Fettgewebsbehandlung zeigt vielversprechende Ergebnisse bei der Knochenheilung im Mundbereich
R. Benzi, G. Marfia, M. Boseglab, G. Beltrami, A.S. Magri, S. Versari, C. Tremolada · CellR4 · 2015
Patientin mit Diabetes zeigt vollständige Knochenregeneration im Kiefer
Eine 45-jährige Frau mit Typ-1-Diabetes stand vor einer schwierigen Situation. Sie hatte einen Knochendefekt im Unterkiefer, verursacht durch eine frakturierte Zahnwurzel. Ihr Diabetes erschwerte die Heilung und erhöhte das Risiko für Komplikationen. Die Ärzte entschieden sich für eine Behandlung mit Lipogems® – einer Technik, die körpereigenes aufbereitetes Fettgewebe verwendet – in Kombination mit einem Knochenersatzmaterial. Dieser Ansatz wurde gewählt, weil er minimalinvasiv ist und das Komplikationsrisiko für Patienten mit Grunderkrankungen wie Diabetes senken kann.
Aufbereitetes Fett wird mit Knochenmaterial gemischt und füllt den Defekt
Die Behandlung umfasste zwei Hauptkomponenten, die zusammenwirkten. Zunächst entnahmen die Ärzte unter Lokalanästhesie eine kleine Menge Fett aus dem unteren Rückenbereich der Patientin. Dieses Fett wurde anschließend mit dem Lipogems®-System aufbereitet, das das Fett schonend in kleinste Cluster zerteilt und dabei die regenerativen Zellen im Inneren erhält. Die gesamte Aufbereitung dauert nur 15 bis 20 Minuten.
Das mikrofragmentierte Fett wurde dann mit Gen-Os gemischt, einem Knochenersatzmaterial aus Schweineknochen. Diese Kombination wurde durch einen kleinen Tunnel im Zahnfleisch in den Kieferdefekt eingebracht. Der Bereich wurde mit Nähten verschlossen, und die Patientin ging mit einer kurzen Antibiotikatherapie und Schmerzmitteln nach Hause.
Weichgewebe heilte schnell ohne Schwellung oder Infektion
Bereits sieben Tage nach der Operation zeigte die Patientin eine ausgezeichnete Weichgewebeheilung. Es gab keine Schwellung oder Anzeichen einer Infektion – Ergebnisse, die bei Patienten mit Diabetes schwer zu erreichen sein können. Am 15. Tag, als die Fäden gezogen wurden, sah das umliegende Gewebe gesund und gut durchblutet aus. Die Patientin berichtete nur über leichte Beschwerden an der Fettentnahmestelle am unteren Rücken, ohne Probleme im Kieferbereich.
Knochendichtemessungen zeigten stetige Verbesserung
Die Ärzte verfolgten die Knochenheilung der Patientin mittels CT-Aufnahmen und einer Messung namens Hounsfield-Skala, die die Knochendichte bewertet. Zwei Monate nach der Operation betrug die Knochendichte 850 auf dieser Skala. Nach drei Monaten war sie auf 980 gestiegen – ein Zeichen dafür, dass neuer Knochen gebildet wurde und mit der Zeit stabiler wurde. Diese Messungen zeigten, dass die Behandlung gut anschlug.
Zahnimplantat wurde nach drei Monaten erfolgreich eingesetzt
Drei Monate nach dem initialen Knochenaufbau war der regenerierte Knochen stark genug, um ein Zahnimplantat zu tragen. Die Ärzte setzten ein kleines Titanimplantat (2,6 Millimeter Durchmesser) in den neu gebildeten Knochen ein. Das Implantat wurde mit guter Stabilität verankert, und ein provisorischer Zahn wurde noch am selben Tag befestigt. Eine CT-Aufnahme drei Monate nach der Implantation zeigte eine vollständige Knochenregeneration um das Implantat herum.
Ein-Jahres-Nachuntersuchung bestätigt dauerhafte Ergebnisse
Die Patientin wurde ein, zwei, drei, sechs und zwölf Monate nach der Behandlung kontrolliert. Während dieses gesamten Zeitraums beobachteten die Ärzte eine frühe und intensive Knochenintegration – das bedeutet, dass der neue Knochen und das Implantat erfolgreich miteinander verwuchsen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Kombination von Lipogems® mit Knochenersatzmaterial die Heilung beschleunigen und die Ergebnisse bei dentalen Knochenaufbauverfahren verbessern kann.
Was dies für Patienten bedeutet, die eine Behandlung in Betracht ziehen
Dieser Fallbericht liefert ermutigende erste Hinweise darauf, dass Lipogems® bei der Knochenregeneration im Mundbereich helfen kann, insbesondere bei Patienten mit erhöhtem Komplikationsrisiko. Die Behandlung verwendet Ihr eigenes Fettgewebe, wodurch Bedenken hinsichtlich Abstoßung oder Krankheitsübertragung durch Spendermaterialien entfallen. Das Verfahren ist minimalinvasiv und kann unter Lokalanästhesie durchgeführt werden.
Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass diese Studie nur die Erfahrung einer einzelnen Patientin beschreibt. Obwohl die Ergebnisse vielversprechend sind, werden größere Studien mit mehr Patienten benötigt, um zu bestätigen, wie gut dieser Ansatz in verschiedenen Situationen funktioniert. Wenn Sie Knochendefekte im Mundbereich haben und sich für regenerative Behandlungsmöglichkeiten interessieren, besprechen Sie diese Forschungsergebnisse mit Ihrem Oralchirurgen oder Zahnarzt, um festzustellen, ob sie für Ihre spezifische Situation geeignet sein könnten.
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Quelle: Benzi et al., CellR4, 2015.
Originalpublikation
Microfractured Lipoaspirate May Help Oral Bone and Soft Tissue Regeneration: a Case Report
R. Benzi, G. Marfia, M. Boseglab, G. Beltrami, A.S. Magri, S. Versari, C. Tremolada · CellR4 · 2015
Background: Among most of the mesenchymal stem cells sources, adipose tissue represents an ideal source because of the easy access and the simple isolation procedures. We developed an innovative technique (Lipogems®) to obtain microfragmented fat tissue transfer. This adipose tissue houses intact stromal vascular niche and mesenchymal stem cells with high regenerative capacity. Objectives: Aim of this case report is to show a novel Lipogems® application in a difficult case of oral surgery. Materials and Methods: We treated a difficult patient with localized oral bone atrophy with Lipogems® micro fat grafting technique in combination with swine cortico-cancellous bone mix Gen-Os. The patient was followed-up for 12 months. Results: As in other surgical applications, we observed an excellent tissue healing and absence of inflammation and infection, and a significant subjective pain reduction within the grafted areas. The postoperative radiographic evaluation and the histological slides showed homogeneous redefinition of bone defects, and intensive osteointegration. Conclusion: This case report suggests that Lipogems® may improve the healing, osteointegration and stability of the implants in newly formed bone. More studies are required to confirm the efficacy of Lipogems® in oral surgery on larger scale.