Lipogems® in Kombination mit rektaler Lappenplastik zeigt vielversprechende Ergebnisse bei Fisteln nach Prostatektomie

M. Zuin, M. Ruperto, M. Balduino, A. Amodeo, L. De Zorzi, B. Roche, M. Pavanello, C. Sernagiotto · Techniques in Coloproctology · 2019

Abnormale Verbindung zwischen Rektum und Harnröhre ist selten, aber schwerwiegend

Eine rektourethrale Fistel (RUF) ist ein abnormaler Kanal, der sich zwischen dem Rektum und der Harnröhre bildet. Diese Komplikation kann nach einer radikalen Prostatektomie (Operation zur Entfernung der Prostata) auftreten. Obwohl selten, verursacht sie belastende Symptome wie den Abgang von Stuhl oder Gasen über das Harnsystem. Die beste Reparaturmethode zu finden, hat sich als schwierig erwiesen, da sich kein einzelner Ansatz als Standardbehandlung etabliert hat.

Italienische Chirurgen entwickelten eine zweistufige Reparaturtechnik

Forscher in Italien entwickelten ein Verfahren namens RAFAL, was für „rectal advancement flap plus adipose lipofilling" (rektale Verschiebelappenplastik plus Fettgewebs-Lipofilling) steht. Dieser Ansatz repariert die Fistel von zwei Seiten. Auf der rektalen Seite entfernen die Chirurgen das abnormale Gewebe und bilden einen Lappen aus gesunder Rektumschleimhaut, um die Öffnung zu verschließen. Auf der urethralen Seite injizieren sie aufbereitetes Fettgewebe mit regenerativen Zellen direkt in den Bereich um die Fistel.

Sieben Patienten über einen Zeitraum von 13 Jahren behandelt

Diese Studie verfolgte sieben Männer, die nach laparoskopischer Prostatakrebsoperation Fisteln entwickelten. Wichtige Details zu diesen Patienten:

  • Das mediane Alter betrug 61 Jahre (Spanne von 52 bis 66)

  • Keiner hatte vor der Operation eine Strahlentherapie erhalten

  • Alle bemerkten etwa zwei Wochen nach der Prostatektomie Stuhlbeimengungen im Urin

  • Die Fistelgrößen reichten von zwei bis fünf Millimetern

  • Jeder Patient erhielt zunächst ein temporäres Kolostoma und wartete sechs Monate auf eine mögliche spontane Heilung, die jedoch nicht eintrat

Lipogems® lieferte die regenerativen Zellen für die Injektion

Bei vier der sieben Patienten verwendeten die Chirurgen das Lipogems®-System zur Aufbereitung der regenerativen Zelllösung. Der Prozess umfasste:

  • Entnahme von etwa 150 Millilitern Fettgewebe aus der Bauchwand des Patienten

  • Aufbereitung dieses Gewebes durch das Lipogems®-System für etwa 20 Minuten

  • Injektion von 40 Millilitern der resultierenden Lösung in die Fistelränder von der Blase aus

Das Lipogems®-System verwendet eine schonende mechanische Aufbereitung mit kleinen Edelstahlkugeln, um die natürlich im Fettgewebe vorkommenden heilungsfördernden Zellen zu separieren und zu konzentrieren. So entsteht ein sofort verwendbares Produkt aus dem körpereigenen Gewebe des Patienten.

71 % Erfolgsrate beim Ersteingriff, insgesamt 86 %

Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 53 Monaten (über vier Jahre) zeigten die Ergebnisse:

  • Bei fünf von sieben Patienten (71 %) kam es nach dem ersten RAFAL-Eingriff zu einem vollständigen Fistelverschluss

  • Zwei Patienten erlitten ein Fistelrezidiv

  • Ein Rezidiv wurde erfolgreich mit einer anderen chirurgischen Technik behandelt

  • Das andere wurde durch Wiederholung des RAFAL-Eingriffs erfolgreich behandelt

  • Insgesamt erreichten sechs von sieben Patienten (86 %) einen erfolgreichen Verschluss

  • Es wurden keine kurz- oder langfristigen Komplikationen beobachtet

  • Der Blutverlust während der Operation war minimal (in allen Fällen unter 50 Milliliter)

Eine minimalinvasive Option für ein schwieriges Problem

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass dieser kombinierte Ansatz für ihre Patienten sowohl sicher als auch wirksam war. Die RAFAL-Technik bietet mehrere potenzielle Vorteile. Sie behandelt die Fistel gleichzeitig von der rektalen und der urethralen Seite. Sie verwendet körpereigenes Gewebe des Patienten und vermeidet so Fremdmaterial. Die Lipogems®-Aufbereitung dauert nur etwa 20 Minuten, was sie praktikabel für den Einsatz während der Operation macht.

Obwohl diese Studie nur sieben Patienten umfasste, liefert die lange Nachbeobachtungszeit (einige Patienten wurden über 13 Jahre verfolgt) aussagekräftige Informationen über dauerhafte Ergebnisse. Für Männer, die mit dieser herausfordernden Komplikation nach einer Prostataoperation konfrontiert sind, stellt diese Technik eine vielversprechende Behandlungsoption dar, die etablierte chirurgische Reparatur mit regenerativer Medizin kombiniert.

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Quelle: Zuin et al., Techniques in Coloproctology, 2019.

Originalpublikation

Rectal advancement flap plus adipose lipofilling (RAFAL) for the treatment of rectourethral fistulas after radical prostatectomy

M. Zuin, M. Ruperto, M. Balduino, A. Amodeo, L. De Zorzi, B. Roche, M. Pavanello, C. Sernagiotto · Techniques in Coloproctology · 2019

Rectourethral fistula (RUF) is a rare but significant complication after radical prostatectomy. Many different approaches have been used, but none of them has become the standard of care. We present our series of seven patients treated with a transanal rectal advancement flap plus the injection of mesenchymal stem cells, to facilitate the healing of the fistula. Mesenchymal cells were obtained by a new mechanical device known as LIPOGEMS®. We called this technique RAFAL (rectal advancement flap plus adipose lipofilling). In all patients the RUF was a complication of laparoscopic radical prostatectomy. Fistula size ranged from 0.3 to 0.5 cm (median 0.4 cm). After a median follow-up of 53 months (range 6-163 months), 2 out of 7 patients experienced RUF recurrence. In both cases recurrence was successfully treated by the York-Mason technique in one case and by redo RAFAL in the other. Success rate of RAFAL was 71% (5 of 7). The total success rate of primary RAFAL and redo-RAFAL was 85.7% (6 of 7). No short- or long-term complications were seen. In our patient population this new procedure was safe and effective.

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