Fettgewebsinjektion bietet Hoffnung bei hartnäckigen Crohn-Fisteln

Silvio Laureti, Paolo Gionchetti, Alberta Cappelli, Laura Vittori, Federico Contedini, Fernando Rizzello, Rita Golfieri, Massimo Campieri, Gilberto Poggioli · Inflammatory Bowel Diseases · 2019

Zwei Drittel der Patienten erreichten nach sechs Monaten vollständige Heilung

Diese italienische Studie untersuchte einen neuen Ansatz für Menschen, deren perianale Crohn-Fisteln trotz Standardbehandlungen nicht abgeheilt waren. Die Forscher behandelten fünfzehn Patienten mit komplexen Fisteln mittels mikrofragmentiertem Fettgewebe (speziell aufbereitetes Fett aus dem eigenen Körper des Patienten). Die Ergebnisse waren ermutigend: Zehn von fünfzehn Patienten (67 %) erreichten eine vollständige Remission. Das bedeutet, dass sich ihre Fistelöffnungen schlossen und MRT-Aufnahmen eine Heilung im Gewebe zeigten.

Standardbehandlungen hatten bei diesen Patienten bereits versagt

Jeder Patient in dieser Studie hatte bereits den aktuellen Goldstandard der Behandlung durchlaufen. Dieser umfasst eine chirurgische Drainage in Kombination mit Biologika wie Anti-TNF-Medikamenten. Sie hatten diese Behandlungen mindestens ein Jahr lang ohne Erfolg erhalten. Einige hatten zusätzlich sogenannte „Rescue"-Operationen hinter sich. Dies waren wirklich schwierige Fälle, bei denen den Ärzten die konventionellen Möglichkeiten ausgegangen waren.

Die Herausforderung bei komplexen Crohn-Fisteln ist erheblich. Selbst mit den besten verfügbaren Behandlungen übersteigen die Erfolgsraten nicht 60 %. Ohne wirksame Behandlung benötigt bis zur Hälfte der Patienten letztendlich eine permanente Stomaanlage (eine chirurgisch geschaffene Öffnung zur Stuhlableitung).

Das Verfahren nutzt die körpereigenen Heilungszellen

Das Lipogems®-System verarbeitet eine kleine Menge Fettgewebe aus dem eigenen Körper des Patienten. Dabei entsteht mikrofragmentiertes Fettgewebe, das Perizyten (Helferzellen, die die Heilung unterstützen) und mesenchymale Stromazellen (regenerative Zellen, die Gewebe reparieren können) enthält. Anders als bei manchen Zelltherapien müssen die Zellen weder im Labor gezüchtet noch mit Enzymen extrahiert werden. Das Fett wird lediglich gereinigt und in winzige Stücke zerkleinert, wobei seine natürlichen Heilungseigenschaften erhalten bleiben.

Die Ärzte führten den Eingriff ambulant durch. Sie injizierten das aufbereitete Fettgewebe in einer einzigen Sitzung direkt um und in die Fistelgänge.

MRT-Aufnahmen bestätigten den klinischen Befund

Die Ergebnisse basierten nicht nur auf der körperlichen Untersuchung. Jeder Patient erhielt nach 24 Wochen ein Becken-MRT zur Verifizierung der Befunde:

  • Zehn Patienten (67 %) zeigten eine vollständige Heilung, bestätigt sowohl klinisch als auch im MRT

  • Vier Patienten (27 %) zeigten eine Besserung, aber keinen vollständigen Verschluss

  • Ein Patient (6 %) sprach nicht auf die Behandlung an

Die MRT-Bestätigung ist wichtig, da Fisteln an der Oberfläche geschlossen erscheinen können, während tiefer im Gewebe noch aktive Erkrankung besteht.

Es traten keine schwerwiegenden Komplikationen oder Nebenwirkungen auf

Die Studie berichtete von keinen relevanten chirurgischen Komplikationen oder unerwünschten Ereignissen. Dieses Sicherheitsprofil ist besonders bedeutsam, da diese Patienten bereits mehrere Voroperationen hinter sich hatten. Die minimalinvasive Natur des Eingriffs bedeutet, dass kein Risiko einer Schädigung der Analsphinktermuskulatur besteht – ein Aspekt, der bei anderen chirurgischen Ansätzen Anlass zur Sorge sein kann.

Die Forscher betonten, dass die Behandlung erschwinglich und minimalinvasiv ist und ambulant durchgeführt werden kann.

Was das für Ihre Behandlungsentscheidungen bedeutet

Dies war eine kleine Pilotstudie ohne Vergleichsgruppe, sodass sie nicht beweisen kann, dass die Behandlung besser wirkt als Alternativen. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass die Injektion von mikrofragmentiertem Fettgewebe eine sinnvolle Option als „Rescue-Therapie" sein könnte, wenn Standardbehandlungen nicht gewirkt haben.

Die Komplett-Remissionsrate von 67 % bei diesen schwer behandelbaren Patienten schneidet im Vergleich zu anderen Ansätzen günstig ab. Beispielsweise zeigte eine andere Studie, dass biologische Plugs bei ähnlichen Patienten nur eine Heilungsrate von 33 % erreichten.

Wenn Sie komplexe perianale Fisteln haben, die auf Biologika und chirurgische Eingriffe nicht angesprochen haben, legt diese Forschung nahe, dass eine Fettgewebsinjektion ein Gespräch mit Ihrem Gastroenterologen oder Kolorektalchirurgen wert sein könnte. Größere Studien mit längeren Nachbeobachtungszeiträumen werden dazu beitragen zu klären, wie gut dieser Ansatz langfristig funktioniert.

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Quelle: Laureti et al., Inflammatory Bowel Diseases, 2019.

Originalpublikation

Refractory Complex Crohn's Perianal Fistulas: A Role for Autologous Microfragmented Adipose Tissue Injection

Silvio Laureti, Paolo Gionchetti, Alberta Cappelli, Laura Vittori, Federico Contedini, Fernando Rizzello, Rita Golfieri, Massimo Campieri, Gilberto Poggioli · Inflammatory Bowel Diseases · 2019

Complex perianal fistulas represent one of the most challenging manifestations of Crohn's disease. Combined surgical and medical therapy with biologic drugs currently represent first-line treatment, but efficacy does not exceed 60%. This study evaluated the effectiveness, safety, and feasibility of local injections of microfragmented adipose tissue in patients with refractory complex fistulizing perianal Crohn's disease (PCD). Fifteen patients with persistent complex fistulizing PCD after biosurgical approach and subsequent surgical 'rescue' repair were treated with a single local administration of microfragmented adipose tissue prepared using a minimal manipulation technique (Lipogems) in a closed system. Clinical outcomes were determined at 24-week follow-up assessing success rate, defined as combined clinical and radiological remission. At 24 weeks, 10 patients achieved combined remission (clinical and radiographic), 4 patients showed improvement, and 1 patient failed. Results were confirmed in all patients by pelvic MRI. No relevant postoperative complications or adverse events were reported. These results suggest that local injection of autologous microfragmented adipose tissue is a safe and promising 'rescue therapy' for patients with multiresistant complex fistulizing PCD. This approach is affordable, minimally invasive, carries no risk of sphincteric damage, and can be performed in a day-surgery setting, making it suitable for routine clinical use.

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