Kiefergelenkstudie: Fettgewebeinjektion zeigt vielversprechende Ergebnisse bei Kiefergelenkschmerzen
Salvatore Sembronio, Alessandro Tel, Carlo Tremolada, Andrea Lazzarotto, Miriam Isola, Massimo Robiony · Journal of Oral and Maxillofacial Surgery · 2021
Randomisierte Studie vergleicht zwei Behandlungen bei Kiefergelenkerkrankungen
Diese italienische Studie untersuchte, ob die Injektion von aufbereitetem Fettgewebe in das Kiefergelenk bessere Ergebnisse erzielen kann als die derzeitige Standardbehandlung. Forscher der Universität Udine schlossen 40 Patienten mit Erkrankungen des Temporomandibulargelenks (TMG) in die Studie ein. Alle Teilnehmer hatten zuvor konservative Behandlungen wie Aufbissschienen, Schmerzmedikamente und Physiotherapie ohne Erfolg ausprobiert.
Die Patienten wurden randomisiert in zwei Gruppen zu je 20 Personen eingeteilt. Beide Gruppen erhielten eine Arthrozentese – ein Verfahren, bei dem das Kiefergelenk mit Kochsalzlösung gespült wird. Der Unterschied lag im anschließenden Behandlungsschritt: Eine Gruppe erhielt eine Standard-Hyaluronsäure-Injektion, während die andere Gruppe mikrofragmentiertes Fettgewebe (speziell aufbereitetes Fett aus dem eigenen Körper) mittels Lipogems®-Technologie erhielt.
Beide Behandlungen reduzierten Schmerzen und verbesserten die Kieferbeweglichkeit
Alle 40 Patienten zeigten nach der Behandlung bedeutsame Verbesserungen. Die Forscher erfassten zwei Hauptparameter: das Schmerzniveau und wie weit die Patienten den Mund öffnen konnten. Bei den Kontrolluntersuchungen 10 Tage, einen Monat und sechs Monate nach dem Eingriff zeigten beide Gruppen signifikante Fortschritte im Vergleich zum Ausgangszustand.
Dies bestätigt, dass die Arthrozentese selbst eine wirksame Behandlung bei interner Kiefergelenkstörung und Arthrose ist. Die Spülung hilft dabei, entzündungsfördernde Substanzen aus dem Gelenk zu entfernen und die schmerzverursachende Reibung zu reduzieren.
Fettgewebeinjektion zeigte überlegene Gesamterfolgsrate
Beim direkten Vergleich der beiden Gruppen wiesen die Patienten, die die Fettgewebeinjektion erhielten, eine statistisch signifikant höhere Erfolgsrate auf. Bei der Nachuntersuchung nach sechs Monaten:
Die Schmerzreduktion erreichte nahezu statistische Signifikanz (P = 0,0546)
Die Verbesserung der Mundöffnung war statistisch signifikant (P = 0,0327)
Der Gesamtbehandlungserfolg fiel zugunsten der Fettgewebegruppe aus (P = 0,018)
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die im mikrofragmentierten Fettgewebe erhaltenen regenerativen Zellen zusätzliche Heilungsvorteile bieten könnten, die über die Wirkung von Hyaluronsäure hinausgehen.
Minimalinvasives Verfahren mit körpereigenem Gewebe
Bei der Lipogems®-Technik wird eine kleine Menge Fettgewebe, typischerweise aus dem Bauchbereich, entnommen und anschließend durch ein spezielles Gerät aufbereitet. Dieser Prozess zerkleinert das Fett in winzige Fragmente, während die heilungsfördernden Zellen darin erhalten bleiben. Dazu gehören Perizyten (Helferzellen, die die Blutgefäßheilung unterstützen) und mesenchymale Stammzellen (regenerative Zellen, die die Gewebereparatur fördern können).
Da die Behandlung körpereigenes Gewebe verwendet, besteht kein Risiko einer Abstoßungsreaktion oder allergischen Reaktion. Der gesamte Eingriff kann ambulant unter Lokalanästhesie durchgeführt werden.
Erste Studie, die diesen Ansatz für Kiefergelenke untersucht
Während mikrofragmentiertes Fettgewebe bereits umfassend bei Knie- und Hüftproblemen erforscht wurde, stellt diese Studie die erste Anwendung speziell bei Kiefergelenkerkrankungen dar. Die Forscher betonen, dass die vielversprechenden Ergebnisse zu weiteren Untersuchungen dieser Behandlungsoption ermutigen.
Forscher fordern Studien mit längerer Nachbeobachtung
Die Studienautoren räumen einige Einschränkungen ein. Der sechsmonatige Nachbeobachtungszeitraum, obwohl ermutigend, erfasst möglicherweise nicht das vollständige Bild der Langzeitergebnisse. Sie empfehlen zukünftige Studien mit längeren Beobachtungszeiträumen, um zu bestätigen, ob die Verbesserungen über die Zeit stabil bleiben.
Zudem würde die Stichprobengröße von 40 Patienten, obwohl für diese Vorstudie ausreichend, von größeren Studien profitieren, um die Ergebnisse zu untermauern.
Für Patienten mit interner Kiefergelenkstörung oder Arthrose, die auf konservative Behandlungen nicht angesprochen haben, legt diese Forschung nahe, dass die Arthrozentese in Kombination mit einer Injektion von mikrofragmentiertem Fettgewebe bedeutsame Vorteile gegenüber der Standard-Hyaluronsäurebehandlung bieten könnte.
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Quelle: Sembronio et al., Journal of Oral and Maxillofacial Surgery, 2021.
Originalpublikation
Temporomandibular Joint Arthrocentesis and Microfragmented Adipose Tissue Injection for the Treatment of Internal Derangement and Osteoarthritis: A Randomized Clinical Trial
Salvatore Sembronio, Alessandro Tel, Carlo Tremolada, Andrea Lazzarotto, Miriam Isola, Massimo Robiony · Journal of Oral and Maxillofacial Surgery · 2021
This randomized clinical trial compared temporomandibular joint (TMJ) arthrocentesis with microfragmented adipose tissue injection versus standard hyaluronic acid injection for treating internal derangement and osteoarthritis. Forty patients were enrolled: 20 received standard treatment (arthrocentesis plus hyaluronic acid injection) and 20 received experimental treatment (arthrocentesis plus microfragmented adipose tissue obtained through Lipogems technology). Primary outcomes measured were pain (visual analog scale) and function (maximum interincisal opening) assessed preoperatively and at 10 days, 1 month, and 6 months postoperatively. Both groups showed significant improvement in pain reduction and mouth opening compared to preoperative status (P = .001). At 6-month follow-up, the experimental group demonstrated near-significant pain reduction (P = .0546) and significant improvement in mouth opening (P = .0327) compared to preoperative values. Overall statistical analysis revealed the experimental group had significantly superior success rates compared to the control group (P = .018). These preliminary results indicate that microfragmented adipose tissue injection can significantly improve pain and functional outcomes compared to standard treatment. However, longer follow-up studies are needed to evaluate clinical stability of these improvements and further validate this regenerative approach for TMJ disorders.