Wie Stammzellen Gelenke vor Arthrose-Schäden schützen können
Vilim Molnar, Eduard Pavelić, Kristijan Vrdoljak, Martin Čemerin, Emil Klarić, Vid Matišić, Roko Bjelica, Petar Brlek, Ivana Kovačić, Carlo Tremolada, Dragan Primorac · Genes · 2022
Arthrose betrifft weltweit Millionen von Menschen. Aktuelle Behandlungen lindern oft nur die Symptome, können das Fortschreiten der Erkrankung jedoch nicht aufhalten. Diese Übersichtsarbeit untersucht, wie mesenchymale Stammzellen (MSCs) — regenerative Zellen, die in Fettgewebe, Knochenmark und Plazenta vorkommen — einen neuen Ansatz zum Schutz Ihrer Gelenke bieten könnten.
Fettgewebe liefert 500-mal mehr Stammzellen als Knochenmark
Wenn Ärzte regenerative Zellen für eine Behandlung benötigen, können sie diese aus verschiedenen Körpergeweben gewinnen. Forschungsergebnisse zeigen, dass Fettgewebe eine bemerkenswert ergiebige Quelle darstellt. Gramm für Gramm enthält Fettgewebe (Adipozytengewebe) etwa 500-mal mehr Stammzellen als Knochenmark. Das ist wichtig, da eine ausreichende Zellzahl für eine wirksame Behandlung entscheidend ist.
Fettgewebe bietet auch praktische Vorteile. Die Zellgewinnung aus Fettgewebe ist weniger invasiv als die Entnahme aus dem Knochenmark. Der Eingriff verursacht weniger Beschwerden an der Entnahmestelle. Aus Fettgewebe gewonnene Zellen bleiben zudem länger aktiv und können sich häufiger teilen als Knochenmarkzellen.
Stammzellen bekämpfen Entzündungen, die den Knorpel schädigen
Eine zentrale Erkenntnis dieser Übersichtsarbeit ist, wie Stammzellen zum Schutz der Gelenke beitragen. Anstatt geschädigtes Gewebe einfach zu ersetzen, setzen diese Zellen hilfreiche Substanzen frei, die Entzündungen hemmen. Dies ist bedeutsam, da anhaltende Entzündungen das Fortschreiten der Arthrose vorantreiben.
Studien zeigen, dass aus Fettgewebe gewonnene Stammzellen stärkere entzündungshemmende Wirkungen haben als Knochenmarkzellen. Sie reduzieren die Aktivität von Immunzellen, die schädliche Antikörper produzieren. Außerdem senken sie die Konzentration von Entzündungsmolekülen, die zu Gelenkschäden beitragen.
Zellen setzen Wachstumsfaktoren frei, die die Heilung unterstützen
Stammzellen wirken wie winzige Medikamentenfabriken in Ihrem Gelenk. Sie scheiden Proteine aus, sogenannte Wachstumsfaktoren, die:
das Absterben gesunder Zellen verhindern
die Gewebevernarbung reduzieren
die Bildung neuer Blutgefäße fördern
die Zellreparatur und das Zellwachstum anregen
Diese „parakrinen Effekte" bedeuten, dass die Zellen Ihrem Körper helfen, sich selbst zu heilen. Die Stammzellen müssen sich nicht in Knorpelzellen umwandeln, um Vorteile zu bieten. Stattdessen schaffen sie ein heilungsförderndes Milieu.
Klinische Studien zeigen vielversprechende Schmerzlinderung
Mehrere klinische Studien haben Stammzellbehandlungen bei Arthrose untersucht. Patienten berichten typischerweise über deutliche Verbesserungen bei Schmerzwerten und Gelenkfunktion. Einige Studien nutzten auch MRT-Bildgebung, um nach physischen Veränderungen im Gelenk zu suchen.
Die Ergebnisse waren ermutigend. Allerdings weisen Forscher auf eine wichtige Einschränkung hin: Verschiedene Kliniken bereiten Stammzellen auf unterschiedliche Weise auf. Diese fehlende Standardisierung erschwert den Vergleich von Ergebnissen zwischen Studien. Solange die Aufbereitungsmethoden nicht einheitlicher werden, haben große medizinische Fachgesellschaften die Stammzelltherapie noch nicht in ihre offiziellen Behandlungsleitlinien aufgenommen.
Aus Fettgewebe gewonnene Zellen bieten mehrfachen Gelenkschutz
Diese Übersichtsarbeit verdeutlicht, warum Fettgewebe zu einer bevorzugten Quelle für regenerative Behandlungen geworden ist. Aus Fettgewebe gewonnene Stammzellen vereinen drei hilfreiche Eigenschaften: Sie können sich potenziell zu knorpelbildenden Zellen entwickeln. Sie hemmen Entzündungen stark. Und sie setzen Wachstumsfaktoren frei, die die Gewebereparatur unterstützen.
Diese kombinierten Wirkungen machen aus Fettgewebe gewonnene Zellen besonders geeignet für die Behandlung von Arthrose. Das Lipogems®-System verarbeitet Ihr eigenes Fettgewebe, um diese natürlichen Heilungseigenschaften zu erhalten. Da die Zellen aus Ihrem eigenen Körper stammen, vermeidet die Behandlung Risiken, die mit Spendergewebe verbunden sind.
Was das für Ihre Behandlungsentscheidung bedeutet
Diese umfassende Übersichtsarbeit bestätigt, dass die Stammzelltherapie echtes Potenzial bei Arthrose zeigt. Die wissenschaftlichen Grundlagen zur Wirkungsweise dieser Zellen sind gut belegt. Die klinischen Ergebnisse waren in mehreren Studien positiv.
Die Haupteinschränkung betrifft nicht die Sicherheit oder Wirksamkeit. Vielmehr wartet die medizinische Fachwelt auf standardisierte Aufbereitungsmethoden, bevor offizielle Leitlinien aktualisiert werden. Für Patienten, die mit konventionellen Behandlungen keine Linderung gefunden haben, bietet die Stammzelltherapie eine wissenschaftlich fundierte Option, die es wert ist, mit Ihrem Arzt besprochen zu werden.
Quelle: Molnar et al., Genes, 2022.
Originalpublikation
Mesenchymal Stem Cell Mechanisms of Action and Clinical Effects in Osteoarthritis: A Narrative Review
Vilim Molnar, Eduard Pavelić, Kristijan Vrdoljak, Martin Čemerin, Emil Klarić, Vid Matišić, Roko Bjelica, Petar Brlek, Ivana Kovačić, Carlo Tremolada, Dragan Primorac · Genes · 2022
With the insufficient satisfaction rates and high cost of operative treatment for osteoarthritis (OA), alternatives have been sought. Furthermore, the inability of current medications to arrest disease progression has led to rapidly growing clinical research relating to mesenchymal stem cells (MSCs). The availability and function of MSCs vary according to tissue source. The three primary sources include the placenta, bone marrow, and adipose tissue, all of which offer excellent safety profiles. The primary mechanisms of action are trophic and immunomodulatory effects, which prevent the further degradation of joints. However, the function and degree to which benefits are observed vary significantly based on the exosomes secreted by MSCs. Paracrine and autocrine mechanisms prevent cell apoptosis and tissue fibrosis, initiate angiogenesis, and stimulate mitosis via growth factors. MSCs have even been shown to exhibit antimicrobial effects. Clinical results incorporating clinical scores and objective radiological imaging have been promising, but a lack of standardization in isolating MSCs prevents their incorporation in current guidelines.