Neuer chirurgischer Ansatz kombiniert Gewebelappen mit fettbasierter Therapie bei rektovaginaler Fistel

Ana Dimova, Ivana Erceg Ivkošić, Petar Brlek, Stefan Dimov, Tomislav Pavlović, Tomislav Bokun, Dragan Primorac · Biomedicines · 2023

Patientin mit 8 Jahre bestehender Fistel erreicht vollständige Heilung

Eine 45-jährige Frau litt seit acht Jahren an einer rektovaginalen Fistel. Diese abnormale Verbindung zwischen ihrer Vagina und ihrem Rektum war 3,5 Zentimeter lang und einen Zentimeter breit. Ihre Fistel hatte sich als Komplikation von Morbus Crohn entwickelt, mit dem sie seit 15 Jahren lebte. Frühere Behandlungen hatten keine dauerhafte Linderung gebracht. Ärzte am St. Catherine Specialty Hospital in Kroatien wendeten einen neuen kombinierten Ansatz an, der zur vollständigen Heilung ihrer Fistel führte.

Warum diese Fisteln so schwer zu behandeln sind

Rektovaginale Fisteln haben bei Standardbehandlungen notorisch niedrige Erfolgsraten. Das Gewebe zwischen Rektum und Vagina ist schlecht durchblutet. Dies erschwert die Heilung erheblich im Vergleich zu anderen Körperregionen. Wenn Morbus Crohn beteiligt ist, beeinträchtigt die chronische Entzündung die Gewebequalität zusätzlich. Konservative Behandlungen wie Antibiotika und immunsuppressive Medikamente dauern oft lange, verursachen schwerwiegende Nebenwirkungen und führen häufig zu Rückfällen nach dem Absetzen.

Gängige chirurgische Optionen umfassen:

  • Einfache Schnittverfahren (Fistulotomie)

  • Langzeit-Drainagefäden (Setons)

  • Gewebelappen zur Abdeckung der Öffnung

Jedoch scheitern selbst diese chirurgischen Ansätze oft bei Crohn-bedingten rektovaginalen Fisteln.

Ärzte kombinierten zwei vielversprechende Techniken

Das Ärzteteam entschied sich für die Kombination zweier Ansätze, die einzeln jeweils vielversprechende Ergebnisse gezeigt hatten. Der erste war ein modifizierter Martius-Lappen. Diese chirurgische Technik entnimmt gut durchblutetes Gewebe aus dem inneren Oberschenkelbereich und verwendet es zur Verstärkung der Reparatur. Der zweite war mikrofragmentiertes Fettgewebe (MFAT). Dies ist speziell aufbereitetes Fettgewebe, das aus dem eigenen Körper der Patientin entnommen wird. Es enthält mesenchymale Stammzellen und andere heilungsfördernde Zellen.

Diese Kombination adressiert beide Hauptprobleme dieser Fisteln. Der Gewebelappen bringt neue Blutversorgung in das schlecht vaskularisierte Gebiet. Die aus Fett gewonnenen Zellen liefern entzündungshemmende und geweberegenerierende Eigenschaften, die den Auswirkungen von Morbus Crohn entgegenwirken.

Erstmaliger Einsatz dieses kombinierten Ansatzes bei RVF

Nach Angaben des Forschungsteams ist dies das erste Mal, dass diese beiden Techniken speziell zur Behandlung rektovaginaler Fisteln kombiniert wurden. Das körpereigene Fettgewebe der Patientin wurde entnommen und mit dem Lipogems®-System aufbereitet. Dadurch blieben die natürliche Struktur und die heilungsfördernden Zellen im Fett erhalten. Das aufbereitete Gewebe wurde dann während der chirurgischen Reparatur zusammen mit dem Martius-Lappen appliziert.

Vollständiger Fistelverschluss und verbesserte Lebensqualität

Die Ergebnisse wurden als bemerkenswert beschrieben. Die Patientin erreichte einen vollständigen anatomischen Verschluss ihrer Fistel. Während eines Jahres Nachbeobachtung blieb die vollständige Heilung erhalten. Über den physischen Verschluss hinaus berichtete die Patientin von signifikanten Verbesserungen ihrer allgemeinen Lebensqualität und sexuellen Zufriedenheit. Für jemanden, der acht Jahre lang mit dieser Erkrankung zu kämpfen hatte, stellten diese Ergebnisse eine bedeutsame Veränderung dar.

Eine vielversprechende Option für schwer behandelbare Fälle

Dieser Fallbericht legt nahe, dass die Kombination von chirurgischen Gewebelappen mit aus Fett gewonnenen regenerativen Zellen neue Hoffnung für Patientinnen mit Crohn-bedingten rektovaginalen Fisteln bieten könnte. Die heilungsfördernden Eigenschaften mesenchymaler Stammzellen – einschließlich ihrer Fähigkeit, Entzündungen zu reduzieren und das Wachstum neuer Blutgefäße zu unterstützen – scheinen traditionelle chirurgische Reparaturtechniken sinnvoll zu ergänzen.

Obwohl es sich hier um einen Einzelfallbericht und nicht um eine große klinische Studie handelt, eröffnet er die Tür für weitere Forschung. Patientinnen mit rektovaginalen Fisteln, die auf andere Behandlungen nicht angesprochen haben, sollten diesen neuen Ansatz möglicherweise mit ihren behandelnden Ärzten besprechen.

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Quelle: Dimova et al., Biomedicines, 2023.

Originalpublikation

Novel Approach in Rectovaginal Fistula Treatment: Combination of Modified Martius Flap and Autologous Micro-Fragmented Adipose Tissue

Ana Dimova, Ivana Erceg Ivkošić, Petar Brlek, Stefan Dimov, Tomislav Pavlović, Tomislav Bokun, Dragan Primorac · Biomedicines · 2023

This paper introduces an innovative therapeutic approach for managing rectovaginal fistulas (RVF) by combining the modified Martius flap and micro-fragmented adipose tissue (MFAT) enriched with mesenchymal stem cells (MSC). The study presents a case of a 45-year-old female patient with a 15-year history of Crohn's disease (CD) who experienced substantial difficulties for eight years from an active rectovaginal fistula measuring 3.5 cm in length and 1 cm in width, with tissue alterations at both vaginal and rectal openings. Following hospital admission, multidisciplinary team discussions led to the decision to combine a modified Martius flap with autologous MFAT containing MSCs. The results demonstrated comprehensive anatomical and clinical resolution of the RVF, with significant improvement in the patient's quality of life and sexual satisfaction during one-year follow-up. This novel approach addresses the challenges associated with CD-related RVFs, which are medically complex conditions with limited effective treatment options, often refractory to conventional therapies and characterized by low healing success rates. The integration of the modified Martius flap with MFAT emerges as a highly promising treatment strategy for managing these historically difficult-to-treat fistulas.

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