Fetttransplantation zeigt vielversprechende Ergebnisse für die Darmkontrolle bei Kindern

Valentina Pinto, Marco Pignatti, Giovanni Parente, Neil Di Salvo, Luca Contu, Mario Lima · Journal of Clinical Medicine · 2023

Studie untersucht Lipogems®-Verfahren bei sechs Kindern mit Stuhlinkontinenz

Forscher in Italien untersuchten, ob die Injektion von körpereigenem, aufbereitetem Fettgewebe die Darmkontrolle bei Kindern verbessern kann. An der Studie nahmen sechs Jungen teil (Durchschnittsalter etwa elf Jahre), die unter Stuhlinkontinenz litten – der Unfähigkeit, den Stuhlgang zu kontrollieren. Die meisten dieser Kinder waren mit anorektalen Fehlbildungen geboren worden, also Geburtsdefekten, die die Öffnung betreffen, durch die der Stuhl den Körper verlässt. Standardbehandlungen wie Ernährungsumstellung und Medikamente hatten diesen Patienten nicht ausreichend geholfen.

Verfahren nutzt körpereigenes Fettgewebe zur Behandlung

Die Behandlung umfasste die Entnahme von Fett aus dem Bauchbereich jedes Kindes während eines kurzen Eingriffs unter Vollnarkose. Das Fett wurde anschließend mit dem Lipogems®-System aufbereitet, das Fett schonend in kleinere Stücke zerkleinert und dabei die natürlichen Heilungszellen erhält. Zu diesen Zellen gehören Perizyten (Helferzellen, die die Blutgefäßheilung unterstützen) und mesenchymale Stammzellen (regenerative Zellen, die zur Gewebereparatur beitragen können). Das aufbereitete Fett wurde dann unter Ultraschallkontrolle in den Bereich des Analsphinkters injiziert, um eine präzise Platzierung zu gewährleisten.

Die meisten Kinder zeigten eine deutliche Verbesserung der Symptome

Fünf der sechs Kinder erlebten eine stabile Verbesserung der Darmfunktion. Vor der Behandlung litten alle Kinder unter täglichem Einkoten, das soziale Probleme verursachte (Grad drei auf der Krickenbeck-Skala). Nach der Behandlung verbesserten sich fünfundsiebzig Prozent auf nur noch gelegentliches Einkoten ein- bis zweimal wöchentlich (Grad eins). Die Forscher führten insgesamt zwölf Eingriffe bei den sechs Patienten durch, was darauf hindeutet, dass einige Kinder von wiederholten Behandlungen profitierten. Ultraschalluntersuchungen während der Nachsorge zeigten, dass der Sphinktermuskel dicker geworden war, was die verbesserte Kontrolle erklären könnte.

Während und nach der Behandlung traten keine schwerwiegenden Komplikationen auf

Das Verfahren erwies sich für alle beteiligten Kinder als sicher. Nach keiner der zwölf Behandlungen entwickelten sich schwerwiegende Komplikationen. Da das Fett aus dem eigenen Körper des Kindes stammt, besteht kein Risiko einer Abstoßung oder Immunreaktion. Die minimalinvasive Fettentnahme aus dem Bauchbereich verursacht nur geringe Beschwerden an der Entnahmestelle.

Die Lebensqualität der Familien verbesserte sich nach der Behandlung der Kinder

Über die Messung körperlicher Symptome hinaus befragten die Forscher die Eltern zur Lebensqualität ihrer Familie vor und nach der Behandlung. Die Eltern füllten Fragebögen zu drei Bereichen aus: Einschränkungen im Alltag, depressive Gefühle und Schamgefühle. Vor der Behandlung berichteten viele Eltern, dass sie soziale Aktivitäten mieden, sich von anderen Familien unterschieden fühlten und sich Sorgen machten, dass das Einkoten ihres Kindes zu peinlichen Situationen in der Schule führen könnte. Nachdem ihre Kinder behandelt worden waren, berichteten die Eltern von Verbesserungen in all diesen Bereichen.

Vielversprechende Ergebnisse rechtfertigen weitere Forschung in größeren Gruppen

Diese kleine Fallserie deutet darauf hin, dass Fetttransplantation mit der Lipogems®-Technologie eine sichere, wirksame Option für Kinder mit Stuhlinkontinenz bieten könnte, die auf Standardbehandlungen nicht angesprochen haben. Das injizierte Fett scheint auf zwei Weisen zu wirken: als physikalisches Füllmaterial, das dem Sphinkter hilft, sich vollständiger zu schließen, und durch seine regenerativen Eigenschaften, die die Gewebefunktion im Laufe der Zeit verbessern können. Allerdings umfasste diese Studie nur sechs Patienten ohne Vergleichsgruppe. Größere Studien mit längerer Nachbeobachtung werden helfen, diese ermutigenden frühen Ergebnisse zu bestätigen und festzustellen, welche Kinder am ehesten profitieren werden.

---

Quelle: Pinto et al., Journal of Clinical Medicine, 2023.

Originalpublikation

Role of Autologous Fat Grafting in the Conservative Treatment of Fecal Incontinence in Children

Valentina Pinto, Marco Pignatti, Giovanni Parente, Neil Di Salvo, Luca Contu, Mario Lima · Journal of Clinical Medicine · 2023

Treatment of organic fecal incontinence in children, typical of anorectal malformations, is most often conservative; however, when necessary, it can be surgical. Autologous fat grafting, or lipofilling, can be used to improve fecal incontinence. We present our experience with echo-assisted anal-lipofilling and its effects on fecal incontinence in children and on the quality of life of the entire family. Under general anesthesia, fat tissue was harvested according to the traditional technique, and processed in a closed system Lipogems® set. Injection of the processed adipose tissue was guided by trans-anal ultrasound assistance. Ultrasound and manometry were also used for follow-up. From November 2018, we performed 12 anal-lipofilling procedures in six male patients (mean age 10.7 years). Five children had a stable improvement in bowel function with Krickenbeck's scale scores going from soiling grade 3 pre-treatment in 100% of children to grade 1 post-treatment in 75% of them. No major post-operative complications developed. An increase in thickness of the sphincteric apparatus was shown at ultrasound during follow-up. The quality of life of the entire family, evaluated with a questionnaire, improved after the surgical treatment of the children. Anal-lipofilling is a safe and effective procedure to reduce organic fecal incontinence thereby benefiting both the patients and their families.

Verwandte Forschung