Fettgewebsbehandlung übertrifft Standardoperation bei Hüftknorpelschäden
Alessandro Ivone, Alberto Fioruzzi, Eugenio Jannelli, Alberto Castelli, Matteo Ghiara, Enrico Ferranti Calderoni, Andrea Fontana · Acta Biomedica · 2020
Studie vergleicht zwei arthroskopische Verfahren über zwei Jahre
Diese Studie begleitete 35 Patienten mit einem spezifischen Hüftknorpelproblem, der sogenannten acetabulären Delamination. Bei dieser Erkrankung löst sich der Knorpel, der die Hüftpfanne auskleidet, vom darunterliegenden Knochen ab. Sie tritt häufig zusammen mit einem femoroacetabulären Impingement (FAI) auf, bei dem abnorme Knochenformen dazu führen, dass die Hüftknochen aneinander reiben.
Die Forscher verglichen zwei chirurgische Behandlungen. Achtzehn Patienten erhielten Mikrofrakturierungen, eine Standardtechnik, bei der winzige Löcher in den Knochen gebohrt werden, um die Heilung anzuregen. Siebzehn Patienten erhielten eine Transplantation von mikrofragmentiertem Fettgewebe mittels Lipogems®-Technologie. Beide Gruppen wiesen ähnliche Merkmale auf, darunter ein durchschnittliches Alter (Mitte dreißig) und eine vergleichbare Knorpelschadensgröße (ein bis zwei Quadratzentimeter).
Fettgewebsverfahren nutzt körpereigene Heilungszellen
Die Lipogems®-Behandlung umfasst einen unkomplizierten Prozess, der während derselben Operation durchgeführt wird, die auch das zugrundeliegende Hüftimpingement behandelt. Die Chirurgen entnehmen etwa 40 Milliliter Fettgewebe aus der Nähe der Hüfte durch eine schonende Liposuktion. Dieses Gewebe wird anschließend in einem geschlossenen System aufbereitet, das es in winzige Fragmente zerteilt und dabei seine natürlichen Heilungseigenschaften bewahrt.
Das aufbereitete Gewebe – etwa sieben Milliliter – enthält mesenchymale Stammzellen (regenerative Zellen, die sich zu verschiedenen Gewebetypen entwickeln können). Die Chirurgen injizieren dieses Material direkt in das Hüftgelenk, um den geschädigten Knorpelbereich abzudecken. Der gesamte Eingriff erfolgt in einer einzigen operativen Sitzung, ohne wesentlich mehr Zeit oder Komplexität zu erfordern.
MATT-Patienten erreichten nahezu perfekte Hüftfunktionswerte
Die Ergebnisse sprachen deutlich für die Fettgewebsbehandlung. Die Forscher erfassten die Resultate mit dem modifizierten Harris Hip Score, einem etablierten Instrument, das die Hüftfunktion auf einer Skala von null bis hundert bewertet. Höhere Werte bedeuten bessere Funktion bei weniger Schmerzen.
Vor der Operation: Beide Gruppen starteten ähnlich – 50 Punkte bei Mikrofrakturierung und 53 Punkte bei MATT
Nach zwei Jahren: Die Mikrofrakturierungsgruppe verbesserte sich auf 76 Punkte, während die MATT-Gruppe 97 Punkte erreichte
Dieser Unterschied von 21 Punkten zwischen den beiden Gruppen war statistisch signifikant. Ein Wert von 97 entspricht einer nahezu normalen Hüftfunktion. Die Verbesserung der MATT-Gruppe um 44 Punkte war fast doppelt so hoch wie der Zugewinn von 26 Punkten in der Mikrofrakturierungsgruppe.
Keine der beiden Gruppen benötigte während der Nachbeobachtung eine Hüftprothese
Ein ermutigendes Ergebnis war, dass kein Patient in beiden Gruppen während des zweijährigen Studienzeitraums eine Hüfttotalendoprothese benötigte. Auch Revisionsoperationen waren nicht erforderlich. Dies deutet darauf hin, dass beide Behandlungen eine bedeutsame Linderung brachten, wobei der Fettgewebsansatz deutlich bessere funktionelle Ergebnisse lieferte.
Alle Operationen wurden von demselben erfahrenen Chirurgen mittels arthroskopischer (minimalinvasiver) Techniken durchgeführt. Die Patienten erhielten während desselben Eingriffs eine Behandlung ihres zugrundeliegenden Impingements, einschließlich der Korrektur abnormer Knochenformen und der Reparatur des geschädigten Labrums (des Knorpelrings um die Hüftpfanne).
Was dies für Ihre Behandlungsentscheidung bedeutet
Diese Studie liefert wertvolle Erkenntnisse für Patienten mit Hüftknorpelschäden im Zusammenhang mit femoroacetabulärem Impingement. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Ergänzung von Lipogems®-mikrofragmentiertem Fettgewebe während einer arthroskopischen Hüftoperation bessere funktionelle Resultate erzielen kann als Mikrofrakturierungen allein.
Mehrere Faktoren machen diese Forschung für Ihre Situation relevant:
Ähnliches Patientenprofil: Die Teilnehmer hatten Knorpelläsionen zwischen ein und zwei Quadratzentimetern – eine häufige Defektgröße
Praktischer Ansatz: Die Fettgewebsentnahme erhöht die Komplexität nur minimal, da sie aus der Nähe des Operationsgebiets erfolgt
Einziger Eingriff: Keine zweite Operation oder langwierige Vorbereitung erforderlich
Aussagekräftige Nachbeobachtung: Zwei Jahre bieten einen angemessenen Einblick in die Langzeitwirkung
Allerdings war dies eine relativ kleine Studie mit insgesamt 35 Patienten. Sie war zudem retrospektiv angelegt, das heißt, die Forscher analysierten bestehende Fälle rückblickend, anstatt Behandlungen zufällig zuzuweisen. Größere Studien mit längerer Nachbeobachtung würden diese Ergebnisse untermauern.
Wenn Sie einen Hüftknorpelschaden durch femoroacetabuläres Impingement haben, besprechen Sie diese Ergebnisse mit Ihrem orthopädischen Chirurgen. Er kann Ihnen helfen zu beurteilen, ob der MATT-Ansatz basierend auf Ihrem spezifischen Knorpelschaden, dem allgemeinen Zustand Ihrer Hüfte und Ihren Behandlungszielen für Sie geeignet sein könnte.
Quelle: Ivone et al., Acta Biomedica, 2020.
Originalpublikation
Micro-fragmented Adipose Tissue Transplantation (MATT) for the treatment of acetabular delamination. A two years follow up comparison study with microfractures
Alessandro Ivone, Alberto Fioruzzi, Eugenio Jannelli, Alberto Castelli, Matteo Ghiara, Enrico Ferranti Calderoni, Andrea Fontana · Acta Biomedica · 2020
This retrospective controlled study compared two arthroscopic techniques for treating acetabular cartilage delamination in femoroacetabular impingement (FAI): microfractures (MFx) and micro-fragmented autologous adipose tissue transplantation (MATT). Thirty-five patients with acetabular delamination lesions of 1-2 cm² were included: 18 treated with MFx and 17 with MATT. Groups were homogeneous regarding age (mean 36±13 vs 35±9 years), lesion size (mean 1.9±0.3 vs 1.6±0.5 cm²), and clinical characteristics. The MFx technique involves creating multiple perforations in subchondral bone to release bone marrow-derived pluripotent cells, while MATT harvests subcutaneous adipose tissue from the peritrochanteric area and injects mesenchymal stem cells into the joint defect during a single arthroscopic procedure. Patients were assessed using modified Harris Hip Score (mHHS) preoperatively and at six months, one year, and two years postoperatively. Mean preoperative mHHS was similar (50±5 MFx vs 53±6 MATT, p=0.245). At two-year follow-up, MATT group demonstrated significantly superior outcomes (mHHS 97.1±3) compared to MFx group (76±12, p<0.001). No patients required conversion to total hip arthroplasty or revision arthroscopy. Results suggest MATT technique provides significantly better clinical outcomes than microfractures for treating acetabular delamination in FAI.