Patient mit Schmerzen im unteren Rücken zeigt deutliche Verbesserung nach kombinierter Behandlung

P. Grossi, S. Giarratana, S. Cernei, S. Grossi, F.M. Doniselli · 2016

Bandscheibenprobleme betreffen die meisten Erwachsenen irgendwann im Leben

Schmerzen im unteren Rücken gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in westlichen Ländern. Studien zeigen, dass 60 bis 80 Prozent aller Erwachsenen im Laufe ihres Lebens davon betroffen sind. Sie sind auch die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit bei Menschen unter 45 Jahren. Dies stellt eine erhebliche Belastung sowohl für die Betroffenen als auch für das Gesundheitssystem dar.

Die Grundursache liegt häufig in einer Degeneration der Bandscheibe. Das ist die kissenartige Struktur zwischen Ihren Wirbelkörpern. Wenn die Bandscheibe gesunde Zellen verliert, kann sie schrumpfen, austrocknen und Schmerzen verursachen. Herkömmliche Behandlungen wie Physiotherapie oder Operation können die Symptome lindern. Allerdings können sie den Schaden nicht reparieren oder das Fortschreiten der Degeneration aufhalten.

Neuer Ansatz kombiniert Bandscheiben-Dekompression mit Fettzellen

Forscher in Italien testeten einen neuen Behandlungsansatz an einem 43-jährigen Mann. Er litt unter schweren chronischen Schmerzen im unteren Rücken aufgrund einer degenerierenden Bandscheibe auf Höhe L3-L4 seiner Wirbelsäule. Sein MRT zeigte eine ausgetrocknete Bandscheibe mit reduzierter Größe und Höhe. Tägliche Schmerzmedikamente brachten kaum Linderung. Einfache Tätigkeiten wie das Binden seiner Schuhe waren schwierig geworden.

Die Behandlung kombinierte zwei Eingriffe unter Lokalanästhesie. Zunächst führten die Ärzte eine Nukleoplastie durch. Dabei wird eine kleine Menge Bandscheibengewebe entfernt, um den Druck im Inneren der Bandscheibe zu reduzieren. Zusätzlich verwendeten sie Radiofrequenzwärme zur Behandlung der schmerzleitenden Nervenfasern. Anschließend injizierten sie Lipogems® in den behandelten Bereich. Dabei handelt es sich um mikrofragmentiertes Fettgewebe, das dem eigenen Körper des Patienten entnommen wurde.

Der Eingriff dauert weniger als eine Stunde bei minimaler Invasivität

Die gesamte Behandlung dauerte etwa 45 Minuten. Die Ärzte entnahmen 40 cc Fettgewebe durch kleine Schnitte mittels einer stumpfen Kanüle. Sie verarbeiteten das Fett mit dem Lipogems®-System. Dieses geschlossene Gerät zerkleinert das Fett schonend in kleinere Cluster – ohne Chemikalien oder Enzyme. Der Prozess dauert nur 15 bis 20 Minuten.

Das aufbereitete Gewebe wurde dann in den durch die Nukleoplastie geschaffenen Raum injiziert. Da die Behandlung Ihr eigenes Gewebe verwendet, besteht kein Abstoßungsrisiko. Der Patient blieb während des gesamten Eingriffs bei leichter Sedierung wach.

Deutlicher Schmerzrückgang direkt nach der Behandlung

Der Patient bemerkte unmittelbar nach der Injektion Verbesserungen:

  • Die Schmerzen nahmen in den Stunden nach der Behandlung deutlich ab

  • Kribbelgefühle in seinem linken Bein verschwanden

  • Diese Verbesserungen zeigten sich noch vor dem Verlassen der medizinischen Einrichtung

Diese schnelle Reaktion deutet darauf hin, dass der Eingriff den Druck auf die Nerven erfolgreich reduziert hat. Die Kombination aus Entfernung von Bandscheibengewebe und Behandlung der Schmerzfasern trug wahrscheinlich zur sofortigen Linderung bei.

Sechs-Monats-Ergebnisse zeigen Halbierung der Beeinträchtigung

Die Ärzte erfassten die Beeinträchtigung des Patienten mittels eines standardisierten Fragebogens namens ODI (Oswestry Disability Index). Dieses weit verbreitete Instrument bewertet, wie stark Rückenschmerzen alltägliche Aktivitäten beeinflussen:

  • Vor der Behandlung: 46 Prozent Beeinträchtigung, eingestuft als „schwer"

  • Sechs Monate später: 24 Prozent Beeinträchtigung, eingestuft als „minimal"

Dies stellt eine bedeutsame Verbesserung der Lebensqualität des Patienten dar. Aktivitäten, die einst schwierig waren, wurden wieder bewältigbar.

MRT zeigt physische Veränderungen in der behandelten Bandscheibe

Besonders ermutigend: Das MRT nach sechs Monaten zeigte tatsächliche physische Verbesserungen der Bandscheibe. Die Aufnahmen zeigten:

  • Erfolgreiche Dekompression der behandelten Bandscheibe

  • Erhöhte Signalintensität im Bandscheibenzentrum in den T2-Sequenzen

Die erhöhte Signalintensität deutet auf eine verbesserte Hydratation der Bandscheibe hin. Eine gesündere Bandscheibe enthält mehr Wasser und erscheint in bestimmten MRT-Sequenzen heller. Dieser Befund weist darauf hin, dass die Behandlung möglicherweise eine tatsächliche Gewebeheilung unterstützt hat – nicht nur eine Symptomlinderung.

Was das für Ihre Behandlungsentscheidung bedeutet

Dieser Fallbericht stellt nur einen einzelnen Patienten dar. Die Autoren weisen darauf hin, dass er Teil einer größeren laufenden Studie ist. Obwohl die Ergebnisse ermutigend sind, ist weitere Forschung mit mehr Patienten erforderlich, um diese Befunde zu bestätigen.

Dennoch zeigt der kombinierte Ansatz vielversprechende Ergebnisse. Herkömmliche Behandlungen konzentrieren sich ausschließlich auf die Linderung von Symptomen. Diese Methode zielt darauf ab, sowohl die Bandscheibe zu entlasten als auch potenziell die Gewebeheilung zu unterstützen. Die Verwendung Ihres eigenen Fettgewebes bedeutet kein Abstoßungsrisiko und keine komplexen regulatorischen Bedenken.

Wenn Sie unter chronischen Schmerzen im unteren Rücken aufgrund von Bandscheibendegeneration leiden, die auf andere Behandlungen nicht gut angesprochen haben, könnte dieser Ansatz ein Gespräch mit Ihrem Arzt wert sein. Fragen Sie nach Ihrer spezifischen Erkrankung und ob Sie möglicherweise ein Kandidat für diese Art der regenerativen Behandlung sein könnten.

Quelle: Grossi et al., None, 2016.

Originalpublikation

Low back pain treated with disc decompression and autologous micro­fragmented adipose tissue: a case report

P. Grossi, S. Giarratana, S. Cernei, S. Grossi, F.M. Doniselli · 2016

Pathologies affecting the vertebral disk are extremely common in western industrialized countries. Although the causes can be multiple, it has been demonstrated that this disorder is associated with a degeneration of the intervertebral disk. Current therapies are focused on the relief of the symptoms but cannot repair the damage nor stop the degenerative process. Recently, new strategies for the regeneration of the intervertebral disk, such as the use of mesenchymal stem cells, have been identified. This case report evaluates the efficacy and potential benefits of using autologous, micro-fragmented and minimally manipulated adipose tissue graft (Lipogems®) associated with nucleoplasty for disk decompression in a 43-year-old male patient suffering from recurrent low back pain due to L3-L4 intervertebral disk degeneration. Micro-fragmented adipose tissue was obtained using a minimal manipulation technique in a closed system without enzymes or additives. Under radioscopic control, a minimal part of the nucleus pulposus was emptied to reduce compression, heat ablation of terminal nerve fibers was performed with radiofrequency, and autologous micro-fragmented adipose tissue was injected into the cavity. The patient reported significant pain decrease and disappearance of paresthesia post-injection. The ODI score decreased from 46% to 24% at 6 months (from 'severe' to 'minimal' disability). MRI at 6 months revealed disk decompression and increased signal intensity in T2 sequences at the nucleus pulposus level, demonstrating the efficacy and potential benefits of this minimally invasive combined approach.

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