Lipogems®-Hüftinjektion: Erste Ergebnisse zeigen vielversprechende Linderung bei Arthrose
Carlo Dall'Oca, Stefano Breda, Nicholas Elena, Roberto Valentini, Elena Manuela Samaila, Bruno Magnan · Acta Biomedica · 2019
Sechs Patienten verzeichnen deutliche Schmerzreduktion nach einmaliger Behandlung
Eine kleine Studie einer italienischen Universitätsklinik untersuchte, ob die Injektion von aufbereitetem Fettgewebe in arthrotische Hüftgelenke Schmerzen lindern und die Funktion verbessern kann. Alle sechs Patienten zeigten innerhalb von sechs Monaten bedeutsame Verbesserungen, ohne dass schwerwiegende Komplikationen auftraten.
Die Forscher verwendeten das Lipogems®-System zur Aufbereitung von Fettgewebe, das aus dem Bauchbereich der Patienten entnommen wurde. Diese Technologie zerkleinert das Fettgewebe schonend und erhält dabei die hilfreichen regenerativen Zellen – einschließlich mesenchymaler Stammzellen (MSCs), die sich zu verschiedenen Gewebearten entwickeln können, darunter auch Knorpel.
Hüftfunktionswerte steigen von „schlecht" in den „guten" Bereich
Vor der Behandlung hatten fünf der sechs Patienten Hüftfunktionswerte, die als „schlecht" eingestuft wurden. Sechs Monate nach der Injektion zeigten sich deutliche Verbesserungen:
Harris Hip Score stieg im Durchschnitt von 67 Punkten (schlecht) auf 85 Punkte (gut)
WOMAC-Score (misst Schmerz, Steifigkeit und Alltagsfunktion) sank um fast die Hälfte – von 36 auf 20 Punkte
Schmerzwerte fielen auf einer Zehn-Punkte-Skala von 4,6 auf 1,5
Diese Verbesserungen waren statistisch signifikant, das heißt, sie traten mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zufällig auf. Ein Patient erreichte sogar eine „ausgezeichnete" Bewertung der Hüftfunktion.
Behandlung zielt auf Hüftarthrose im Frühstadium
Die Studie konzentrierte sich auf Patienten mit leichter bis mittelschwerer Hüftarthrose – konkret auf die Grade null bis zwei nach der Tonnis-Klassifikation. Dies ist relevant, da regenerative Behandlungen typischerweise am besten wirken, bevor die Gelenkschäden schwerwiegend werden.
Alle Patienten litten seit mindestens sechs Monaten unter anhaltenden Hüftschmerzen. Standardbehandlungen wie entzündungshemmende Medikamente und Physiotherapie hatten keine ausreichende Linderung gebracht. Dennoch war ihre Arthrose nicht weit genug fortgeschritten, um eine Hüftprothese zu rechtfertigen – sie befanden sich in einer frustrierenden Behandlungslücke.
Ambulanter Eingriff mit körpereigenem Fettgewebe
Die Behandlung umfasste einen unkomplizierten ambulanten Eingriff:
Fettentnahme: Etwa 60 Milliliter (ungefähr vier Esslöffel) Fett wurden mittels schonender Liposuktion aus dem Bauchbereich entnommen
Aufbereitung: Das Lipogems®-Gerät verarbeitete das Fett mechanisch zu kleineren Zellverbänden und entfernte dabei Blut- und Ölrückstände
Injektion: Fünf bis zehn Milliliter des Endprodukts wurden unter Röntgenkontrolle direkt in das Hüftgelenk injiziert
Die Patienten wurden am nächsten Tag entlassen. Sie vermieden sieben bis zehn Tage lang die Belastung der behandelten Hüfte und absolvierten anschließend eine Physiotherapie.
Keine schwerwiegenden Nebenwirkungen in dieser Gruppe
Sicherheit ist bei jedem medizinischen Eingriff ein zentrales Anliegen. In dieser Studie trat nur eine geringfügige Komplikation auf – ein Hämatom (Bluterguss) an der Entnahmestelle am Bauch, das von selbst abheilte. Bei keinem Patienten verschlechterte sich der Zustand des Hüftgelenks.
Dies deckt sich mit umfassenderen Sicherheitsdaten. Die Forscher verwiesen auf eine Übersichtsarbeit von 2017 mit 584 Patienten aus 28 Studien, die zu dem Schluss kam, dass die intraartikuläre MSC-Therapie sicher ist und allgemein positive Ergebnisse zeigt.
Warum Fettgewebe arthrotischen Gelenken helfen könnte
Knorpel hat nur begrenzte Selbstheilungsfähigkeiten, da er nicht durchblutet wird. Mit zunehmendem Alter werden die Zellen, die den Knorpel erhalten, weniger aktiv, was zu einem allmählichen Abbau führt.
Fettgewebe bietet zwei potenzielle Vorteile für geschädigte Gelenke:
Reiche Zellquelle: Etwa zwei Prozent der Zellen im Fettgewebe sind mesenchymale Stammzellen – hundertmal mehr als im Knochenmark
Natürliche entzündungshemmende Eigenschaften: Fettgewebe enthält Substanzen, die Gelenkentzündungen lindern können
Das Lipogems®-Aufbereitungsverfahren erhält diese nützlichen Zellen, während potenziell reizende Bestandteile entfernt werden.
Wichtige Einschränkungen zu beachten
Dies war eine vorläufige Studie mit erheblichen Einschränkungen. Es wurden nur sechs Patienten eingeschlossen, es gab keine Vergleichsgruppe mit einer anderen Behandlung oder einem Placebo, und die Nachbeobachtung dauerte nur sechs Monate.
Die Forscher räumen ein, dass eine längere Nachbeobachtung erforderlich ist, um festzustellen, wie dauerhaft die Verbesserungen sind. Größere Studien mit Kontrollgruppen würden belastbarere Evidenz liefern, ob die Behandlung tatsächlich besser wirkt als Alternativen.
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Quelle: Dall'Oca et al., Acta Biomedica, 2019.
Originalpublikation
Mesenchymal Stem Cells injection in hip osteoarthritis: preliminary results
Carlo Dall'Oca, Stefano Breda, Nicholas Elena, Roberto Valentini, Elena Manuela Samaila, Bruno Magnan · Acta Biomedica · 2019
Osteoarthritis (OA) is a major cause of disability in the elderly, with hip OA affecting up to 25% of individuals living to age 85. Traditional conservative treatments often fail, and joint replacement may be premature in early-onset cases. This retrospective study assessed the feasibility of intra-articular mesenchymal stem cell (MSC) injection for hip osteoarthritis. Six consecutive patients with constant hip pain resistant to conservative treatment and OA graded 0-2 on the Tonnis scale were treated with autologous adipose-derived MSC injections between June 2017 and June 2018. Adipose tissue was harvested from the abdominal wall, processed using the Lipogems system to obtain microfragmented adipose tissue containing MSCs, and injected intra-articularly under fluoroscopic guidance. Patients were evaluated preoperatively and at 6 months postoperatively using Harris Hip Score (HHS), WOMAC, and Visual Analogue Scale. Results showed significant improvement, with HHS increasing from 67.2±3.4 to 84.6±6.3 and WOMAC decreasing from 36.3±4.7 to 19.8±3.4 at 6 months. No adverse effects were recorded. The technique proved feasible and safe with positive preliminary outcomes, though longer follow-up is needed for validation. MSC therapy represents a promising minimally invasive treatment option for early hip osteoarthritis.