Stammzelltherapie bei chronischen Wunden, die nicht heilen wollen

Giovanni Marfia, Stefania Elena Navone, Clara Di Vito, Nicola Ughi, Silvia Tabano, Monica Miozzo, Carlo Tremolada, Gianni Bolla, Chiara Crotti, Francesca Ingegnoli, Paolo Rampini, Laura Riboni, Roberta Gualtierotti, Rolando Campanella · Organogenesis · 2015

Ihr Fettgewebe enthält kraftvolle Heilungszellen

Wenn eine Wunde nicht normal heilt, kann sie zu einem chronischen Problem werden. Dies betrifft Millionen von Menschen, insbesondere jene mit Diabetes oder Autoimmunerkrankungen. Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2015 untersuchte, wie mesenchymale Stammzellen (regenerative Zellen, die sich in verschiedene Gewebetypen entwickeln können) neue Hoffnung bei der Behandlung dieser hartnäckigen Wunden bieten könnten. Die Forschung zeigt, dass Fettgewebe eine der reichhaltigsten Quellen dieser heilungsfördernden Zellen ist.

Warum manche Wunden stagnieren und nicht heilen

Normale Wundheilung verläuft in Phasen: Blutstillung, Infektionsbekämpfung, Neubildung von Gewebe und Umbau. Die Übersichtsarbeit erklärt, dass chronische Wunden in einem anhaltenden Entzündungszustand „steckenbleiben". Diese dauerhafte Entzündung hindert den Körper daran, die weiteren Heilungsphasen zu durchlaufen. Erkrankungen wie Diabetes und Autoimmunerkrankungen schaffen diese problematische Umgebung. Allein in den Vereinigten Staaten betrifft die Wundversorgung über fünf Millionen Menschen und verursacht jährliche Kosten von rund 20 Milliarden Dollar.

Stammzellen wirken über vier Heilungswege

Die Forscher identifizierten vier wesentliche Wege, wie mesenchymale Stammzellen die Wundheilung unterstützen:

  • Strukturelle Reparatur: Diese Zellen können sich in die spezifischen Zelltypen umwandeln, die zum Wiederaufbau von geschädigtem Hautgewebe benötigt werden

  • Immunregulation: Sie dämpfen überschießende Entzündungsreaktionen, die die Wundheilung verhindern

  • Freisetzung von Wachstumsfaktoren: Sie produzieren körpereigene Botenstoffe, die die Bildung neuer Blutgefäße und die Hauterneuerung fördern

  • Rekrutierung von Helferzellen: Sie signalisieren den körpereigenen Stammzellen, zur Wundstelle zu kommen

Aus Fettgewebe gewonnene Stammzellen zeigen besonderes Potenzial

Die Übersichtsarbeit hebt adipöse Stammzellen (Stammzellen aus Fettgewebe) als besonders wertvoll für die Wundbehandlung hervor. Fettgewebe bietet eine reichhaltige und leicht zugängliche Quelle dieser regenerativen Zellen. Im Gegensatz zur Knochenmarkentnahme ist die Gewinnung von Fettgewebe minimal-invasiv. Diese Zellen haben in mehreren von den Autoren ausgewerteten Studien ihre Fähigkeit gezeigt, die Blutgefäßheilung und Geweberegeneration zu unterstützen.

Aktuelle Wachstumsfaktor-Behandlungen haben erhebliche Einschränkungen

Die Übersichtsarbeit stellt fest, dass bestehende Behandlungen mit Wachstumsfaktoren Nachteile haben. Eine von der FDA zugelassene Option kann nicht bei größeren Wunden oder solchen verwendet werden, die eine längere Behandlung erfordern. Der Körper neigt zudem dazu, diese aufgetragenen Wachstumsfaktoren abzubauen oder zu neutralisieren, bevor sie wirksam werden können. Eine systematische Auswertung klinischer Studien ergab, dass viele Studien methodische Mängel aufwiesen, was es schwierig macht, die tatsächliche Wirksamkeit dieser Behandlungen zu bestätigen. Dies eröffnet Möglichkeiten für zellbasierte Ansätze, die diese Einschränkungen überwinden könnten.

Zelltherapie weist einen neuen Weg bei schwer heilenden Wunden

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass Stammzelltherapie einen grundlegend anderen Ansatz in der Versorgung chronischer Wunden bietet. Anstatt einen einzelnen Wachstumsfaktor aufzutragen, liefern zellbasierte Behandlungen lebende Zellen, die kontinuierlich die vielfältigen Heilungssignale produzieren, die Wunden benötigen. Die Zellen können auf die Wundumgebung reagieren und ihr Verhalten entsprechend anpassen. Während diese Übersichtsarbeit die wissenschaftlichen Grundlagen dieser Ansätze untersuchte, weist sie auf Behandlungen wie Lipogems® hin, die Ihr eigenes aufbereitetes Fettgewebe nutzen, um diese regenerativen Zellen direkt an Problemstellen zu bringen.

Diese Forschung unterstützt das wachsende Verständnis, dass mikrofragmentiertes Fettgewebe (speziell aufbereitetes Fettgewebe aus Ihrem eigenen Körper) die Perizyten (Helferzellen, die die Blutgefäßheilung unterstützen) und mesenchymalen Stammzellen enthält, die zur Behandlung von Wunden benötigt werden, die auf konventionelle Therapien nicht ansprechen. Die Verwendung von autologem Gewebe (Ihr eigenes Gewebe, nicht von einem Spender) eliminiert Bedenken hinsichtlich Abstoßungsreaktionen oder Krankheitsübertragung.

---

Quelle: Marfia et al., Organogenesis, 2015.

Originalpublikation

Mesenchymal stem cells: potential for therapy and treatment of chronic non-healing skin wounds

Giovanni Marfia, Stefania Elena Navone, Clara Di Vito, Nicola Ughi, Silvia Tabano, Monica Miozzo, Carlo Tremolada, Gianni Bolla, Chiara Crotti, Francesca Ingegnoli, Paolo Rampini, Laura Riboni, Roberta Gualtierotti, Rolando Campanella · Organogenesis · 2015

Wound healing is a complex physiological process including overlapping phases (hemostatic/inflammatory, proliferating and remodeling phases). Every alteration in this mechanism might lead to pathological conditions of different medical relevance. Treatments for chronic non-healing wounds are expensive because reiterative treatments are needed. Regenerative medicine and in particular mesenchymal stem cells approach is emerging as new potential clinical application in wound healing. In the past decades, advance in the understanding of molecular mechanisms underlying wound healing process has led to extensive topical administration of growth factors as part of wound care. Currently, no definitive treatment is available and the research on optimal wound care depends upon the efficacy and cost-benefit of emerging therapies. Here we provide an overview on the novel approaches through stem cell …

Verwandte Forschung