Erster dokumentierter Fall: Fettgewebetherapie heilt hartnäckiges Prothesengeschwür
Coperland · Regenerative Therapy · 2021
Drei Jahre nicht heilende Wunde schließt sich nach einmaliger Behandlung
Das Leben mit einer Prothese bringt besondere Herausforderungen für die Haut mit sich. Etwa 75 Prozent der Menschen, die Beinprothesen tragen, haben Hautprobleme. Der ständige Druck, die Reibung und die Feuchtigkeit im Prothesenschaft können Wunden verursachen, die einfach nicht heilen wollen. Dieser Fallbericht beschreibt einen vielversprechenden neuen Ansatz, bei dem körpereigenes Fettgewebe verwendet wird, um diese schwierigen Wunden endlich zum Verschluss zu bringen.
Patient versuchte drei Jahre lang alles ohne Erfolg
Ein 56-jähriger Mann lebte seit seiner Kindheit mit einer Unterschenkelamputation. Nach Jahren erfolgreicher Prothesennutzung entwickelte sich eine Wunde auf der druckbelasteten Fläche nahe seiner Kniescheibe. Trotz dreijähriger Standardbehandlungen wollte die Wunde nicht heilen. Seine Ärzte versuchten verschiedene Ansätze: Tragen der Prothese für jeweils vier bis sechs Wochen aussetzen, Anpassung der Schaftpassform, Verwendung spezieller Silikonliner und sogar biotechnologisch hergestellte Hauttransplantate. Nichts half dauerhaft.
Die Wunde verursachte erhebliche Schmerzen, wann immer er seine Prothese trug. Dies schränkte seine Fähigkeit zu gehen, Sport zu treiben und sein normales aktives Leben zu führen erheblich ein. Das Tragen der Prothese zu unterbrechen – die häufigste Empfehlung – bedeutete den Verlust seiner Unabhängigkeit und Mobilität.
Einmalige Injektion von aufbereitetem Fettgewebe bietet neue Hoffnung
Anstatt sich einer chirurgischen Hauttransplantation zu unterziehen, entschied sich der Patient für eine Therapie mit mikrofragmentiertem Fettgewebe (MFAT). Diese Behandlung verwendet speziell aufbereitetes Fett aus dem eigenen Körper. Die Ärzte entnahmen eine kleine Menge Fett aus seinem oberen Gesäßbereich. Anschließend wurde es mit einem Lipogems-Kit aufbereitet, das das Fett schonend zerkleinert und dabei seine natürliche regenerative Struktur erhält.
Das aufbereitete Fettgewebe wurde an vier Stellen unter die Wunde injiziert. Jede Stelle erhielt etwa zwei Milliliter, insgesamt also acht Milliliter. Der gesamte Eingriff war minimalinvasiv – keine große Operation erforderlich.
Vollständige Schmerzfreiheit und sichtbare Heilung innerhalb von vier Wochen
Die Ergebnisse waren bemerkenswert. Bei seinem Kontrolltermin nach vier Wochen berichtete der Patient:
Keine Schmerzen an der zuvor hartnäckigen Wundstelle
Deutliche Verkleinerung der Wunde mit sichtbarer Neubildung von Haut
Rückkehr zur uneingeschränkten Prothesennutzung
Wiederaufnahme normaler körperlicher Aktivitäten einschließlich Sport
Nach drei Jahren erfolgloser Behandlungen half eine einzige Injektion seinem Körper, die Wunde endlich zu heilen.
Warum Fettgewebe bei chronischen Wunden helfen kann
Chronische Wunden bleiben oft in der Entzündungsphase der Heilung stecken. Sie können nicht zum Aufbau von neuem Gewebe übergehen. Fettgewebe enthält spezielle regenerative Zellen, sogenannte mesenchymale Stammzellen (MSCs). Diese Zellen setzen Substanzen frei, die:
Schädliche Entzündungen reduzieren
Möglicherweise vorhandene Bakterien bekämpfen
Das Wachstum neuer Blutgefäße fördern
Die Bildung von gesundem neuem Gewebe unterstützen
Durch die Injektion von aufbereitetem Fettgewebe unter die Wunde schaffen die Ärzte ein Milieu, in dem Heilung endlich stattfinden kann.
Wichtige Hinweise für Patienten mit ähnlichen Wunden
Dieser Bericht stellt den ersten dokumentierten Fall einer MFAT-Behandlung bei einem prothesenbedingten Unterschenkelgeschwür dar. Obwohl die Ergebnisse ermutigend sind, handelte es sich um einen einzelnen Patienten. Die Autoren weisen darauf hin, dass dieser Patient relativ aktiv war und seine ursprüngliche Amputation auf eine Infektion zurückging und nicht auf Durchblutungsstörungen.
Patienten, deren Amputationen durch Diabetes oder Gefäßerkrankungen bedingt waren, könnten anders reagieren. Weitere Forschung mit größeren Patientengruppen ist erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen.
Eine mögliche Option, wenn Standardbehandlungen versagen
Für Amputierte, die mit chronischen Wunden kämpfen, die auf herkömmliche Behandlungen nicht ansprechen, deutet dieser Fall darauf hin, dass MFAT eine sichere, minimalinvasive Alternative bieten könnte. Die Behandlung verwendet körpereigenes Gewebe und vermeidet so Abstoßungsrisiken. Die Anweisungen zur Nachsorge waren einfach: entzündungshemmende Medikamente meiden, den Bereich zwei Wochen lang trocken halten und die Aktivität für vier Tage einschränken.
Wenn Sie eine prothesenbedingte Wunde haben, die trotz monatelanger oder jahrelanger Behandlung nicht geheilt ist, fragen Sie Ihren Arzt, ob regenerative Therapien wie MFAT für Ihre Situation geeignet sein könnten.
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Quelle: Coperland et al., Regenerative Therapy, 2021.
Originalpublikation
Chronic prosthesis-related residual limb ulcer treated with autologous micro-fragmented adipose tissue
Coperland · Regenerative Therapy · 2021
A 56-year-old male with a left below-knee amputation and left total knee replacement presented with a chronic stage 2 prosthesis-related residual limb ulcer at the anterior patella weight-bearing surface that had failed to heal despite three years of conservative management, including offloading and wound clinic follow-up. To promote healing, the patient was treated with autologous micro-fragmented adipose tissue (MFAT) therapy. Adipose tissue was harvested from the bilateral upper buttocks and processed using a Lipogems kit. Eight milliliters of minimally manipulated adipose tissue was injected subcutaneously underneath the ulcer in a square pattern using an 18-gauge needle. At four-week follow-up, the patient's pain had completely resolved, the wound was significantly reduced in size with new skin appearing, and he had returned to using his prosthesis and resuming usual physical activities without restrictions. This case demonstrates that autologous micro-fragmented adipose tissue may represent a feasible and safe treatment option for chronic prosthesis-related residual limb ulcers. The therapeutic mechanism likely involves mesenchymal stem cells within the adipose tissue secreting cytokines and growth factors that provide analgesic, anti-inflammatory, antibacterial, and reparative properties. To the authors' knowledge, this represents the first reported case using micro-fragmented adipose therapy for treating a chronic prosthesis-related residual limb ulcer.