Fettgewebeinjektion zeigt vielversprechende Ergebnisse bei komplexen Analfisteln

G. Naldini, A. Sturiale, B. Fabiani, I. Giani, C. Menconi · Techniques in Coloproctology · 2018

Pilotstudie testet natürlichen Heilungsansatz für schwer behandelbare Fisteln

Komplexe Analfisteln sind abnorme Gänge, die sich zwischen dem Analkanal und der Haut in der Nähe des Anus bilden. Sie werden als „komplex" bezeichnet, wenn sie einen großen Teil des Schließmuskels betreffen oder andere erschwerende Faktoren vorliegen. Herkömmliche Behandlungen scheitern häufig oder bergen das Risiko, die Muskeln zu schädigen, die die Darmfunktion kontrollieren. Diese italienische Pilotstudie untersuchte, ob die Injektion von speziell aufbereitetem Fettgewebe aus dem eigenen Körper des Patienten dazu beitragen kann, diese schwierigen Fisteln sicher zu heilen.

19 Patienten über einen Studienzeitraum von 20 Monaten behandelt

Forscher am Universitätskrankenhaus Cisanello in Pisa, Italien, schlossen zwischen April 2015 und Dezember 2016 insgesamt 19 Patienten mit komplexen Analfisteln in die Studie ein. Bei allen Patienten wurden die Fisteln durch MRT oder Ultraschall bestätigt. Die Gruppe wurde in zwei Kategorien unterteilt: Zwölf Patienten erhielten dies als erste schließmuskelschonende Behandlung, und sieben Patienten hatten bereits andere Behandlungen ohne Erfolg versucht. Ein temporärer Seton (ein kleiner Faden, der durch die Fistel gelegt wird) wurde vier bis sechs Wochen vor dem Haupteingriff platziert.

Behandlung kombiniert Fettinjektion mit innerem Verschluss

Das Verfahren umfasste zwei wesentliche Schritte. Zunächst entnahmen die Ärzte Fettgewebe aus dem Bauchbereich des Patienten mittels schonender Liposuktion. Dieses Fett wurde anschließend mit dem Lipogems®-System aufbereitet, das das Fett in winzige Fragmente zerkleinert und gleichzeitig Blut und Öl auswäscht. Das aufbereitete Gewebe enthält Perizyten (Helferzellen, die die Heilung unterstützen) und andere regenerative Zellen.

Im zweiten Schritt säuberten die Chirurgen den Fistelgang und verschlossen die innere Öffnung mit Nähten. Anschließend injizierten sie etwa sechs Milliliter des aufbereiteten Fettgewebes um die innere Öffnung herum und entlang des Fistelgangs. Der Eingriff dauerte durchschnittlich etwa 55 Minuten.

Nahezu drei Viertel der Patienten heilten erfolgreich

Nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von neun Monaten erreichte die Gesamtheilungsrate nahezu 74 Prozent. Die Ergebnisse unterschieden sich zwischen den beiden Patientengruppen:

  • Gruppe mit Erstbehandlung: 83 Prozent heilten erfolgreich

  • Gruppe mit zuvor fehlgeschlagener Behandlung: 57 Prozent heilten erfolgreich

Als Heilung wurde der vollständige Verschluss sowohl der inneren als auch der äußeren Öffnung ohne Sekretion definiert.

Minimale Nebenwirkungen und niedrige Schmerzwerte berichtet

Die Behandlung erwies sich als sicher mit sehr wenigen Komplikationen. Die Patienten berichteten über geringe Schmerzintensität mit durchschnittlich nur zwei von zehn Punkten auf einer Standard-Schmerzskala. Die Studie verzeichnete:

  • Keine schwerwiegenden Infektionen oder Sepsis

  • Keine behandlungsbedürftigen Blutungen

  • Keine Beeinträchtigung der Stuhlkontrolle

  • Nur drei leichte Hämatome am Bauch (alle heilten ohne Behandlung ab)

  • Einen perianalen Abszess

Während des Eingriffs selbst traten keine Schwierigkeiten auf, und die Technik wurde als reproduzierbar und unkompliziert beschrieben.

Was dies für Ihre Behandlungsentscheidung bedeutet

Diese Pilotstudie legt nahe, dass die Injektion von mikrofragmentiertem Fettgewebe eine sichere und wirksame Option für komplexe Analfisteln darstellen könnte. Die Behandlung verwendet Ihr eigenes Gewebe, wodurch Abstoßungsrisiken entfallen. Der Eingriff ist minimalinvasiv, und die Patienten verspürten danach nur geringe Beschwerden.

Allerdings handelte es sich um eine kleine Studie ohne Vergleichsgruppe, sodass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden sollten. Patienten, die zuvor keine anderen Behandlungen versucht hatten, zeigten bessere Ergebnisse als jene mit zuvor fehlgeschlagenen Eingriffen. Wenn Sie diesen Ansatz in Betracht ziehen, besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Sie ein geeigneter Kandidat sein könnten, insbesondere wenn dies Ihre erste schließmuskelschonende Behandlung wäre.

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass diese Methode sicher und durchführbar ist und die Heilung komplexer Analfisteln fördern kann. Größere Studien mit längeren Nachbeobachtungszeiträumen würden helfen, diese ermutigenden frühen Ergebnisse zu bestätigen.

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Quelle: Naldini et al., Techniques in Coloproctology, 2018.

Originalpublikation

Micro-fragmented adipose tissue injection for the treatment of complex anal fistula: a pilot study accessing safety and feasibility

G. Naldini, A. Sturiale, B. Fabiani, I. Giani, C. Menconi · Techniques in Coloproctology · 2018

The aim of the present study was to evaluate the safety and efficacy of autologous, micro-fragmented and minimally manipulated adipose tissue injection associated with closure of the internal opening in promoting healing of complex anal fistula. A pilot study was conducted on patients with complex anal fistula according to the American Gastroenterological Association classification from April 2015-December 2016. Patients were divided into two groups: Group I (first time group) receiving micro-fragmented adipose tissue injection as first-line treatment, and Group II (recurrent group) who had failed prior sphincter-saving procedures. The procedure was performed 4-6 weeks after seton placement. Follow-up visits were scheduled at 7 days, and 1, 3, 6 and 12 months post-surgery. Out of 47 patients screened, 19 met inclusion criteria (12 in Group I, 7 in Group II). Mean operative time was 55±6 minutes with mean postoperative pain score of 2±1.4. No intraoperative complications, postoperative fever, sepsis, bleeding, or impaired continence occurred. Minor complications included 3 cases of abdominal wall hematoma and 1 perianal abscess. Mean follow-up was 9±3.1 months. Overall healing rate was 73.7%, with 83.3% for Group I and 57.1% for Group II. The injection of autologous, micro-fragmented and minimally manipulated adipose tissue associated with internal opening closure is a safe, feasible and reproducible procedure that may enhance complex anal fistula healing.

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