Fettgewebeinjektion stellt bei fünf Patienten die Darmkontrolle wieder her

A. Giori, C. Tremolada, R. Vailati, S.E. Navone, G. Marfia, A.I. Caplan · CellR4 · 2015

Erste Studie zeigt anhaltende Verbesserungen über zwei Jahre

Diese kleine, aber bedeutsame Studie begleitete fünf Patienten mit Stuhlinkontinenz (Verlust der Darmkontrolle). Alle hatten zuvor andere Behandlungen ohne Erfolg ausprobiert. Die Forscher injizierten aufbereitetes Fettgewebe aus dem eigenen Körper der Patienten in die analen Schließmuskeln. Die Ergebnisse zeigten bedeutsame Verbesserungen, die mindestens zwei Jahre anhielten.

Stuhlinkontinenz resultiert häufig aus Geburtsverletzungen, Beckenoperationen oder Nervenschädigungen. Sie beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich, dennoch suchen viele Betroffene aus Scham keine Hilfe. Diese Studie untersuchte, ob die Lipogems®-Technologie eine neue minimalinvasive Option bieten könnte.

Inkontinenz-Scores sanken im Durchschnitt von 14 auf 3,4

Die Ärzte maßen den Schweregrad mit dem Wexner-Inkontinenz-Score. Diese Skala reicht von null (perfekte Kontrolle) bis zwanzig (vollständige Inkontinenz). Vor der Behandlung lag der durchschnittliche Score der Patienten bei 14, was auf erhebliche Probleme hindeutete.

Drei Monate nach der Lipogems®-Injektion sank der Durchschnittswert auf 3,4. Diese dramatische Verbesserung bedeutet, dass die Patienten von häufigen Vorfällen zu nahezu normaler Darmkontrolle gelangten. Am wichtigsten ist, dass diese Fortschritte über den gesamten Nachbeobachtungszeitraum von zwei Jahren stabil blieben.

Ultraschalluntersuchungen zeigen Muskelreparatur im Zeitverlauf

Die Forscher nutzten Ultraschall, um zu beobachten, was im behandelten Bereich geschah. Nach sechs Monaten war das injizierte Fettgewebe vom Körper absorbiert worden. Jedoch zeigte sich nach zwölf und vierundzwanzig Monaten etwas Bemerkenswertes: deutliche Hinweise auf Muskelreparatur.

Dieser Befund legt nahe, dass das Fettgewebe nicht einfach durch Volumenaufbau wirkt. Stattdessen scheinen die Stammzellen und Helferzellen im Lipogems® die körpereigenen Heilungsprozesse anzuregen. Die regenerativen Zellen scheinen geschädigte Muskeln und Nerven zu „aktivieren" und ihnen bei der Selbstreparatur zu helfen.

Schließmuskeldruckmessungen verbesserten sich signifikant

Über die Symptom-Scores hinaus maßen die Ärzte, wie gut die analen Schließmuskeln tatsächlich funktionierten. Sie testeten den Druck sowohl in Ruhe als auch beim willkürlichen Zusammenkneifen. Beide Messungen zeigten im Zeitverlauf bedeutsame Verbesserungen.

  • Der Ruhedruck erhöhte sich, was auf einen besseren Grundmuskeltonus hindeutet

  • Der Kneifdruck verbesserte sich, was eine stärkere willkürliche Kontrolle zeigt

  • Diese Verbesserungen setzten sich fort, auch nachdem das injizierte Fett absorbiert war

Diese objektiven Befunde unterstützen das, was die Patienten berichteten: Ihre Muskeln funktionierten besser, sie fühlten sich nicht nur anders an.

Das Verfahren verwendet körpereigenes Fett mit minimaler Erholungszeit

Das Lipogems®-Verfahren umfasste mehrere unkomplizierte Schritte:

  • Fettentnahme: Die Ärzte entnahmen schonend etwa 90 cc (ungefähr sechs Esslöffel) Fett aus dem Körper jedes Patienten durch Liposuktion

  • Aufbereitung: Das Fett wurde gewaschen und mit einem speziellen Gerät in winzige Cluster zerkleinert, wobei die regenerativen Zellen erhalten blieben

  • Injektion: Das aufbereitete Fett wurde um den inneren und äußeren Schließmuskel sowie in der Nähe der Pudendalnerven injiziert

Da die Behandlung körpereigenes Gewebe verwendet, besteht kein Abstoßungsrisiko. Das Verfahren ist minimalinvasiv im Vergleich zu traditionellen Operationen wie Schließmuskelrekonstruktion oder künstlichen Schließmuskelimplantaten.

Frühe Befunde deuten auf Heilung hin, nicht nur auf Volumenaufbau

Frühere Behandlungen haben versucht, verschiedene Materialien zur Volumenerhöhung um den Schließmuskel zu injizieren. Diese Ansätze versagen oft im Laufe der Zeit, weil die Materialien wandern oder absorbiert werden, ohne eine Reparatur anzuregen.

Diese Studie legt nahe, dass Lipogems® anders wirkt. Die Forscher glauben, dass Stammzellen im Fettgewebe Heilungssignale freisetzen, die die Muskel- und Nervenregeneration fördern. Dieser „parakrine Effekt" bedeutet, dass die Zellen mit dem umliegenden Gewebe kommunizieren, um die Reparatur zu fördern. Die Tatsache, dass die Vorteile auch nach dem Verschwinden des Fettes anhielten, unterstützt diese Theorie.

Einschränkungen und Ausblick

Dies war eine kleine Studie mit nur fünf Patienten und ohne Vergleichsgruppe. Obwohl die Ergebnisse ermutigend sind, werden größere kontrollierte Studien benötigt, um diese Befunde zu bestätigen. Die Forscher müssen auch besser verstehen, wie die Behandlung auf zellulärer Ebene genau funktioniert.

Dennoch bietet diese Studie Hoffnung für Patienten, die andere Optionen ausgeschöpft haben. Alle fünf Teilnehmer erlebten bedeutsame, anhaltende Verbesserungen bei einer Erkrankung, die auf andere Behandlungen nicht angesprochen hatte.

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Quelle: Giori et al., CellR4, 2015.

Originalpublikation

Recovery of Function in Anal Incontinence After Micro­Fragmented Fat Graft (Lipogems®) Injection: Two Years Follow Up of the First 5 Cases

A. Giori, C. Tremolada, R. Vailati, S.E. Navone, G. Marfia, A.I. Caplan · CellR4 · 2015

Anal incontinence is common and significantly diminishes quality of life. This work aims to investigate the therapeutical potential of regenerative lipofilling by lipoaspirated fat, washed and reduced in size by the new device Lipogems®, in patients affected by chronic fecal incontinence. 5 patients with fecal incontinence due to obstetric injury and anorectal-pelvic surgery were followed up for 24 months after grafting of an average of 90 cc of aspirated and microfragmented fat (Lipogems®) in the external, internal anal sphincters and around pudendal nerves. Wexner-Incontinence-Score and Fecal-Incontinence-Quality-of-Life-Scale were used before and after treatment together with digital exploration, proctoscopy, endoanal ultrasound and anorectal manometry. All patients observed an improvement both short and long term. The Wexner-Incontinence-Score improved from a preoperative mean of 14.0 to 3.4 at 3 months after treatment and remained stable up to 24 months. Anorectal manometry has reported over time significant improvements of pressure both at rest and in squeeze. Ultrasonography showed reabsorption of Lipogems tissue at 6 months and clear muscle repair at 12 and 24 months. Our preliminary results suggest that this regenerative lipofilling can improve symptoms of fecal incontinence due to muscular and neural local trauma. Further studies are necessary to clarify the underlying mechanism, but a paracrine action of the mesenchymal stem cells contained in the fat tissue or in the purified fat

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