Fettgewebe-Injektion verdoppelt nahezu die Heilung nach diabetischer Fußchirurgie
Roberto Lonardi, Nicola Leone, Stefano Gennai, Giulia Trevisi Borsari, Tea Covic, Roberto Silingardi · Journal of Clinical Medicine · 2019
Studie untersucht regenerativen Ansatz für Amputationswunden
Diabetische Fußulzera betreffen Millionen von Menschen und können zu Minoramputationen von Zehen oder Teilen des Fußes führen. Leider heilen diese chirurgischen Wunden häufig nicht richtig ab. Wenn die Heilung ausbleibt, droht den Patienten möglicherweise eine Majoramputation der Gliedmaße. Forscher in Italien führten eine klinische Studie durch, um zu untersuchen, ob die Injektion von aufbereitetem körpereigenem Fettgewebe die Heilungsraten nach Minoramputationen am Fuß verbessern kann.
114 Patienten zufällig zwei Behandlungsgruppen zugewiesen
Diese randomisierte kontrollierte Studie schloss 114 Menschen mit Diabetes ein, die aufgrund irreversibler Ulzera oder Gangrän eine Minoramputation am Fuß benötigten. Die Patienten wurden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe erhielt nach der Operation eine standardmäßige Wundversorgung. Die andere Gruppe erhielt die Standardversorgung plus eine Injektion von mikrofragmentiertem autologem Fettgewebe (speziell aufbereitetes Fettgewebe aus dem eigenen Körper). Das Fett wurde während derselben Operation aus dem Bauch oder Oberschenkel entnommen und mit dem Lipogems®-System aufbereitet. Diese Technologie zerkleinert das Fettgewebe schonend, während seine natürlichen heilungsfördernden Bestandteile erhalten bleiben, darunter Perizyten (Helferzellen, die die Blutgefäßheilung unterstützen) und mesenchymale Stammzellen (regenerative Zellen).
Behandelte Patienten zeigten 80% Heilung gegenüber 46% bei Standardversorgung
Nach sechs Monaten zeigten die Ergebnisse einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Gruppen. In der Gruppe, die die Fettgewebe-Injektion erhielt, heilten 80% der Amputationswunden vollständig ab. In der Gruppe mit Standardversorgung heilten nur 46%. Das bedeutet, dass Patienten, die die regenerative Behandlung erhielten, eine fast doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Heilung hatten. Der Unterschied war statistisch signifikant, das heißt, es war sehr unwahrscheinlich, dass er allein durch Zufall zustande kam.
Keine behandlungsbedingten Nebenwirkungen oder Wundrezidive berichtet
Die Sicherheit war ein wichtiger Aspekt in dieser Studie. Die Forscher fanden keine unerwünschten Ereignisse im Zusammenhang mit der Fettgewebe-Injektion. Der Eingriff war in jedem Fall technisch erfolgreich. Besonders ermutigend war, dass keine der erfolgreich geheilten Wunden in der Behandlungsgruppe während des sechsmonatigen Nachbeobachtungszeitraums erneut aufbrach oder rezidivierte. Patienten in der Behandlungsgruppe zeigten auch eine verbesserte Hautqualität im Bereich ihrer Wunden. Das Schmerzniveau war in beiden Gruppen während der gesamten Studie vergleichbar.
Warum dies für Patienten mit diabetischem Fuß wichtig ist
Eine ausbleibende Heilung nach Minoramputation führt häufig zu einer Majoramputation. Eine Majoramputation beeinträchtigt die Lebensqualität dramatisch und birgt ernsthafte Gesundheitsrisiken. Studien zeigen Mortalitätsraten von 10 bis 50 Prozent innerhalb eines Jahres nach einer Majoramputation. Durch die Verbesserung der Heilungsraten nach kleineren Eingriffen könnte dieser Ansatz Patienten helfen, diese verheerenden Folgen zu vermeiden. Die Behandlung verwendet körpereigenes Gewebe, wodurch Bedenken hinsichtlich Abstoßung oder Krankheitsübertragung von Spendern entfallen.
Eine vielversprechende Option, die Sie mit Ihrem Arzt besprechen sollten
Diese randomisierte Studie liefert starke Evidenz dafür, dass die Injektion von mikrofragmentiertem Fettgewebe die Heilung nach diabetischen Minoramputationen am Fuß signifikant verbessern kann. Der Eingriff verlängert die bestehende Operation nur minimal, da das Fett während derselben Sitzung entnommen und aufbereitet wird. Das Lipogems®-System erfordert keine komplexe Laborverarbeitung oder Zellexpansion. Für Patienten, denen aufgrund diabetischer Komplikationen eine Minoramputation am Fuß bevorsteht, könnte diese Behandlungsoption bedeutsame Vorteile bieten. Fragen Sie Ihren behandelnden Arzt, ob dieser Ansatz für Ihre Situation geeignet sein könnte.
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Quelle: Lonardi et al., Journal of Clinical Medicine, 2019.
Originalpublikation
Autologous micro-fragmented adipose tissue for the treatment of diabetic foot minor amputations: a randomized controlled single-center clinical trial (MiFrAADiF)
Roberto Lonardi, Nicola Leone, Stefano Gennai, Giulia Trevisi Borsari, Tea Covic, Roberto Silingardi · Journal of Clinical Medicine · 2019
The diabetic foot ulcer (DFU) is one of the most prevalent complications of diabetes mellitus and often develops severe effects that can lead to amputation. A non-healing 'minor' amputation often precedes a major amputation resulting in a negative impact on the function and quality of life of the patients. Stem cell-based therapies have emerged as a promising option to improve healing, and the adipose tissue is an abundant and easy to access source. The injection of autologous micro-fragmented adipose tissue at the amputation stump of a diabetic population undergoing a lower limb minor amputation was evaluated and compared with the standard care. In this randomized controlled trial with two arms (parallel assignment) and no masking, 114 patients undergoing a lower limb minor amputation were randomized to standard of care or to micro-fragmented adipose tissue injection prepared using a minimal manipulation technique (Lipogems®) in a closed system. Clinical outcomes were determined monthly up to 6 months. Primary endpoint of the study was the evaluation of the healing rate and time after the minor amputation. Secondary endpoints included the assessment of safety, feasibility, technical success, relapse rate, skin tropism, and intensity of pain. At 6 months, 80% of the micro-fragmented adipose tissue-treated feet healed and 20% failed as compared with the control group where 46% healed and 54% failed (p=0.0064). No treatment-related adverse events nor relapses were documented, and technical success was achieved in all cases. The results suggest that the local injection of autologous micro-fragmented adipose tissue is a safe and valid therapeutic option able to improve healing rate following minor amputations of irreversible DFU.