Arthroskopische Knorpelreparatur am Sprunggelenk mit körpereigenem Fettgewebe
Riccardo D'Ambrosi, Cristian Indino, Camilla Maccario, Luigi Manzi, Federico Giuseppe Usuelli · Journal of Visualized Experiments · 2018
Ein minimalinvasiver Ansatz kombiniert Schlüssellochchirurgie mit regenerativen Zellen
Diese Studie beschreibt eine neue chirurgische Technik zur Behandlung von Knorpelschäden im Sprunggelenk. Forscher aus Italien entwickelten eine Methode, die arthroskopische (Schlüsselloch-)Chirurgie mit aufbereitetem Fettgewebe aus dem eigenen Körper des Patienten verbindet. Das Fettgewebe enthält spezielle regenerative Zellen, die bei der Heilung von geschädigtem Knorpel im Talus helfen können – dem Knochen, der Ihren Fuß mit dem Bein verbindet.
Fettgewebe bietet Tausende von Heilungszellen pro Gramm
Das körpereigene Fettgewebe ist eine reichhaltige Quelle für Stammzellen, die als adipöse Stammzellen (ADSCs) bezeichnet werden. Diese Zellen können sich in verschiedene Gewebetypen umwandeln, einschließlich Knorpel. Fett macht zehn bis dreißig Prozent des normalen Körpergewichts aus. Jedes Gramm enthält etwa 5.000 regenerative Zellen. Das macht Fett zu einer leicht zugänglichen und reichlich vorhandenen Quelle für Heilungsbehandlungen. Die Zellen verhalten sich ähnlich wie Stammzellen aus dem Knochenmark, sind jedoch viel einfacher zu gewinnen.
Die Gewebeaufbereitung dauert etwa 15-20 Minuten
Die Technik umfasst zwei Hauptschritte. Zunächst entnehmen die Ärzte Fett aus dem Bauchbereich durch kleine Einschnitte nahe dem Bauchnabel. Sie gewinnen etwa 40-45 Milliliter Fettgewebe mittels einer schonenden Absaugmethode. Das Fett durchläuft dann ein spezielles Aufbereitungssystem, das:
Das Gewebe filtert und wäscht
Fettansammlungen in kleinere Stücke zerkleinert
Öl und Blutverunreinigungen entfernt
Die Heilungszellen und ihre schützende Umgebung bewahrt
Diese Aufbereitung erfolgt in einem geschlossenen System ohne Chemikalien oder Enzyme. Das Ergebnis ist ein gereinigtes Produkt, das reich an Perizyten (Zellen, die die Blutgefäßheilung unterstützen) und Stammzellen ist.
Schlüssellochchirurgie bedeutet schnellere Erholung als offene Eingriffe
Der chirurgische Teil erfolgt mittels Arthroskopie – einer Technik, bei der Chirurgen durch kleine Einschnitte mit einer winzigen Kamera arbeiten. Dieser Ansatz bietet mehrere Vorteile gegenüber der traditionellen offenen Chirurgie:
Weniger Schädigung des umliegenden Weichgewebes
Bessere Sicht auf das Gelenk
Schnellere Erholungszeit
Geringere Narbenbildung
Während des Eingriffs identifizieren und präparieren die Chirurgen zunächst den geschädigten Knorpelbereich. Sie erzeugen kleine Löcher im Knochen, um die Heilung anzuregen. Anschließend injizieren sie in einer trockenen Umgebung das aufbereitete Fettgewebe direkt auf die Läsion.
Alle vier Patienten zeigten Verbesserungen ohne gemeldete Komplikationen
Zwischen Januar und September 2016 unterzogen sich vier Patienten dieser kombinierten Behandlung. Bei ihren Nachuntersuchungen nach sechs Monaten zeigten alle Patienten klinische Verbesserungen. Die Ärzte maßen den Fortschritt anhand von drei standardisierten Bewertungsinstrumenten:
AOFAS-Score (misst die Funktion von Sprunggelenk und Rückfuß)
VAS-Schmerzskala (bewertet Schmerzen auf einer Skala)
SF-12-Fragebogen (bewertet die allgemeine Lebensqualität)
Die Ergebnisse waren ermutigend. Die Patienten erlebten zuverlässige Schmerzlinderung und verbesserte Funktion. Während oder nach den Eingriffen traten keine Komplikationen auf.
Diese Technik richtet sich an aktive Patienten, die dauerhafte Linderung suchen
Osteochondrale Läsionen des Talus (OLT) betreffen typischerweise junge, aktive Menschen. Diese Verletzungen folgen oft auf Sprunggelenksverstauchungen und verursachen anhaltende Schmerzen, Schwellungen, Steifheit und Gelenkblockaden. Traditionelle Behandlungen konzentrieren sich entweder auf die Reparatur des geschädigten Gewebes oder dessen Ersatz durch Transplantate. Dieser regenerative Ansatz bietet eine dritte Option – die Nutzung der körpereigenen Heilungszellen zum Wiederaufbau des geschädigten Knorpels.
Die Studie bestätigt, dass die arthroskopische Behandlung in Kombination mit aufbereitetem Fettgewebe einen praktikablen Behandlungsweg darstellt. Die minimalinvasive Natur bedeutet weniger Beeinträchtigung des Alltags. Die Verwendung körpereigenen Gewebes eliminiert Bedenken hinsichtlich einer Abstoßungsreaktion. Obwohl es sich um eine kleine Fallserie handelte, unterstützen die positiven Ergebnisse weitere Forschung zu dieser vielversprechenden Technik bei Knorpelverletzungen des Sprunggelenks.
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Quelle: D'Ambrosi et al., Journal of Visualized Experiments, 2018.
Originalpublikation
Autologous Microfractured and Purified Adipose Tissue for Arthroscopic Management of Osteochondral Lesions of the Talus
Riccardo D'Ambrosi, Cristian Indino, Camilla Maccario, Luigi Manzi, Federico Giuseppe Usuelli · Journal of Visualized Experiments · 2018
In recent years, regenerative techniques have been increasingly studied and used to treat osteochondral lesions of the talus. In particular, several studies have focused their attention on mesenchymal stem cells derived from adipose tissue. Adipose-derived stem cells (ADSCs) exhibit morphological characteristics and properties similar to other mesenchymal cells, and are able to differentiate into several cellular lines. Moreover, these cells are also widely available in the subcutaneous tissue, representing 10 - 30% of the normal body weight, with a concentration of 5,000 cells per gram of tissue. In the presented technique, the first step involves harvesting ADSCs from the abdomen and a process of microfracture and purification; next, the surgical procedure is performed entirely arthroscopically, with less soft tissue dissection, better joint visualization, and a faster recovery compared with standard open procedures. Arthroscopy is characterized by a first phase in which the lesion is identified, isolated, and prepared with microperforations; the second step, performed dry, involves injection of adipose tissue at the level of the lesion. Between January 2016 and September 2016, four patients underwent arthroscopic treatment of osteochondral lesion of the talus with microfractured and purified adipose tissue. All patients reported clinical improvement six months after surgery with no reported complications. Functional scores at the latest follow-up are encouraging and confirm that the technique provides reliable pain relief and improvements in patients with osteochondral lesion of the talus.