Kreuzschmerzen: Bandscheibenentlastung kombiniert mit körpereigenem Fettgewebe

P. Grossi, S. Giarratana, S. Cernei, S. Grossi, F.M. Doniselli · unknown · 2016

Patient berichtet über deutliche Schmerzlinderung unmittelbar nach dem Eingriff

Ein 43-jähriger Mann mit schweren chronischen Kreuzschmerzen unterzog sich einer neuen kombinierten Behandlung. Seine Schmerzen stammten von einer geschädigten Bandscheibe zwischen dem dritten und vierten Lendenwirbel. Vor der Behandlung hatte er Schwierigkeiten mit grundlegenden Alltagsaktivitäten. Selbst einfache Tätigkeiten wie das Binden seiner Schuhe verursachten erhebliche Beschwerden. Schmerzmedikamente brachten kaum Linderung.

Die Behandlung kombinierte zwei Ansätze in einem Eingriff:

  • Nukleoplastie: Eine minimalinvasive Technik zur Entlastung der geschädigten Bandscheibe

  • Lipogems®-Injektion: Speziell aufbereitetes Fettgewebe aus dem eigenen Körper des Patienten

Direkt nach dem Eingriff bemerkte der Patient eine deutliche Schmerzreduktion. Die Taubheit und das Kribbeln in seinem linken Bein verschwanden ebenfalls vollständig.

Behinderungsgrad sinkt innerhalb von sechs Monaten von „schwer" auf „minimal"

Die Ärzte erfassten den Behinderungsgrad des Patienten mit einem standardisierten Fragebogen namens ODI (Oswestry Disability Index). Dieses Instrument bewertet, wie stark Rückenschmerzen das tägliche Leben beeinträchtigen.

Die Ergebnisse zeigten eine bemerkenswerte Verbesserung:

  • Vor der Behandlung: 46% Behinderungsgrad (eingestuft als „schwer")

  • Sechs Monate später: 24% Behinderungsgrad (eingestuft als „minimal")

Das bedeutet, der Patient entwickelte sich von einer schweren Einschränkung durch seine Rückenschmerzen hin zu nur noch geringfügigen Beeinträchtigungen in seinen täglichen Aktivitäten.

MRT-Aufnahmen zeigen physische Veränderungen in der behandelten Bandscheibe

Die Behandlung reduzierte nicht nur die Symptome. Die Bildgebung zeigte tatsächliche Veränderungen in der Bandscheibe selbst. Nach sechs Monaten offenbarte das MRT zwei wichtige Befunde:

Erstens zeigte die behandelte Bandscheibe eine erfolgreiche Dekompression. Zweitens beobachteten die Ärzte eine erhöhte Signalintensität im Zentrum der Bandscheibe. Vereinfacht ausgedrückt deutet dies auf eine verbesserte Hydratation und Gesundheit des Bandscheibengewebes hin. Vor der Behandlung hatte das MRT eine dehydrierte, geschrumpfte Bandscheibe gezeigt.

Eingriff dauert unter einer Stunde mit örtlicher Betäubung

Die gesamte Behandlung wurde in etwa 45 Minuten abgeschlossen. Der Patient blieb während des gesamten Eingriffs wach und erhielt lediglich eine leichte Sedierung sowie ein örtliches Betäubungsmittel.

So lief der Eingriff ab:

  1. Fettgewebeentnahme: Die Ärzte entnahmen etwa 40 ml (ungefähr drei Esslöffel) Fett aus dem Körper des Patienten mittels einer kleinen Nadel

  2. Lipogems®-Aufbereitung: Das Fett wurde 15 bis 20 Minuten in einem geschlossenen System verarbeitet, wodurch mikrofragmentiertes Gewebe ohne Chemikalien oder Enzyme entstand

  3. Bandscheibenbehandlung: Unter Röntgenkontrolle führten die Ärzte ein winziges Instrument ein, um einen kleinen Teil des geschädigten Bandscheibenkerns zu entfernen

  4. Nervenbehandlung: Eine Radiofrequenzsonde wurde eingesetzt, um Schmerzsignale von Nervenenden zu reduzieren

  5. Injektion: Zwei Milliliter des aufbereiteten Fettgewebes wurden in den geschaffenen Hohlraum eingebracht

Warum Fettgewebe bei der Heilung geschädigter Bandscheiben helfen kann

Aktuelle Behandlungen bei Bandscheibenproblemen konzentrieren sich auf die Linderung von Symptomen. Sie können weder Schäden reparieren noch die fortschreitende Degeneration aufhalten. Dies schafft einen Bedarf an neuen Ansätzen.

Fettgewebe enthält mesenchymale Stammzellen (MSCs) – regenerative Zellen, die sich zu verschiedenen Gewebearten entwickeln können. Im Gegensatz zu anderen Zellquellen ist Fettgewebe reichlich vorhanden, leicht zugänglich und einfach zu entnehmen. Das Lipogems®-System bewahrt diese Zellen in ihrer natürlichen Umgebung ohne chemische Aufbereitung.

Die Forscher erklären, dass Bandscheibendegeneration auftritt, wenn die Anzahl gesunder Zellen im Bandscheibenkern abnimmt. Durch die Einbringung regenerativer Zellen aus aufbereitetem Fettgewebe zielt die Behandlung darauf ab, natürliche Heilungsprozesse zu unterstützen, anstatt nur Symptome zu überdecken.

Einzelfall zeigt vielversprechende Ergebnisse für größere Studien

Die Autoren räumen ein, dass dieser Bericht nur einen Patienten beschreibt. Sie weisen jedoch darauf hin, dass er Teil einer größeren laufenden Studie ist. Die Kombination aus reduzierten Behinderungswerten und sichtbaren MRT-Verbesserungen legt nahe, dass dieser Ansatz weitere Untersuchungen verdient.

Für Patienten mit bandscheibenbedingten Kreuzschmerzen, die auf Standardbehandlungen nicht gut angesprochen haben, bietet dieses kombinierte Verfahren eine minimalinvasive Option. Es verwendet körpereigenes Gewebe, erfordert keine Vollnarkose und zeigte in diesem Fall aussagekräftige Ergebnisse, die mindestens sechs Monate anhielten.

---

Quelle: Grossi et al., unbekannt, 2016.

Originalpublikation

Low back pain treated with disc decompression and autologous micro­fragmented adipose tissue: a case report

P. Grossi, S. Giarratana, S. Cernei, S. Grossi, F.M. Doniselli · unknown · 2016

Background: Pathologies affecting the vertebral disk are extremely common in western industrialized countries. Although the causes can be multiple, it has been demonstrated that this disorder is associated with a degeneration of the intervertebral disk. Current therapies are focused on the relief of the symptoms but cannot repair the damage nor stop the degenerative process. Recently, new strategies for the regeneration of the intervertebral disk, such as the use of mesenchymal stem cells, have been identified. Objective: To evaluate the efficacy and potential benefits of using autologous, micro-fragmented and minimally manipulated adipose tissue graft (Lipogems®) associated with nucleoplasty for the decompression of the disk in a patient suffering for recurrent low back pain. Materials and Methods: Micro-fragmented adipose tissue was obtained using a minimal manipulation technique in a closed system (Lipogems®), without the addition of enzymes or any other additives. Under radioscopic control and with Seldinger technique a minimal part of the nucleus pulposus was emptied to reduce excessive compression level inside the disk, thus creating a virtual cavity. With a specific instrument, manually rotated at 360°, heat ablation of terminal nerve fibers with a radiofrequency probe was performed. At the end, autologous micro-fragmented adipose tissue was injected into the cavity. Results: In the immediate post injection period, the patient reported a significant decrease in pain and the disappearance of the paresthesia at the left lower limb. The ODI score at 6 months revealed a decrease of the disability, switching from 46% at baseline to 24%, i.e. from 'severe' to 'minimal'. The MRI at 6 months revealed a decompression of the treated disk and an increase in the signal intensity of the T2 sequences at the level of the nucleus pulposus. Conclusions: Although this is a single case report, part of a larger study, the results are very encouraging. The decrease of the ODI score and the decompression of the disk shown by the MRI gave evidence of the efficacy and potential benefits of using micro-fragmented, autologous, and minimally manipulated adipose tissue associated with nucleoplasty for the decompression of the disk.

Verwandte Forschung