Fettgewebeinjektion zeigt vielversprechende Ergebnisse bei Stuhlinkontinenz

Giovanni Cestaro, Michele De Rosa, Salvatore Massa, Bruno Amato, Maurizio Gentile · Videosurgery and Other Miniinvasive Techniques · 2015

Stuhlinkontinenz – die Unfähigkeit, den Stuhlgang zu kontrollieren – kann äußerst belastend sein und zu sozialer Isolation führen. Diese kleine Studie untersuchte, ob die Injektion von aufbereitetem Fettgewebe aus dem eigenen Körper dazu beitragen kann, die für die Darmkontrolle verantwortlichen Schließmuskeln zu stärken.

Drei Frauen nach erfolglosen Vorbehandlungen therapiert

Forscherinnen und Forscher in Italien behandelten drei Frauen im Alter von 59 bis 73 Jahren, die seit Jahren unter Stuhlinkontinenz litten. Alle drei hatten bereits andere Behandlungen ohne Erfolg durchlaufen. Eine Patientin war wegen eines Rektumprolaps operiert worden, eine weitere hatte sich zuvor einer Schließmuskelrekonstruktion unterzogen, und die dritte litt sowohl unter Stuhl- als auch unter Harninkontinenz. Bei allen Patientinnen zeigten bildgebende Verfahren und Druckmessungen vor der Behandlung Anzeichen eines geschwächten inneren Analsphinkters.

Ambulanter Eingriff unter Lokalanästhesie

Die Behandlung wurde ambulant durchgeführt, sodass die Patientinnen noch am selben Tag nach Hause gehen konnten. Unter Lokalanästhesie führte der Chirurg folgende Schritte durch:

  • Entnahme von etwa 150 Millilitern Fettgewebe aus dem Unterbauch mittels einer kleinen Spritze

  • Aufbereitung des Fettgewebes mit dem Lipogems-System, das es schonend in kleine Gewebecluster zerteilt und dabei Blut und Öl auswäscht

  • Injektion des aufbereiteten Fettgewebes in den Bereich um die Analsphinktermuskulatur

Die gesamte Fettentnahme dauerte weniger als fünf Minuten. Die Lipogems-Technologie bewahrt die natürlichen regenerativen Zellen im Fettgewebe – darunter Perizyten (Zellen, die die Gefäßgesundheit unterstützen) und mesenchymale Stammzellen (regenerative Zellen) – ohne den Einsatz von Enzymen oder aggressiven Chemikalien.

Verbesserung der Darmkontrolle innerhalb eines Monats

Alle drei Patientinnen zeigten eine messbare Verbesserung ihrer Inkontinenzsymptome. Die Forschenden verfolgten den Verlauf anhand des Wexner-Scores, eines Standardmaßes, bei dem höhere Werte auf schwerere Symptome hinweisen. Bei jeder Patientin sank der Score innerhalb eines Monats und verbesserte sich bis zum sechsten Monat weiter. Die Patientinnen berichteten am Ende des Studienzeitraums über eine deutlich verbesserte Lebensqualität.

Nachweisbare physische Veränderungen des Schließmuskels

Über die Symptomverbesserung hinaus bestätigten objektive Messungen eine tatsächliche körperliche Wirkung der Behandlung. Nach sechs Monaten zeigten die Untersuchungen:

  • Erhöhten Ruhedruck im Analsphinkter (um mindestens 10 Millimeter Quecksilbersäule)

  • Zunahme der Dicke des inneren Analsphinkters in der Ultraschalluntersuchung

Diese Befunde deuten darauf hin, dass das injizierte Fettgewebe möglicherweise zum Wiederaufbau oder zur Stärkung der für die Kontinenz verantwortlichen Muskelstruktur beigetragen hat.

Wichtige Einschränkungen

Es handelte sich um eine vorläufige Studie mit nur drei Patientinnen und einem Nachbeobachtungszeitraum von lediglich sechs Monaten. Obwohl die Ergebnisse ermutigend sind, stellen sie eine sehr frühe Evidenz dar. Die Forschenden selbst wiesen darauf hin, dass größere, multizentrische Studien mit längeren Nachbeobachtungszeiträumen erforderlich sind, bevor diese Technik als validierte Behandlungsoption gelten kann.

Die Studie umfasste zudem keine Kontrollgruppe und keinen Vergleich mit anderen Behandlungen, sodass schwer zu beurteilen ist, inwieweit die Verbesserungen auch spontan oder durch andere Faktoren eingetreten sein könnten.

Was dies für Ihre Behandlungsentscheidung bedeutet

Wenn Sie Lipogems zur Behandlung von Stuhlinkontinenz in Betracht ziehen, bietet diese Studie erste Hoffnung, dass der Ansatz wirksam sein könnte. Das Verfahren scheint minimalinvasiv zu sein und wurde von allen drei Patientinnen gut vertragen. Da jedoch nur sehr wenige Personen an dieser Studie teilnahmen, sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, ob inzwischen neuere, größere Studien veröffentlicht wurden und welche anderen Behandlungsmöglichkeiten für Ihre spezifische Situation in Frage kommen.

Quelle: Cestaro et al., Videosurgery and Other Miniinvasive Techniques, 2015.

Originalpublikation

Intersphincteric anal lipofilling with micro-fragmented fat tissue for the treatment of faecal incontinence: preliminary results of three patients

Giovanni Cestaro, Michele De Rosa, Salvatore Massa, Bruno Amato, Maurizio Gentile · Videosurgery and Other Miniinvasive Techniques · 2015

Faecal incontinence is a very debilitating problem. Many techniques have been proposed to treat this condition, with controversial results. Autologous transplant of fat tissue is an established procedure used for the repair of tissue damage, and recent studies revealed the potentiality of tissue regeneration by human adipose-derived stem cells. We treated this condition with the injection, in the intersphincteric anal groove, of lipoaspirate processed by an innovative technology (Lipogems). The aim of the study was to evaluate the efficacy of Lipogems injection for the treatment of faecal incontinence. In February 2014 we treated 3 patients with faecal incontinence. The surgical procedure required three phases: lipoaspiration, processing of lipoaspirate with the Lipogems system, and injection of the obtained product in the intersphincteric anal groove. An accurate proctological examination followed at 1 week, 1 month and 6 months after treatment. Each patient reported an improved Wexner incontinence score at 1 month after the procedure. We observed an increase of resting pressure (by at least 10 mm Hg) and thickness of the internal anal sphincter respectively at ano-rectal manometry and by ultrasound (US) evaluation at the sixth month of follow-up. Our preliminary results are encouraging, but multicentric studies with longer follow-up are needed to validate this novel technique for treatment of faecal incontinence.

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