährige Patientin lebte seit mehreren Jahren mit Lichen sclerosus der Vulva. Ihre Symptome umfassten:

  • Schmerzhafter Geschlechtsverkehr, der Intimität unmöglich machte

  • Brennende Schmerzen bei Urinkontakt mit der wunden Haut

  • Sichtbare Hautschäden mit dem klassischen „Achtermuster" um Vulva und Anus

  • Beginnende Narbenbildung und Gewebeverstraffung

Sie hatte über 18 Monate hinweg verschiedene Behandlungen ausprobiert. Dazu gehörten Kortisonsalben, Testosteroncreme, Vitamin E, Östrogentherapie und orales Vitamin A. Keine brachte dauerhafte Linderung. Eine Biopsie bestätigte, dass kein Krebs vorlag.

Einfacher ambulanter Eingriff unter Lokalanästhesie

Die Behandlung umfasste einen minimalinvasiven Eingriff, der im Mai 2016 durchgeführt wurde. Die Ärzte entnahmen zunächst eine kleine Menge Fettgewebe aus dem Bauchbereich der Patientin mittels schonender Liposuktion. Anschließend verarbeiteten sie dieses Gewebe mit dem Lipogems®-System. Diese spezielle Technik zerkleinert Fett in winzige Fragmente und bewahrt dabei die natürlichen Heilungszellen darin.

Das aufbereitete Gewebe wurde dann in die am stärksten betroffenen Vulvabereiche injiziert. Dazu gehörten die hintere Kommissur (das Gewebe nahe dem Scheideneingang), die kleinen Schamlippen und der Bereich um die Klitoris. Die Patientin konnte innerhalb von 24 Stunden nach Hause gehen. Sie erlebte keinerlei Komplikationen während oder nach dem Eingriff.

Deutliche Besserung bereits nach nur zwei Wochen

Die Ergebnisse waren bemerkenswert. Innerhalb von nur 15 Tagen berichtete die Patientin von signifikanten Veränderungen:

  • Kein brennender Schmerz mehr beim Wasserlassen

  • Keine Schmerzen mehr bei Berührung des Vulvabereichs

  • Hautabschürfungen waren vollständig verheilt

  • Keine sichtbare Narbenbildung oder Gewebeverstraffung mehr erkennbar

  • Die Hautfarbe war zu einem gesunden Rosa zurückgekehrt

  • Das Vulvagewebe war wieder weich und geschmeidig

Warum Fettgewebe bei dieser Erkrankung wirken könnte

Die Forscher wählten diesen Ansatz aufgrund der einzigartigen Eigenschaften von Zellen im Fettgewebe. Diese Zellen, sogenannte mesenchymale Stammzellen (MSCs), können geschädigtes Gewebe auf verschiedene Weise reparieren. Sie fördern neues Zellwachstum, reduzieren Entzündungen und unterstützen die Bildung neuer Blutgefäße.

Die Lipogems®-Aufbereitungsmethode ist dabei besonders wichtig. Anders als Behandlungen, die Enzyme zur Fettzersetzung verwenden, hält diese mechanische Technik die Zellen in ihrer natürlichen Umgebung. Studien zeigen, dass dadurch winzige Botenstoffpartikel namens Exosomen erhalten bleiben. Diese Partikel helfen Zellen bei der Kommunikation und Koordination von Heilungsprozessen. Untersuchungen deuten darauf hin, dass die nicht-enzymatische Aufbereitung deutlich mehr dieser hilfreichen Partikel intakt hält.

Was dies für Patientinnen mit Lichen sclerosus der Vulva bedeutet

Diese Fallstudie gibt Patientinnen Hoffnung, die mit Standardbehandlungen keine Linderung gefunden haben. Obwohl es sich nur um eine einzelne Patientin handelt, ist das schnelle und vollständige Ansprechen ermutigend. Die Behandlung verwendet körpereigenes Gewebe und eliminiert so jegliches Risiko einer Abstoßung oder allergischen Reaktion.

Die Autoren weisen darauf hin, dass mesenchymale Stammzellen bereits erfolgreich in vielen anderen medizinischen Anwendungen eingesetzt werden. Dazu gehören Knorpelreparatur, Knochenheilung und die Regeneration von Herzgewebe. Ihre immunmodulierenden Eigenschaften (die Fähigkeit, überaktive Immunreaktionen zu beruhigen) könnten bei Lichen sclerosus besonders relevant sein. Bei dieser Erkrankung wird eine Fehlfunktion des Immunsystems vermutet.

Wie bei jeder neuen Behandlung werden weitere Studien mit größeren Patientengruppen helfen, diese vielversprechenden Ergebnisse zu bestätigen. Dennoch zeigt dieser erste Fall, dass die Lipogems®-Technologie eine neue Option für Patientinnen bieten könnte, die mit dieser herausfordernden Erkrankung kämpfen.

---

Quelle: De Vita et al., SIGO-Nationalkongress, 2016.

Originalpublikation

Autologous adipose tissue graft in the vulva in severe vulvar lichen sclerosus atrophicus: clinical case

Davide De Vita, Carmen Sciorio, Serena Spartano · SIGO National Congress · 2016

This case report describes the first published use of autologous adipose-derived mesenchymal stem cells for treating severe vulvar lichen sclerosus atrophicus resistant to conventional therapy. A 66-year-old woman with longstanding vulvar lichen sclerosus experienced dyspareunia, dysuria, and chronic pain despite 18 months of standard treatments including topical corticosteroids, testosterone propionate, vitamin E, and hormone therapy. Physical examination revealed characteristic figure-of-eight lesions with abrasions, fibrous retraction, and skin changes; biopsy excluded neoplasia. In May 2016, the patient underwent lipoaspiration of abdominal adipose tissue under local anesthesia, followed by non-enzymatic processing using the Lipogems® technique to preserve mesenchymal stem cells and exosomes. The processed tissue was injected into affected vulvar areas including the fourchette, labia minora, and periclitoral region. Within 15 days post-treatment, the patient reported complete resolution of dysuria and vulvar pain, with objective findings showing absence of lesions, improved tissue color and elasticity, and no fibrous retraction. The authors propose that mesenchymal stem cells' proliferative, differentiating, and immunomodulatory properties, particularly through exosome secretion, promote tissue regeneration in this chronic degenerative condition. This novel approach demonstrates potential as an alternative treatment for refractory vulvar lichen sclerosus.

Verwandte Forschung