Autologes mikrofragmentiertes Fettgewebe in Kombination mit Arthroskopie bei Kniearthrose

Andrea Giorgini, Filippo Selleri, Francesco Zambianchi, Giacomo Cataldo, Elena Francioni, Fabio Catani · BMC Musculoskeletal Disorders · 2022

Acht von zehn Patienten zeigten nach zwei Jahren eine bedeutsame Verbesserung

Diese italienische Studie begleitete 49 Patienten (50 Knie) mit mittelschwerer bis schwerer Kniearthrose. Allen Patienten war zuvor eine Knieprothese empfohlen worden, doch sie entschieden sich für einen anderen Behandlungsansatz. Sie erhielten eine einmalige Injektion ihres eigenen aufbereiteten Fettgewebes (sogenanntes mikrofragmentiertes Fettgewebe oder MFAT) zusammen mit einer Kniearthroskopie. Die Ergebnisse zeigten, dass 80 % der Patienten eine bedeutsame Schmerzlinderung und verbesserte Funktion erreichten, die mindestens zwei Jahre anhielt.

Kombinationsansatz behandelt sowohl Symptome als auch Gelenkschäden

Die Behandlung kombinierte zwei Verfahren, die während derselben Operation durchgeführt wurden. Zunächst führten die Chirurgen eine Arthroskopie durch, um geschädigtes Gewebe im Kniegelenk zu behandeln. Dies umfasste eine Gelenkspülung, das Glätten rauer Knorpeloberflächen und die Behandlung von eingerissenem Meniskusgewebe. In acht Fällen führten die Chirurgen zusätzlich eine Mikrofrakturierung durch, um die Heilung in Bereichen mit schwerem Knorpelverlust anzuregen. Nach diesen Maßnahmen wurden etwa sieben Milliliter aufbereitetes Fettgewebe direkt in das Gelenk injiziert.

Das Fettgewebe wurde aus dem Bauchbereich jedes Patienten entnommen. Anschließend wurde es mit einem mechanischen Verfahren aufbereitet, das die natürlichen heilungsfördernden Bestandteile erhält. Dazu gehören Perizyten (Zellen, die die Blutgefäßgesundheit unterstützen) und mesenchymale Stammzellen (regenerative Zellen, die natürlicherweise im Fettgewebe vorkommen).

Die meisten Patienten konnten eine Knieprothese vermeiden

  • Nur vier von 50 Knien (8 %) benötigten schließlich eine Knietotalendoprothese

  • Die verbleibenden 92 % der Patienten behielten nach zwei Jahren ihr natürliches Knie

  • Während der gesamten Studie traten keine schwerwiegenden Komplikationen oder ernsthaften Nebenwirkungen auf

Dies ist besonders bemerkenswert, da allen Patienten in dieser Studie bereits eine Knieprothese empfohlen worden war. Der Schweregrad ihrer Arthrose wurde durch Röntgenaufnahmen bestätigt, die einen Kellgren-Lawrence-Grad III oder IV zeigten. Dies ist das am weitesten fortgeschrittene Stadium der Arthrose, das typischerweise durch erheblichen Knorpelverlust und Knochen-auf-Knochen-Kontakt gekennzeichnet ist.

Patientenberichtete Scores zeigten erhebliche Verbesserungen

Die Forscher erfassten die Ergebnisse mit zwei etablierten Fragebögen. Der KOOS (Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score) bewertet Schmerz, Symptome, Alltagsaktivitäten, Sportfunktion und Lebensqualität. Der IKDC-Score (International Knee Documentation Committee) liefert eine Gesamtbewertung der Kniefunktion.

Ein Jahr nach der Behandlung:

  • 84 % der Patienten erreichten eine bedeutsame Verbesserung beim KOOS-Score

  • 74 % erreichten eine bedeutsame Verbesserung beim IKDC-Score

Zwei Jahre nach der Behandlung:

  • 80 % behielten eine bedeutsame Verbesserung beim KOOS-Score bei

  • 76 % behielten eine bedeutsame Verbesserung beim IKDC-Score bei

Schweregrad der Knorpelschäden beeinflusste die Ergebnisse

Die Studie ergab, dass Patienten mit weniger schweren Knorpelschäden bessere Ergebnisse erzielten. Patienten mit dem am weitesten fortgeschrittenen Knorpelverlust (Outerbridge-Grad-IV-Läsionen) zeigten nach zwei Jahren statistisch niedrigere Scores im Vergleich zu Patienten mit geringeren Schäden. Dies deutet darauf hin, dass die Behandlung am besten wirkt, wenn noch Knorpel im Gelenk vorhanden ist.

Das Patientenalter und die Komplexität des arthroskopischen Eingriffs beeinflussten die Ergebnisse nicht signifikant. Das bedeutet, dass auch ältere Patienten und solche, die eine umfangreichere Gelenksanierung benötigten, von der Behandlung profitierten.

Was dies für Patienten bedeutet, die eine Behandlung erwägen

Diese Studie erweitert die Evidenz, die den Einsatz von aufbereitetem Fettgewebe bei Kniearthrose unterstützt. Die Kombination aus Arthroskopie und MFAT-Injektion erscheint sicher und wirksam für Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Arthrose, die eine Knieprothese hinauszögern oder vermeiden möchten.

Wichtige Überlegungen umfassen:

  • Studieneinschränkungen: Dies war eine retrospektive Studie ohne Vergleichsgruppe. Die Forscher werteten vergangene Aufzeichnungen aus, anstatt Patienten prospektiv zu begleiten.

  • Patientenauswahl: Alle Teilnehmer hatten eine Knieprothese abgelehnt, was auf eine höhere Motivation für alternative Behandlungen hindeuten könnte.

  • Beste Kandidaten: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Patienten mit noch vorhandenem Restknorpel am meisten von diesem Ansatz profitieren könnten.

Die Behandlung bietet eine minimalinvasive Option, die die körpereigenen Heilungsressourcen nutzt. Für Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Kniearthrose kann dieser Ansatz eine bedeutsame Linderung bieten und gleichzeitig das natürliche Gelenk erhalten.

Quelle: Giorgini et al., BMC Musculoskeletal Disorders, 2022.

Originalpublikation

Autologous micro-fragmented adipose tissue associated with arthroscopy in moderate-severe knee osteoarthritis: outcome at two year follow-up

Andrea Giorgini, Filippo Selleri, Francesco Zambianchi, Giacomo Cataldo, Elena Francioni, Fabio Catani · BMC Musculoskeletal Disorders · 2022

This retrospective, single-center study evaluated the efficacy and safety of a single injection of autologous micro-fragmented adipose tissue (aMFAT) combined with arthroscopy for symptomatic knee osteoarthritis. Fifty knees in 49 patients with radiographic Kellgren-Lawrence grade III-IV OA were treated between December 2015 and February 2018. All patients had previously been indicated for knee replacement but refused the procedure. Adipose tissue was harvested from the abdomen, mechanically processed using the Lipogems system, and injected following arthroscopic procedures including cartilage debridement, meniscal regularization or selective meniscectomy, and micro-drilling when indicated. Primary outcomes were Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score (KOOS) and subjective International Knee Documentation Committee (IKDC) score assessed at one and two years post-operatively. Four patients (8%) underwent knee replacement during follow-up, with no major adverse events reported. Minimal Clinically Important Difference for KOOS and IKDC was achieved by 84% and 74% of patients at one year, and 80% and 76% at two years, respectively. High-grade chondral lesions negatively affected outcomes at two years (p<0.05). The combination of aMFAT injection with arthroscopy proved safe and effective for treating moderate-severe knee OA, demonstrating substantial improvement in patient-reported outcomes without major complications.

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