Rollstuhlfahrer erlebt vollständige Linderung von Schulterschmerzen nach einem Jahr
Chris Cherian, Gerard A. Malanga, Nathan Hogaboom, Michael A. Pollack, Trevor A. Dyson-Hudson · Spinal Cord Series and Cases · 2019
Schulterschmerzen betreffen bis zu 70 % der Rollstuhlfahrer
Menschen mit Rückenmarksverletzungen stehen vor einer besonderen Herausforderung. Sie sind bei alltäglichen Aktivitäten stark auf ihre Arme und Schultern angewiesen. Diese ständige Beanspruchung führt häufig zu Schulterschmerzen, insbesondere in der Rotatorenmanschette. Studien zeigen, dass bis zu sieben von zehn Rollstuhlfahrern unter Schulterschmerzen leiden. Diese Schmerzen können die Selbstständigkeit und Lebensqualität erheblich einschränken.
Zu den herkömmlichen Behandlungen gehören Physiotherapie, Schmerzmittel und Steroidinjektionen. Wenn diese nicht wirken, kann eine Operation empfohlen werden. Die Operationsergebnisse bei Menschen mit Rückenmarksverletzungen sind jedoch uneinheitlich. Auch die postoperative Erholung stellt große Herausforderungen dar. Während der Heilungsphase kann ein Wechsel zum Elektrorollstuhl und Unterstützung bei alltäglichen Aktivitäten erforderlich sein.
Aktiver 54-Jähriger litt trotz mehrerer Behandlungen unter zunehmenden Schmerzen
Dieser Fall betrifft einen 54-jährigen Mann mit einer kompletten Rückenmarksverletzung auf Höhe T10. Die Verletzung lag zehn Jahre zurück. Er nutzte einen manuellen Rollstuhl und war aktiver Kraftsportler. Drei Jahre vor der Behandlung entwickelte er Schmerzen in der rechten Schulter ohne erkennbare Verletzung.
Seine Schmerzen verschlimmerten sich allmählich von gelegentlichen Schüben zu einem dauerhaften Beschwerden. Er bewertete seine Schmerzen mit sieben von zehn Punkten. Bildgebende Verfahren zeigten einen Teilriss der Rotatorenmanschettensehne und Gelenkdegeneration. Im Laufe der Zeit versuchte er:
Reduzierte Trainingsintensität
Entzündungshemmende Medikamente
Steroidinjektionen zwei- bis dreimal jährlich
Jede Steroidinjektion brachte nur vorübergehende Linderung. Schließlich ließ auch diese Wirkung nach.
Patient erhielt ultraschallgesteuerte Injektion seines eigenen Fettgewebes
Der Patient nahm an einer genehmigten Forschungsstudie teil. Er erhielt eine Injektion von mikrofragmentiertem Fettgewebe (MFAT). Dabei handelt es sich um speziell aufbereitetes Fettgewebe aus seinem eigenen Körper. Das Verfahren nutzte das Lipogems®-System zur Gewebeaufbereitung.
Die Ärzte entnahmen zunächst Fett aus seinen unteren Flanken unter Lokalanästhesie. Das Fett wurde gewaschen und in kleinere Stücke zerkleinert. Dieser Prozess erhält die natürlichen Heilungszellen im Gewebe. Anschließend nutzten die Ärzte Ultraschallbildgebung, um präzise Injektionen in drei Bereiche zu setzen:
Die gerissene Supraspinatussehne (2,5 Milliliter)
Die Bursa subacromialis, ein flüssigkeitsgefüllter Schleimbeutel nahe der Schulter (2 Milliliter)
Das Akromioklavikulargelenk (1 Milliliter)
Vollständige Schmerzlinderung bei der Nachuntersuchung nach einem Jahr bestätigt
Die Ergebnisse waren bemerkenswert. Der Patient erreichte eine vollständige Linderung seiner Schulterschmerzen. Diese Verbesserung hielt bei der Nachuntersuchung nach einem Jahr an. Die MRT-Kontrollaufnahmen zeigten ebenfalls eine Verbesserung des partiellen Sehnenrisses im Vergleich zum Zustand vor der Behandlung.
Dieses Ergebnis ist besonders bedeutsam für Rollstuhlfahrer. Anders als bei einer Operation erforderte dieses minimalinvasive Verfahren keine längere Ruhigstellung. Der Patient konnte seine Mobilität und Selbstständigkeit während der Erholung beibehalten.
Erster dokumentierter Fall gibt Hoffnung für Patienten mit Rückenmarksverletzung
Dies ist der erste dokumentierte Fall einer MFAT-Behandlung bei chronischen Schulterschmerzen eines Menschen mit Rückenmarksverletzung. Die Forscher stellen fest, dass diese Behandlung vielversprechend für Menschen ist, die für ihre Mobilität auf ihre oberen Extremitäten angewiesen sind.
Frühere Forschungen bei nicht-querschnittsgelähmten Personen haben ähnliche Vorteile gezeigt. Eine Studie mit 18 Personen mit Rotatorenmanschettenproblemen ergab eine anhaltende Schmerzverbesserung über 12 Monate nach der MFAT-Behandlung.
Was dies für Ihre Behandlungsentscheidung bedeutet
Dieser Fallbericht deutet darauf hin, dass eine MFAT-Injektion eine vielversprechende Option für Rollstuhlfahrer mit chronischen Schulterschmerzen sein könnte. Die Behandlung scheint dauerhafte Linderung ohne die Herausforderungen einer Operation zu bieten.
Es handelt sich jedoch um einen einzelnen Fallbericht. Weitere Forschung mit größeren Patientengruppen ist erforderlich. Wenn Sie diese Behandlung in Betracht ziehen, besprechen Sie sie mit Ihrem Arzt. Er kann Ihnen helfen festzustellen, ob Sie aufgrund Ihrer spezifischen Situation ein geeigneter Kandidat sein könnten.
Die in diesem Fall nachgewiesenen Hauptvorteile umfassen:
Verwendung von körpereigenem Gewebe (kein Abstoßungsrisiko)
Minimalinvasives Verfahren
Keine längere Ruhigstellung erforderlich
Anhaltende Schmerzlinderung nach einem Jahr
Bildgebender Nachweis der Gewebeverbesserung
Quelle: Cherian et al., Spinal Cord Series and Cases, 2019.
Originalpublikation
Autologous, micro-fragmented adipose tissue as a treatment for chronic shoulder pain in a wheelchair using individual with spinal cord injury: a case report
Chris Cherian, Gerard A. Malanga, Nathan Hogaboom, Michael A. Pollack, Trevor A. Dyson-Hudson · Spinal Cord Series and Cases · 2019
Shoulder pain is common in persons with chronic spinal cord injury (SCI), with a prevalence reported as high as 70%. Current treatment of shoulder pain includes conservative measures such as physical therapy, pain medications, patient education, injections, and assistive devices. When conservative treatments fail, shoulder surgery is often the next option. Unfortunately, outcomes after shoulder surgery in persons with SCI are limited and conflicting. This case report describes a 54-year-old right-handed male with T10 complete SCI (duration of injury = 10 years) who had a complaint of right-sided shoulder pain for 3 years. The individual used a manual wheelchair as his primary means of mobility and was an avid weight-lifter. Physical examination and MRI demonstrated a rotator cuff tear and degenerative changes of the acromioclavicular joint. He was previously managed conservatively with physical therapy and intermittent corticosteroid injections but failed to improve. He was enrolled in an IRB approved study and underwent an ultrasound-guided injection with autologous, micro-fragmented adipose tissue (MFAT) and ultimately received improvements in pain and function that were maintained a year after treatment. To our knowledge, this is the first reported case of treatment of chronic refractory shoulder pain in a person with SCI using MFAT. Complete relief from pain was maintained at the 1-year follow-up. Injection of MFAT under ultrasound guidance is an effective and promising treatment for chronic refractory shoulder pain in upper limb-dependent persons with SCI and warrants further research.