Heilung eines vollständigen Rotatorenmanschettenrisses ohne Operation

John L Ferrell, Alanna Dodson, Joshua Martin · Future Medicine · 2023

70-jährige Patientin vermeidet Operation bei komplettem Sehnenriss

Eine Frau in ihren Siebzigern litt seit acht Monaten unter Schulterschmerzen und Kraftlosigkeit. Die Schmerzen erreichten auf der Skala bis zu zehn von zehn Punkten und schränkten ihre täglichen Aktivitäten erheblich ein. Physiotherapie, Schonung und entzündungshemmende Medikamente hatten keine Besserung gebracht. Eine MRT-Untersuchung zeigte einen vollständigen Riss ihrer Supraspinatussehne – einem der vier Muskeln, die die Rotatorenmanschette bilden. Diese Art von Riss erstreckt sich komplett durch die Sehne, was traditionell entweder eine Operation oder das Leben mit anhaltenden Schmerzen erfordert.

Patientin entscheidet sich für Lipogems® statt herkömmlicher Optionen

Nach Durchsicht ihrer Bildgebungsergebnisse und Besprechung aller Behandlungsmöglichkeiten entschied sich die Patientin gegen eine Operation. Sie wählte das Lipogems®-Verfahren, bei dem mikrofragmentiertes Fettgewebe (speziell aufbereitetes Fett) aus ihrem eigenen Körper verwendet wird. Fettgewebe enthält mesenchymale Stammzellen – regenerative Zellen, die den natürlichen Heilungsprozess des Körpers unterstützen können. Die dickflüssige Konsistenz des aufbereiteten Fetts hilft zudem, dass es im Rissbereich an Ort und Stelle bleibt und als Gerüst für die Gewebereparatur dient.

Minimalinvasives Verfahren behandelt mehrere Strukturen gezielt

Die Behandlung erfolgte in einer einzigen Sitzung:

  • Fett wurde aus dem Hüftbereich der Patientin mittels einer schonenden Niederdrucktechnik entnommen

  • Das Gewebe wurde aufbereitet, um entzündungsfördernde Öle zu entfernen und gleichzeitig Stammzellen sowie unterstützende Strukturen zu erhalten

  • Unter Ultraschallkontrolle injizierten die Ärzte das aufbereitete Fett direkt in die gerissene Supraspinatussehne

  • Zusätzliche Injektionen behandelten weitere Schulterprobleme, darunter eine Bizepssehnenentzündung und einen Teilriss eines anderen Rotatorenmanschettenmuskels

Ultraschall zeigt fortschreitende Sehnenheilung

Die Nachuntersuchungen mittels Bildgebung dokumentierten eine allmähliche Besserung der gerissenen Sehne im Zeitverlauf. Ultraschalluntersuchungen zeigten, dass das Fettgewebe exakt dort verblieb, wo es injiziert wurde, und die Lücke im Riss ausfüllte. Die Patientin erlebte eine deutliche Schmerzreduktion und Verbesserung der Schulterfunktion. Sowohl Ultraschall als auch MRT bestätigten die fortschreitende Heilung der Supraspinatussehne nach dem Eingriff.

Fallbericht unterstützt nicht-operative Option bei schweren Rissen

Dieser Fall ist bedeutsam, weil vollständige Rotatorenmanschettenrisse historisch nur begrenzte Wahlmöglichkeiten boten. Eine operative Reparatur birgt Risiken, und Studien zeigen Re-Ruptur-Raten von etwa zehn bis neunzig Prozent nach einer Operation. Ältere Patienten und solche mit größeren Rissen haben ein höheres Risiko für erneute Risse. Das Lipogems®-Verfahren bietet mehrere potenzielle Vorteile:

  • Verwendet körpereigenes Gewebe und eliminiert so das Abstoßungsrisiko

  • Minimalinvasiv ohne chirurgische Schnitte

  • Stammzellen unterstützen die natürliche Geweberegeneration

  • Die Fettmatrix bietet Struktur während des Heilungsprozesses

Was dies für Ihre Behandlungsentscheidung bedeutet

Dieser veröffentlichte Fallbericht zeigt, dass mikrofragmentiertes Fettgewebe auch komplette Rotatorenmanschettenrisse erfolgreich behandeln kann – nicht nur Teilrisse. Die 70-jährige Patientin erreichte eine dokumentierte Schmerzlinderung und funktionelle Verbesserung, wobei die Bildgebung die Sehnenheilung bestätigte. Obwohl dies die Erfahrung einer einzelnen Patientin darstellt und keine große klinische Studie, ergänzt es die wachsende Evidenz, die Lipogems® bei schweren muskuloskelettalen Verletzungen unterstützt.

Wenn Sie einen vollständigen Rotatorenmanschettenriss haben, legt dieser Fall nahe, dass ein nicht-operativer regenerativer Ansatz eine Besprechung mit Ihrem Arzt wert sein könnte. Das Verfahren kann besonders relevant sein, wenn Sie eine Operation vermeiden möchten, Erkrankungen haben, die das Operationsrisiko erhöhen, oder zunächst eine weniger invasive Option ausprobieren möchten.

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Quelle: Ferrell et al., Future Medicine, 2023.

Originalpublikation

Microfragmented adipose tissue in the treatment of a full-thickness supraspinatus tear: a case report

John L Ferrell, Alanna Dodson, Joshua Martin · Future Medicine · 2023

A 70-year-old female presented with an 8-month history of right anterior shoulder pain and weakness, unresolved with conservative management including physical therapy, activity modifications, and NSAIDs. Physical examination revealed significant weakness and limited range of motion. Diagnostic imaging, including ultrasound and MRI, confirmed a full-thickness supraspinatus tear (1.0 × 0.8 cm) along with additional shoulder pathology including biceps tenosynovitis, subscapularis tendinosis, and partial-thickness infraspinatus tear. The patient elected to undergo microfragmented adipose tissue (MFAT) procedure as a nonsurgical alternative to traditional surgical repair. Autologous adipose tissue was harvested from the hips, mechanically processed to isolate mesenchymal stem cells while maintaining structural integrity, and injected under ultrasound guidance into the rotator cuff tear and adjacent injured structures. Follow-up evaluation demonstrated progressive improvements in pain and function, with serial ultrasound and MRI documenting healing of the supraspinatus tendon. This case demonstrates the potential efficacy of MFAT as a minimally invasive treatment option for non-retracted, full-thickness rotator cuff tears. The procedure leverages the regenerative capabilities of adipose-derived mesenchymal stem cells, their trophic signaling properties, and the structural matrix provided by processed adipose tissue to facilitate tendon repair, offering a viable alternative for patients seeking to avoid or delay surgical intervention.

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