Lipogems® unterstützt die Heilung von Fisteln nach Prostataoperation

M. Zuin, M. Ruperto, M. Balduino, A. Amodeo, L. De Zorzi, B. Roche, M. Pavanello, C. Sernagiotto · Techniques in Coloproctology · 2019

Eine seltene, aber schwerwiegende postoperative Komplikation

Eine rektourethrale Fistel (RUF) ist eine abnorme Verbindung, die sich zwischen dem Rektum und der Harnröhre bilden kann. Diese seltene Komplikation tritt manchmal nach einer radikalen Prostatektomie auf (operative Entfernung der Prostata zur Krebsbehandlung). Wenn dies geschieht, bemerken Patienten möglicherweise Stuhl oder Luft im Urin – ein belastendes Symptom, das eine chirurgische Korrektur erfordert.

Die beste Methode zur Behandlung dieser Fisteln zu finden, war bisher eine Herausforderung. Es existieren viele Techniken, doch keine hat sich als Standardbehandlung etabliert. Diese Studie aus Italien untersuchte einen neuen Ansatz mit Lipogems®-Technologie zur Heilung dieser schwierig zu behandelnden Wunden.

Sieben Patienten mit kombinierter „RAFAL"-Technik behandelt

Die Forscher entwickelten ein Verfahren, das sie RAFAL nennen (Rectal Advancement Flap plus Adipose Lipofilling). Dieser Ansatz repariert die Fistel von beiden Seiten. Auf der rektalen Seite entfernen die Chirurgen das abnorme Gewebe und bilden einen Verschiebelappen zur Deckung der Öffnung. Auf der urethralen Seite injizieren sie speziell aufbereitetes Fettgewebe, das regenerative Zellen enthält.

Sieben Männer mit Fisteln nach laparoskopischer Prostataoperation erhielten diese Behandlung. Ihre Fisteln waren zwischen zwei und fünf Millimeter groß. Bei allen Patienten hatten sich die Symptome etwa zwei Wochen nach ihrer Krebsoperation entwickelt.

Lipogems® liefert Ihre eigenen heilungsfördernden Zellen

Vier der sieben Patienten erhielten Injektionen, die mit der Lipogems®-Technologie aufbereitet wurden. Die Ärzte entnahmen etwa 150 Milliliter Fettgewebe aus der Bauchdecke jedes Patienten. Das Lipogems®-Gerät verarbeitete dieses Gewebe dann in etwa 20 Minuten.

Das System nutzt sanfte mechanische Einwirkung mit kleinen Edelstahlkugeln, um die wertvollen heilungsfördernden Bestandteile von unerwünschtem Material zu trennen. Dabei entsteht mikrofragmentiertes Fettgewebe (MFAT) – Ihr eigenes, speziell aufbereitetes Fett, das mesenchymale Stammzellen enthält (regenerative Zellen, die die Heilung unterstützen). Etwa 40 Milliliter dieser Lösung wurden dann um die Fistel auf der Blasenseite injiziert.

86% Gesamterfolgsrate bei langer Nachbeobachtung

Die Ergebnisse waren ermutigend:

  • Fünf von sieben Patienten (71%) heilten nach dem ersten RAFAL-Eingriff vollständig aus

  • Zwei Patienten erlitten ein Fistelrezidiv und benötigten eine weitere Operation

  • Einer davon wurde erfolgreich mit einer erneuten RAFAL-Prozedur behandelt

  • Der Gesamterfolg erreichte 86% (sechs von sieben Patienten heilten aus)

  • Keine Komplikationen traten auf – weder kurzfristig noch langfristig

Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 53 Monate (etwa viereinhalb Jahre), wobei einige Patienten über 13 Jahre nachverfolgt wurden. Dieser lange Beobachtungszeitraum gibt Vertrauen, dass die Reparaturen über die Zeit stabil blieben.

Eine minimalinvasive Option mit klaren Vorteilen

Die RAFAL-Technik bietet mehrere Vorteile für Patienten, die mit diesem schwierigen Problem konfrontiert sind:

  • Verwendet Ihr eigenes Gewebe, wodurch Risiken durch Fremdmaterial entfallen

  • Minimalinvasiver Zugang über natürliche Körperöffnungen

  • Relativ kurzer Eingriff (etwa drei Stunden einschließlich Fettaufbereitung)

  • Geringer Blutverlust (weniger als 50 Milliliter in allen Fällen)

  • Keine berichteten Komplikationen in dieser Serie

Die Patienten blieben nur kurz im Krankenhaus und wurden mit einem Harnkatheter entlassen. Nach Bestätigung der Fistelheilung (gewöhnlich nach etwa zwei Monaten) wurde der Katheter entfernt. Das vorübergehende Kolostoma wurde etwa fünf Monate nach der Operation zurückverlegt.

Was dies für Ihre Behandlungsentscheidung bedeutet

Obwohl diese Studie klein ist – nur sieben Patienten – zeigt sie, dass die Kombination aus Gewebereparatur und aus Lipogems® gewonnenen regenerativen Zellen rektourethrale Fisteln wirksam heilen kann. Die Gesamterfolgsrate von 86% und das Ausbleiben von Komplikationen sind vielversprechend, besonders bei einer Erkrankung, die historisch schwierig zu behandeln war.

Wenn Sie nach einer Prostataoperation mit einer rektourethralen Fistel konfrontiert sind, deutet diese Forschung darauf hin, dass eine aus Fettgewebe gewonnene regenerative Therapie eine sichere und wirksame Behandlungsoption bieten kann. Besprechen Sie mit Ihrem Chirurgen, ob die RAFAL-Technik für Ihre spezifische Situation geeignet sein könnte.

---

Quelle: Zuin et al., Techniques in Coloproctology, 2019.

Originalpublikation

Rectal advancement flap plus adipose lipofilling (RAFAL) for the treatment of rectourethral fistulas after radical prostatectomy

M. Zuin, M. Ruperto, M. Balduino, A. Amodeo, L. De Zorzi, B. Roche, M. Pavanello, C. Sernagiotto · Techniques in Coloproctology · 2019

Rectourethral fistula (RUF) is a rare but significant complication after radical prostatectomy. Many different approaches have been used, but none of them has become the standard of care. We present our series of seven patients treated with a transanal rectal advancement flap plus the injection of mesenchymal stem cells, to facilitate the healing of the fistula. Mesenchymal cells were obtained by a new mechanical device known as LIPOGEMS®. We called this technique RAFAL (rectal advancement flap plus adipose lipofilling). In all patients the RUF was a complication of laparoscopic radical prostatectomy. Fistula size ranged from 0.3 to 0.5 cm (median 0.4 cm). After a median follow-up of 53 months (range 6-163 months), 2 out of 7 patients experienced RUF recurrence. In both cases recurrence was successfully treated by the York-Mason technique in one case and by redo RAFAL in the other. Success rate of RAFAL was 71% (5 of 7). The total success rate of primary RAFAL and redo-RAFAL was 85.7% (6 of 7). No short- or long-term complications were seen. In our patient population this new procedure was safe and effective.

Verwandte Forschung