Stammzelltherapie zeigt vielversprechende Ergebnisse bei Crohn-Fisteln
Gaetano Gallo, Vincenzo Tiesi, Serena Fulginiti, Gilda De Paola, Giuseppina Vescio, Giuseppe Sammarco · Medicina · 2020
Diese umfassende Übersichtsarbeit untersucht, wie mesenchymale Stromazellen (MSCs) – einschließlich solcher aus Fettgewebe – bei der Heilung hartnäckiger perianaler Fisteln bei Morbus-Crohn-Patienten helfen können.
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Crohn-Fisteln betreffen ein Drittel der Patienten
Perianale Fisteln sind abnorme tunnelartige Verbindungen in der Nähe des Rektums. Sie entwickeln sich bei etwa 20 Prozent der Morbus-Crohn-Patienten. Diese Fisteln verursachen erhebliche Schmerzen und beeinträchtigen die Lebensqualität dramatisch. Sie folgen typischerweise einem Muster aus Besserung und Rückfall, was eine langfristige Heilung äußerst schwierig macht.
Herkömmliche Behandlungen bleiben oft hinter den Erwartungen zurück. Aktuelle Optionen umfassen Medikamente und verschiedene chirurgische Eingriffe. Doch selbst die besten Behandlungspläne liefern häufig keine dauerhaften Ergebnisse. Viele verursachen zudem belastende Nebenwirkungen. Diese Realität hat Forscher dazu veranlasst, die Stammzelltherapie als vielversprechende Alternative zu erforschen.
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Fettgewebe liefert reichlich heilungsfördernde Zellen
Mesenchymale Stromazellen können aus verschiedenen Körperquellen gewonnen werden. Knochenmark und Fettgewebe sind die häufigsten Spendergewebe. Bemerkenswerterweise enthält Fettgewebe eine weitaus größere Anzahl dieser regenerativen Zellen als Knochenmark.
Die Lipogems®-Technologie bietet einen einzigartigen Ansatz zur Aufbereitung von Fettgewebe. Das Verfahren dauert von der Entnahme bis zur klinischen Anwendung weniger als 20 Minuten. Es nutzt eine schonende mechanische Verarbeitung anstelle einer chemischen Aufspaltung. Dadurch bleibt die natürliche Stützstruktur um die Zellen erhalten. Ein Aspekt ist zu beachten: Bei Patienten mit niedrigem Körpergewicht steht möglicherweise weniger Fettgewebe zur Entnahme zur Verfügung.
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Heilungsfördernde Zellen beruhigen Entzündungen und reparieren Gewebe
MSCs wirken durch Immunmodulation – sie helfen, die Immunantwort des Körpers zu regulieren. Bei Morbus Crohn ist das Immunsystem überaktiv und greift gesundes Gewebe an. MSCs können regulatorische T-Zellen vermehren, die wie „Friedenswächter" im Immunsystem fungieren.
Diese heilungsfördernden Zellen wandern zu Entzündungsherden. Dort angekommen, fördern sie die Gewebereparatur und reduzieren schädliche Immunaktivität. Diese duale Wirkung – Entzündungen beruhigen und gleichzeitig die Heilung fördern – macht sie besonders geeignet für die Behandlung von Crohn-Fisteln.
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Mehrere klinische Studien zeigen ermutigende Ergebnisse
Die Übersichtsarbeit untersuchte zahlreiche Studien zur MSC-Therapie bei Crohn-Fisteln. Sowohl aus Knochenmark als auch aus Fettgewebe gewonnene Zellen wurden untersucht. Forscher testeten verschiedene Dosierungen und Verabreichungsmethoden. Die Zellen werden typischerweise direkt um den Fistelgang herum injiziert.
Die Ergebnisse der verschiedenen Studien waren vielversprechend. Viele Patienten erreichten eine vollständige Fistelheilung. Andere zeigten eine deutliche Besserung. Die Therapie erscheint sicher, wobei nur wenige schwerwiegende Nebenwirkungen berichtet wurden. Diese Erkenntnisse haben in einigen Regionen zur behördlichen Zulassung geführt.
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Behandlung bietet Alternative zu wiederholten Operationen
Chirurgische Standardbehandlungen bei Crohn-Fisteln stellen eine Herausforderung dar. Eingriffe, die durch Muskelgewebe schneiden, können bei 5 bis 10 Prozent der Patienten Probleme mit der Darmkontrolle verursachen. Gewebeverschiebelappen-Reparaturen funktionieren bei Crohn-Patienten weniger gut als bei Patienten mit einfacheren Fisteln. Neuere Techniken wie der Laserverschluss zeigen zwar Potenzial, haben aber bei unkontrollierter Erkrankung noch begrenzte Erfolgsraten.
Für Patienten mit schwierigen Fisteln bietet die Stammzelltherapie eine schließmuskelschonende Option. Sie vermeidet das Durchtrennen wichtiger Muskeln. Sie arbeitet mit den natürlichen Heilungsprozessen des Körpers. Für manche Patienten kann sie den Bedarf an invasiveren Eingriffen reduzieren.
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Forschung arbeitet weiter an der Optimierung der besten Ansätze
Wissenschaftler arbeiten weiterhin an der Optimierung der MSC-Therapie. Zentrale Fragen zur idealen Zellquelle, Dosierung und Verabreichungsmethode bleiben offen. Sowohl einmalige als auch mehrfache Injektionen wurden untersucht. Forscher vergleichen weiterhin Knochenmarkzellen mit aus Fettgewebe gewonnenen Zellen.
Die Evidenz spricht deutlich für weitere Untersuchungen. Für Morbus-Crohn-Patienten mit perianalen Fisteln, die auf Standardbehandlungen nicht angesprochen haben, stellt die MSC-Therapie eine bedeutsame Option dar, die es wert ist, mit ihrem Behandlungsteam besprochen zu werden.
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Quelle: Gallo et al., Medicina, 2020.
Originalpublikation
Mesenchymal Stromal Cell Therapy in the Management of Perianal Fistulas in Crohn's Disease: An Up-To-Date Review
Gaetano Gallo, Vincenzo Tiesi, Serena Fulginiti, Gilda De Paola, Giuseppina Vescio, Giuseppe Sammarco · Medicina · 2020
Crohn's Disease (CD) is a chronic inflammatory disorder that potentially involves the entire gastrointestinal tract. Perianal fistulizing CD (pCD) is a serious and frequent complication associated with significant morbidities and a heavy negative impact on quality of life. The aim of CD treatment is to induce and maintain disease remission and to promote mucosal repair. Unfortunately, even the best therapeutic regimens in pCD do not have long-term efficacy and cause a significant number of side effects. Therefore, it is mandatory to study new therapeutical options such as the use of mesenchymal stromal cells (MSCs). These cells promote tissue repair via the induction of immunomodulation. The present review aims to analyze the existing updated scientific literature on MSCs adoption in the treatment of pCD to evaluate its efficacy and safety and to compare the use of bone marrow and adipose tissue derived MSCs, type of administration, and dose required for recovery.