Behandlung komplexer rezidivierender Analfisteln mit Lipogems®
Marco De Monti, Giovanni Cestaro, Luca Regusci, Fabrizio Fasolini, Ken Galetti · International Journal of Regenerative Medicine · 2022
Zwei Drittel der Patienten geheilt nach mehreren erfolglosen Operationen
Diese Fallserie aus dem Jahr 2022 aus der Schweiz und Italien untersuchte einen kombinierten Ansatz zur Behandlung komplexer rezidivierender Analfisteln – abnorme Gänge zwischen Rektum und Haut, die trotz vorangegangener Operationen nicht abgeheilt waren. Die Forscher behandelten drei Patienten mittels videoassistierter Fistelchirurgie (VAAFT) in Kombination mit Lipogems® mikrofragmentiertem Fettgewebe. Alle drei Patienten hatten sich zuvor mehreren Operationen über Zeiträume von einem bis 15 Jahren ohne Erfolg unterzogen. Zwei der drei Patienten erreichten eine vollständige Heilung ohne Symptome über einen Nachbeobachtungszeitraum von ein bis zwei Jahren.
Warum wiederholte Operationen größere Herausforderungen schaffen
Analfisteln betreffen in westlichen Ländern jährlich etwa neun von 100.000 Menschen. Diese Gänge können sich nach Infektionen, Abszessen oder Erkrankungen wie Morbus Crohn bilden. Wenn Fisteln nach der Behandlung wiederkehren, stehen Chirurgen vor einer schwierigen Situation. Jede weitere Operation erhöht das Risiko einer Schädigung der Schließmuskeln, die die Darmfunktion kontrollieren. Dies kann zu Inkontinenz führen – einer lebensverändernden Komplikation. Die Suche nach Behandlungen, die Fisteln ohne wiederholte Schnitte heilen, wird für diese komplexen Fälle essenziell.
Videoführung enthüllt verborgene Fistelverläufe
Der Eingriff beginnt mit der videoassistierten Analfistelbehandlung (VAAFT). Eine winzige Kamera wird durch die äußere Fistelöffnung eingeführt. Dies ermöglicht es den Chirurgen, den gesamten Gang einschließlich versteckter Verzweigungen oder Infektionsherde zu sehen. Die Videoführung leitet dann eine kleine Elektrode, um das erkrankte Gewebe im gesamten Verlauf zu zerstören. Diese gründliche Darstellung und Reinigung bereiten die Fistel auf die Heilung vor. Die innere Öffnung wird anschließend sorgfältig mit Nähten verschlossen.
Fettgewebe bietet sowohl Füllung als auch Heilungsunterstützung
Nach der Vorbereitung der Fistel entnehmen die Chirurgen Fettgewebe aus Bauch, Hüfte oder Oberschenkeln des Patienten. Das Lipogems®-System verarbeitet dieses Fett zu mikrofragmentiertem Fettgewebe (MFAT). Dieses speziell aufbereitete Material enthält Perizyten und mesenchymale Stammzellen – natürliche Heilungszellen, die die Gewebereparatur unterstützen. Das aufbereitete Fett wird dann in den gereinigten Fistelgang und das umliegende Gewebe injiziert. Es erfüllt zwei Zwecke: Es füllt den Raum aus, um ein Wiederöffnen des Ganges zu verhindern, und fördert durch seine Heilungszellen eine echte Geweberegeneration.
Ein Misserfolg auf Patientenfaktoren zurückgeführt, nicht auf die Technik
Von den drei behandelten Patienten heilte einer nicht. Die Forscher führten diesen Misserfolg auf mangelnde Patientencompliance und persönliche Gewohnheiten zurück, die die Genesung beeinträchtigten. Dieser Patient ging anschließend für die Nachbeobachtung verloren. Die anderen beiden Patienten erlebten eine vollständige Symptomremission. Ihre Ergebnisse blieben über Nachbeobachtungszeiträume von ein bis zwei Jahren stabil. Obwohl drei Fälle eine kleine Zahl darstellen, deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass der kombinierte Ansatz Patienten Hoffnung bieten könnte, die andere Optionen ausgeschöpft haben.
Eine vielversprechende Option, wenn Standardbehandlungen versagen
Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die Kombination von videoassistierter Chirurgie mit Lipogems®-Fettinjektionen eine valide, sichere und praktikable Option für schwierige Analfisteln darstellt. Das Verfahren nutzt die immunmodulatorischen Eigenschaften mesenchymaler Zellen – das bedeutet, diese Zellen helfen bei der Regulierung von Entzündungen und unterstützen die Heilung. Dieselbe Eigenschaft macht die Technik nützlich bei der Behandlung von Fisteln im Zusammenhang mit Morbus Crohn. Für Patienten, die vor der Aussicht auf eine weitere konventionelle Operation mit steigendem Inkontinenzrisiko stehen, stellt dieser regenerative Ansatz eine schließmuskelschonende Alternative dar, die es wert ist, mit ihrem chirurgischen Team besprochen zu werden.
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Quelle: De Monti et al., International Journal of Regenerative Medicine, 2022.
Originalpublikation
Regenerative and Endoscopic Treatment of Complex Recurrent Fistula in Ano: When Technology Supports Clinical Treatment
Marco De Monti, Giovanni Cestaro, Luca Regusci, Fabrizio Fasolini, Ken Galetti · International Journal of Regenerative Medicine · 2022
Recurrent anal fistulas present a challenge to surgeons due to the high risk of post-operative incontinence caused by repeated surgery. The correct identification of the anatomy of the main and secondary fistula tracts and the individuation of abscess cavities are fundamental for correct treatment. Intraoperative endoscopic evaluation and the complete destruction of the fistula pathway can be achieved through video-assisted anal fistula treatment (VAAFT). Furthermore, the injection of human autologous Microfractured Adipose Tissue (MFAT) processed by a Lipogems® device can be used as both a bulking agent and a regenerative technique. A combined approach of VAAFT plus Microfractured Adipose Tissue Graft (MFAT) is proposed in order to treat recurrent and complex fistula in ano. Three cases treated with a combination of VAAFT and MFAT grafts are described. All cases had undergone multiple interventions at the perianal level over a period ranging from 1 to 15 years. One case certainly failed due to poor patient compliance, but in the remaining two cases, the patients made a complete recovery with the disappearance of symptoms over a follow-up period of one to two years. The combination of video-assisted anal fistula treatment and injection of human autologous microfractured adipose tissue may be a valid, safe and feasible therapeutic option. MFAT injections are more effective in promoting tissue regeneration than simply 'filling' the fistula tract and are common practice also in the treatment of Crohn's Disease due to the immunomodulatory power of mesenchymal cells.