Ambulante Fettinjektion zeigt vielversprechende Ergebnisse bei Stimmproblemen

A. M. Saibene, C. Pipolo, R. Lorusso, S. M. Portaleone, G. Felisati · B-ENT · 2015

Drei Patienten erlangen Stimmqualität ohne Vollnarkose zurück

Diese kleine Studie untersuchte einen neuen Ansatz zur Behandlung von Stimmbandlähmungen. Die Forscher verwendeten aufbereitetes Fettgewebe aus dem eigenen Körper der Patienten, um die Stimmfunktion wiederherzustellen. Der Eingriff wurde am wachen Patienten durchgeführt, ausschließlich unter örtlicher Betäubung. Alle drei Patienten erlebten anhaltende Stimmverbesserungen über einen Zeitraum von 12 Monaten.

Eine Stimmbandlähmung tritt auf, wenn sich ein Stimmband nicht richtig bewegen kann. Dadurch entsteht ein Spalt, der die Sprache beeinträchtigt und Schluckbeschwerden verursachen kann. Herkömmliche Behandlungen erfordern oft eine Operation unter Vollnarkose. Diese Studie prüfte, ob ein einfacherer ambulanter Ansatz ebenso gut funktionieren könnte.

Lipogems® erzeugt glattes, injizierbares Fettgewebe

Die Forscher verwendeten die Lipogems®-Technologie zur Aufbereitung des Fettgewebes für die Injektion. Dieses Gerät verarbeitet Fettgewebe zu einer glatten, fließfähigen Form, die leicht durch feine Nadeln fließt. Das resultierende Material enthält regenerative Zellen, sogenannte mesenchymale Stammzellen (Zellen, die die Gewebeheilung unterstützen).

Die Lipogems®-Aufbereitung entfernt Blut und Bindegewebe, das Entzündungen verursachen könnte. Die Fettcluster sind kleiner als bei herkömmlicher Liposuktion. Dies schafft mehr Oberfläche, damit das Gewebe überleben und in das Stimmband einwachsen kann.

Eingriff in der Praxis unter Lokalanästhesie durchgeführt

Bei jedem Patienten wurde Fettgewebe aus dem Bauchbereich mittels Standard-Liposuktion unter örtlicher Betäubung entnommen. Das gewonnene Fett wurde anschließend mit dem Lipogems®-Gerät aufbereitet. Die Ärzte verwendeten eine flexible Kamera, die durch die Nase eingeführt wurde, um die Stimmbänder direkt zu sehen.

Nach Betäubung des Rachens mit Lidocain-Spray injizierten die Ärzte das aufbereitete Fett in das gelähmte Stimmband. Sie überfüllten den Bereich leicht, um einen geringfügigen Gewebeverlust während der Heilung auszugleichen. Der gesamte Eingriff erforderte weder einen Operationssaal noch eine Vollnarkose. Die Patienten gingen nach etwa 30 Minuten Überwachung noch am selben Tag nach Hause.

Alle drei Patienten zeigten bedeutsame Stimmverbesserung

Die Studie begleitete drei Patienten über mindestens 12 Monate:

  • Patient 1: Eine 63-jährige Frau mit Lähmung nach Tumorentfernung

  • Patient 2: Ein 72-jähriger Mann mit Lähmung nach Lungenkrebsoperation

  • Patient 3: Eine 65-jährige Frau mit Lähmung nach Schilddrüsenentfernung

Alle drei erlebten wesentliche Verbesserungen der Stimmqualitätswerte:

  • Die maximale Phonationsdauer (wie lange die Patienten einen Ton halten konnten) verdoppelte sich in allen Fällen nahezu

  • Die Voice Handicap Index-Werte sanken deutlich, was eine bessere Alltagsfunktion zeigt

  • Professionelle Stimmqualitätsbewertungen verbesserten sich in mehreren Kategorien

Diese Verbesserungen blieben während des gesamten 12-monatigen Nachbeobachtungszeitraums stabil.

Keine Komplikationen während Behandlung oder Erholung berichtet

Der Eingriff wurde von allen drei Patienten gut vertragen. Es traten keine Blutungen, Infektionen oder Atemprobleme auf. Die Kombination aus Lokalanästhesie und leichter Sedierung hielt die Patienten durchgehend komfortabel. Die Erholung verlief schnell, und die Patienten kehrten kurz nach der Behandlung zu ihren normalen Aktivitäten zurück.

Ergebnisse deuten darauf hin, dass regenerative Zellen dauerhafte Vorteile bieten könnten

Die Forscher stellten fest, dass die Stimmverbesserungen über das gesamte Jahr der Nachbeobachtung konstant blieben. Diese Stabilität deutet darauf hin, dass die mesenchymalen Stammzellen im aufbereiteten Fett regenerative Vorteile über den einfachen Volumenersatz hinaus bieten könnten. Herkömmliche Fettinjektionen verlieren manchmal mit der Zeit an Volumen, da der Körper das Gewebe absorbiert.

Was dies für Ihre Behandlungsentscheidung bedeutet

Diese Studie bietet ermutigende frühe Hinweise für Patienten mit Stimmbandlähmung. Der Eingriff vereint mehrere Vorteile: die Verwendung von körpereigenem Gewebe (Vermeidung von Abstoßungsrisiken), die Notwendigkeit nur einer örtlichen Betäubung und die Durchführung in einer Praxis statt in einem Operationssaal.

Allerdings handelte es sich um eine sehr kleine Studie mit nur drei Patienten. Obwohl alle eine Verbesserung zeigten, sind größere Studien erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen. Die 12-monatige Nachbeobachtung ist vielversprechend, aber längerfristige Daten würden helfen festzustellen, wie dauerhaft die Vorteile sind.

Wenn Sie eine Stimmbandlähmung haben, besprechen Sie diese Option mit Ihrem Arzt. Er kann Ihnen helfen festzustellen, ob dieser Ansatz für Ihre spezifische Situation geeignet sein könnte, basierend auf der Ursache und dem Schweregrad Ihrer Erkrankung.

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Quelle: Saibene et al., B-ENT, 2015.

Originalpublikation

Transnasal endoscopic microfractured fat injection in glottic insufficiency

A. M. Saibene, C. Pipolo, R. Lorusso, S. M. Portaleone, G. Felisati · B-ENT · 2015

This study evaluated a novel outpatient treatment for glottic insufficiency involving transnasal endoscopic injection of autologous microfractured fat. Three patients with vocal cord palsy underwent laryngoplasty under local anaesthesia using a flexible endoscope with a working canal for Microfractured Fat Fibre-endoscopic Injection (MFFI). Adipose tissue was harvested from the abdomen and processed using the Lipogems® device, which produces an emulsion with optimal purity, fluidity, and mesenchymal stem cell content. The processed fat was injected laterally into the vocal process of the affected fold through a 21-gauge needle under direct endoscopic visualization, with slight overcompensation (130%) to account for minimal resorption. MFFI was well tolerated with no complications observed. During the 12-month follow-up period, voice improvement was constant in all three patients as measured by maximum phonation time, Voice Handicap Index scores, and GRBAS values, suggesting stem cell-related regenerative potential. The procedure combines advantages of existing treatments for glottic insufficiency while eliminating the need for general anaesthesia, injection pistols, or alloplastic materials. MFFI represents an efficacious, straightforward outpatient procedure using only autologous material with direct glottic visualization under local anaesthesia.

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