Verständnis einer neuen Behandlung für Stuhlinkontinenz bei Kindern

Giovanni Parente, Valentina Pinto, Marco Pignatti, Neil Di Salvo, Simone D'Antonio, Michele Libri, Mario Lima · 2022

Fettgewebeinjektion bietet Hoffnung bei Problemen mit der Darmkontrolle

Stuhlinkontinenz – das unbeabsichtigte Absetzen von Stuhl – kann für Kinder und Familien eine tiefgreifende Belastung darstellen. Diese Erkrankung betrifft Kinder, die das Toilettentraining bereits abgeschlossen haben, aber dennoch Schwierigkeiten mit der Darmkontrolle haben. Zu den Ursachen gehören angeborene Erkrankungen wie anorektale Fehlbildungen, Morbus Hirschsprung oder Wirbelsäulenprobleme. Wenn Ernährungsumstellungen und Darmmanagement-Programme nicht wirken, suchen Familien oft nach anderen Möglichkeiten.

Diese Forschungsarbeit eines kinderchirurgischen Teams aus Bologna, Italien, beschreibt einen neuen Ansatz. Die Technik verwendet aufbereitetes Fettgewebe aus dem eigenen Körper des Kindes, um die Darmkontrolle zu verbessern.

Wie das Verfahren funktioniert: Ultraschallgesteuerte Fettinjektion

Die Behandlung umfasst die Injektion von speziell aufbereitetem Fettgewebe zwischen die Schließmuskeln des Anus. Die Ärzte verwenden Ultraschallbildgebung (Echographie-Führung), um das Fett präzise dort zu platzieren, wo es benötigt wird. Das Fett stammt aus dem eigenen Körper des Kindes, wodurch es vollständig verträglich ist und das Abstoßungsrisiko reduziert wird.

Das injizierte Fett erfüllt zwei wichtige Zwecke:

  • Volumeneffekt: Das Fettgewebe fügt Volumen hinzu, was den Ruhedruck im Analbereich erhöht

  • Schließmuskelunterstützung: Es verdickt die Analschließmuskeln und hilft ihnen, besser zu funktionieren

Studien mit Druckmessungen und Ultraschallbildgebung haben diese Effekte bei Patienten bestätigt.

Warum Fettgewebe ideal für diese Behandlung ist

Fettgewebe ist weit mehr als einfaches Körperfett. Es enthält verschiedene Arten hilfreicher Zellen:

  • Adipozyten: Die hauptsächlichen fettspeichernden Zellen

  • Mesenchymale Stammzellen (MSCs): Regenerative Zellen, die beim Gewebeaufbau helfen können

  • Perizyten: Helferzellen, die die Blutgefäßgesundheit unterstützen

  • Fibroblasten: Zellen, die zur Erhaltung der Gewebestruktur beitragen

Fettgewebe ist ein ausgezeichnetes Behandlungsmaterial, da es bei den meisten Menschen, einschließlich Kindern, reichlich vorhanden ist. Es kann durch einen minimalinvasiven Eingriff gewonnen werden. Die Verwendung des körpereigenen Gewebes des Kindes bedeutet, dass keine Immunreaktion oder Abstoßungsgefahr besteht.

Stammzellen können zusätzliche Heilungsvorteile bieten

Die Forscher weisen darauf hin, dass mesenchymale Stammzellen im Fettgewebe Vorteile über den reinen Volumeneffekt hinaus bieten können. In anderen medizinischen Bereichen – einschließlich Orthopädie und kosmetischer Behandlungen – haben diese Zellen die Fähigkeit gezeigt, bei der Regeneration von geschädigtem Gewebe zu helfen.

Obwohl Wissenschaftler noch erforschen, wie genau diese Zellen bei der Analschließmuskelbehandlung wirken, könnten sie dazu beitragen, die Anzahl der Muskelfasern im Schließmuskel zu erhöhen. Dies könnte länger anhaltende Verbesserungen der Darmkontrolle ermöglichen.

Die Behandlung muss möglicherweise im Laufe der Zeit wiederholt werden

Eine Einschränkung der Fettgewebeinjektion ist, dass der Körper einen Teil des transplantierten Fetts allmählich absorbiert. Das bedeutet, dass die Behandlung möglicherweise wiederholt werden muss, um ihre Wirkung aufrechtzuerhalten. Die Menge an Fett, die erhalten bleibt, variiert von Patient zu Patient, was die Ergebnisse etwas unvorhersehbar macht.

Dennoch bleibt das Verfahren attraktiv, da es minimalinvasiv ist und das körpereigene Gewebe des Kindes verwendet. Es bietet eine Zwischenoption zwischen konservativen Behandlungen und invasiveren Operationen.

Eine weniger invasive Option vor größeren Operationen

Diese Technik gibt Ärzten ein weiteres Werkzeug an die Hand, um Kindern mit Stuhlinkontinenz zu helfen. Der Behandlungspfad folgt typischerweise diesen Schritten:

  • Zunächst Ernährungsumstellungen und sorgfältiges Darmmanagement

  • Bei Bedarf transanale Irrigationssysteme

  • Für Fälle, die nicht ansprechen, Fettgewebeinjektion

  • Größere Operationen bleiben als letzte Option verfügbar

Der ultraschallgesteuerte Ansatz ermöglicht eine präzise Platzierung des Fettgewebes. Frühere Studien bei Erwachsenen haben gezeigt, dass die Technik sicher und wirksam ist. Diese Forschung erweitert diese Erkenntnisse auf Kinder und bietet Familien eine neue Option, wenn Standardbehandlungen nicht ausreichen.

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Quelle: Parente et al., None, 2022.

Originalpublikation

Echo-Assisted Intersphincteric Autologous Microfragmented Adipose Tissue Injection to Control Fecal Incontinence in Children

Giovanni Parente, Valentina Pinto, Marco Pignatti, Neil Di Salvo, Simone D'Antonio, Michele Libri, Mario Lima · 2022

Echo-assisted intersphincteric autologous microfragmented adipose tissue injection (anal lipofilling) represents a novel minimally invasive technique for treating fecal incontinence in children who have failed conservative management with dietary changes and bowel management programs. This procedure is indicated for pediatric patients with true fecal incontinence secondary to congenital anomalies such as anorectal malformations, Hirschsprung disease, or spinal defects, prior to more invasive surgical interventions. The technique utilizes autologous adipose tissue, harvested from the patient, which is microfragmented and injected into the intersphincteric space under ultrasound guidance. The rationale is multifaceted: the injected fat acts as a bulking agent to increase resting anal pressure, thickens the anal sphincter complex, and potentially provides mesenchymal stem cells that may contribute to tissue regeneration and sphincter muscle fiber enhancement. Studies in adults have demonstrated the feasibility and safety of this approach, with anorectal manometry documenting increased resting pressures and anal endosonography confirming sphincter thickening. The main advantages include utilizing an abundant autologous tissue source with inherent stem cell content, minimally invasive application, and bridging the gap between conservative and major surgical management. Primary limitations include unpredictable fat graft viability and reabsorption, often necessitating repeated procedures to maintain clinical efficacy. Further studies are needed to elucidate the regenerative role of mesenchymal stem cells in this application.

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